MISSION WIEDERAUFSTIEG: Uli Forte: "Giftig und gallig soll der FCZ sein"

Cupsieger Zürich strebt mit einem beträchtlichen finanziellen Aufwand den sofortigen Wiederaufstieg in die Super League an. Trainer Uli Forte über den "brutal harten Gang" durch die illustre Zweitklassigkeit und über seine Forderungen an die Mannschaft.

Sven Schoch/sda
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FCZ-Trainer Uli Forte: Die Mission Wiederaufstieg wird "brutal hart". (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

FCZ-Trainer Uli Forte: Die Mission Wiederaufstieg wird "brutal hart". (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Herr Forte, wann löste sich die Schockstarre? Direkt nach dem Aufprall in der Zweitklassigkeit? Oder ging der Trauerprozess länger?
Uli Forte: Nach dem Match gegen Vaduz empfahl ich allen, das Thema 24 Stunden lang mit den Freunden auszudiskutieren. Dann musste Schluss sein, weil der Cupfinal noch bevorstand - ein Spiel, das dem Klub Millioneneinnahmen bringen könnte, die in der Challenge League fehlen werden. Für das damals völlig geknickte Team war das geglückte Endspiel der Startschuss für einen sofortigen Neubeginn.

Genügte die eine Trophäe, um den Absturz des Schwergewichts FCZ aufzuhalten?
Forte: Der Cupsieg hat zumindest gutgetan. Sie können sich gar nicht vorstellen, was nach einem solchen Abstieg alles auf einen Klub niederprasselt. Der Finalsieg gegen Lugano bremste den Frust ein bisschen, aber ein Koloss lässt sich nicht einfach mit einer Vollbremsung stoppen. Mehrere Schritte waren nötig, um für etwas Ruhe zu sorgen.

Welche?
Forte: Wir benötigten frische Kräfte und neue Köpfe. Mit wurde schnell einmal klar, dass es mit der alten Crew nicht mehr weitergehen würde.

Sie sprechen die unvermeidlichen Aufräumarbeiten an, um einen schleichenden Prozess einzudämmen und einen Haufen Trümmer zu beseitigen.
Forte: Es kostete tatsächlich viel Energie, Altlasten abzubauen und gleichzeitig neues Personal davon zu überzeugen, beim Wiederaufbau mitzuhelfen. Wir sind inzwischen auf einem guten Weg und kommen voran. Die Zusammenarbeit mit Thomi Bickel (Leiter Sport) und der Sportkommission funktioniert gut.

Sie haben kantige Typen wie Dzengis Cavusevic, Andris Vanins, Adrian Winter und Roberto Rodriguez engagiert. Haben Sie mit Ihren Transfers das Charakterdefizit der Absteiger minimiert?
Forte: In der Challenge League steigt nicht unbedingt das qualitativ beste Team auf. Die Mannschaft mit der grössten Einheit wird jubeln. Deshalb benötigte ich Typen, die andere mitreissen können, die sich unterordnen, die nicht auf ihr eigenes Ego achten, sondern den Klub bedingungslos in den Vordergrund stellen. Solche Spieler haben wir geholt!

Die Neuen sind nicht die Jüngsten.
Forte: Jung, alt, die Diskussion ist überflüssig. Ich habe in meiner Trainerkarriere einige Talente gefördert - Michi Lang debütierte bei mir in St.Gallen als 18-Jähriger als Nachfolger von Zelli (Marc Zellweger). Aber nur mit Nachwuchshoffnungen geht es nicht. Der FCZ ist im Frühling mit einer sehr jungen Mannschaft abgestiegen. Wir brauchen jetzt erfahrene Leute, die wissen, wie die Liga tickt.

Auf einen totalen Umbau haben Sie verzichtet, viele Verlierer sind noch da. Weshalb?
Forte: Hätten wir personell auch noch alles auf den Kopf gestellt, wäre ein totales Tohuwabohu entstanden. In solchen Konstellationen geht oft zu viel Zeit verloren, bis die Inhalte vermittelt sind. Ein gewisses Gerüst muss stehen, das mein Anforderungsprofil kennt.

Welche Form von FCZ schwebt Ihnen vor, an welchen Stil denken Sie?
Forte: Giftig und gallig soll er sein, der neue FCZ. Niemand soll mehr im Selbstmitleid baden, wenn es einmal nicht wunschgemäss läuft. Keiner soll jammern, wenn wir auf die Knochen bekommen. Mit Händen und Füssen soll er sich dann wehren. Ich will keinen FCZ sehen, der ein bisschen durch die Challenge League spaziert und sich immer wieder die eine Frage stellt: <Was machen wir eigentlich hier?>

Sie sagen immer wieder, man müsse die Liga kennen, und verlangen generell eine realistische Haltung in eigener Sache.
Forte: Schauen Sie sich das Teilnehmerfeld an. Wie viele Schweizer Meister sind am Start? Wie viele ehemalige Super-League-Klubs? Servette, Aarau, Xamax, dazu Wil, das 13,5 Millionen Euro investiert hat. Für uns bahnt sich ein ganz schwerer Gang an, es wird brutal hart. Nur weil wir das FCZ-Logo auf der Brust tragen, gehen keine Türen auf. Uns rollt niemand den roten Teppich aus, im Gegenteil.

36 Cupspiele für den Cupsieger?
Forte: Auf uns kommen tatsächlich massenhaft Cupspiele zu. Jeder will uns ein Bein stellen. Gegen uns zelebrieren sie alle ihr Spiel des Jahres. Aber wir treten überall mit einem zwölften Mann an. Unsere Fans werden jedes Stadion füllen.

Sind Sie sicher? Die Fans reagierten mit Hohn, Spott und Verachtung auf den Abstieg. Hat sich die Lage inzwischen entspannt?
Forte: Als Fan ist man ein Leben lang verbunden mit dem Klub (5000 kauften ein Saisonticket). Der Trainer oder die Spieler müssen irgendwann abtreten, die Anhänger bleiben. Ihre schwere Enttäuschung verstehe ich bis zu einem gewissen Punkt. Sie sind mit Leib und Seele dabei. Ich bin sicher, dass die Fans die Enttäuschung verdaut haben und die Situation akzeptieren werden.

Können die heiklen Probleme dennoch wieder aufflammen?
Forte: Es kommt sicherlich darauf an, wie wir uns auf dem Platz verhalten. Wenn wir eine Serie von Siegen hinlegen, dann trifft das nicht zu. Aber wenn wir natürlich stottern, wenn wir nicht kämpferisch spielen, wenn wir hochnäsig oder arrogant sind und glauben, wir seien der grosse FCZ, dann könnte es problematisch werden.