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Interview

Xherdan Shaqiri: «Mich muss man nicht bei Laune halten!»

Gegen Belgien (Brüssel, 20.45 Uhr) ruhen die Schweizer Hoffnungen einmal mehr auf Xherdan Shaqiri. Der Offensivspieler über den neuen Arbeitgeber Liverpool, Trainer Jürgen Klopp und die künftige Rolle im Nationalteam.
Christian Brägger, Brüssel
Xherdan Shaqiri: Bei Liverpool Ergänzungsspieler, für die Schweiz Eckpfeiler. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Brüssel, 11. Oktober 2018))

Xherdan Shaqiri: Bei Liverpool Ergänzungsspieler, für die Schweiz Eckpfeiler.
(Bild: Ennio Leanza/Keystone (Brüssel, 11. Oktober 2018))

Xherdan Shaqiri, Sie sind soeben erst 27 Jahre alt geworden. Haben Sie ebenfalls das Gefühl, Sie seien eine halbe Ewigkeit im Nationalteam?

Nein. Aber von der aktuellen Mannschaft bin ich tatsächlich am längsten dabei, habe die meisten Länderspiele.

Was bedeuten Ihnen die 76 Länderspiele für die Schweiz?

Sehr viel. Jedes Aufgebot ist wie eine Auszeichnung und macht mich stolz. Es zeigt, dass man zu den Besten des Landes gehört. Und es gibt dir Selbstvertrauen für den Club. Vielleicht sogar einen zusätzlichen Schub.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Länderspiel?

Sehr gut. Der Gegner war Uruguay. Ich war sehr jung, 19 Jahre alt. Es war speziell, und ich nervös. Den ersten Eckball von der linken Seite habe ich in St. Gallen irgendwo hinter das Tor gesetzt. Der Platz war aber auch nicht so toll damals...

Sie mussten lange warten, bis Sie für die Schweiz auf der Wunschposition hinter der Spitze spielen durften.

Ich denke, im Nationalteam ist dies die richtige Rolle für mich. Im Zentrum bekomme ich neben klaren Aufträgen des Trainers auch gewisse Freiheiten. Und ich versuche sie zu Gunsten der Mannschaft auszunützen: Ich lasse mich fallen, bewege mich zwischen den Linien, gehe in den Abschluss, spiele den letzten Pass. Aber ich bin nicht derjenige, der gerne die Bälle hinten in den eigenen Reihen holt.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat gesagt, Sie hätten auf dieser Position die ganze Breite und Tiefe.

Ich erhalte sicher mehr Möglichkeiten, wie wenn ich vorwiegend von aussen komme. Dort geht es oft eins gegen eins. In der Mitte kann die Mannschaft noch mehr profitieren von mir.

Belgien als Reifetest

Mit Belgien trifft heute die Schweiz auf einen Grossen des Fussballs. «Nach solchen Partien weiss man, wo man steht. Und man weiss, was es noch braucht», sagt Goalie Yann Sommer. Für Nationaltrainer Vladimir Petkovic dient die Begegnung mit dem WM-Dritten, der in Russland am meisten Tore der 32 Teilnehmer erzielt hat, als eine Art Reifetest. Wie gefestigt ist seine Mannschaft tatsächlich, vor allem dann, wenn sie unter Druck gerät? Natürlich geht es in dieser zweiten und schwierigsten Gruppenpartie der Nations League («das sind gute Spiele für uns») auch darum, das Schweizer Spiel weiterzuentwickeln. Schneller soll es werden, und noch vertikaler ausgerichtet soll es sein. Unwahrscheinlich ist, dass der Nationalcoach seine Idee der Dreierkette gegen diese starke Offensive weiter vorantreibt. Vielmehr dürfte er im angestammten
4-2-3-1 das derzeit beste Team nominieren. Für Fabian Schär könnte in der Innenverteidigung Nico Elvedi zum Zug kommen, Renato Steffen wird wohl rechts im Mittelfeld auflaufen.

Wissen Sie, warum es so lange gedauert hat für die neue Rolle?

Nach dem Island-Spiel sagen jetzt alle, ich müsste schon längst dort agieren. Aber es ist ja nicht so, dass ich auf der Seite schlecht gespielt hätte. Vielleicht haben wir es jeweils nicht im richtigen Moment so konsequent probiert wie im September.

Im Sommer haben Sie zum FC Liverpool gewechselt. Wie ist das Leben in der neuen Stadt?

Ich lebe noch im selben Haus in Manchester wie zuvor, als ich für Stoke spielte. Nach Liverpool habe ich mit dem Auto knapp 40 Minuten und damit weniger lang als nach Stoke-on-Trent.

Was wissen Sie von der Stadt?

Noch nicht viel. Ich wüsste nicht, wann ich dazu Gelegenheit gehabt hätte. Als ich zum Club stiess, waren wir in den USA in der Vorbereitung. Wir kamen zurück und seither ist der Terminkalender voll. Darum hatte ich noch keine Gelegenheit, die Stadt kennen zu lernen. Aber ich habe ja einen langfristigen Vertrag mit dem FC Liverpool, da wird sich das schon noch ergeben.

Wie hält Sie Trainer Jürgen Klopp bei Laune? In der Liga spielten Sie in acht Spielen erst 96 Minuten.

Mich muss man nicht bei Laune halten! Der Entwicklungsprozess ist bis anhin gut aufgegangen für mich. Klar, jeder Profi will spielen. Ich auch. Aber es folgen ja noch viele Partien. Zudem muss man einfach auch sehen, was in Liverpool jüngst geleistet worden ist. Da haben viele Leute einen guten Job gemacht. Darum wird nicht von heute auf morgen alles auf den Kopf gestellt. Das, was jetzt abläuft, ist genau das, was ich erwartet hatte. Das sind alles ganz normale Prozesse auf diesem Niveau. Und ich entschied mich für den Transfer zu Liverpool in vollem Bewusstsein, dass ich es bei einem Verein mit diesem Standing schwerer haben würde als beispielsweise bei anderen Clubs, die sich auch um mich bemüht hatten.

Hat der Coach gesagt, was er konkret mit Ihnen vorhat?

Er hat mir beim ersten Kontakt erklärt, er könne sich sehr gut vorstellen, dass ich in sein System passe und zum Fussball, den er spielen lassen wolle.

Klopp hat überdies gesagt, Liverpool sei der perfekte Club für Sie. Weil Sie sich selbst herausfordern müssten.

Für mich war der Wechsel perfekt. Ich will mich immer verbessern. Ich will Titel gewinnen. Das ist das A und O im Fussball. Und mit dieser Mannschaft sind die Chancen gross.

Wie anders ist das Leben in der Garderobe im Vergleich mit Stoke?

Sicher einmal die Musik vor den Matches. In Stoke schliefen wir vor den Heimspielen meistens zu Hause, nicht im Hotel wie mit Liverpool. Aber grosse Unterschiede gibt es nicht. Im Fussball ist es in jedem Club ziemlich ähnlich. Die Rituale bleiben dieselben. Aber natürlich ist Liverpool ein ungleich grösserer Club.

Wie bereitet sich Liverpool auf die Matches vor?

Spielen wir am Nachmittag, übernachten wir in einem Hotel. Ich glaube, es ist mitten in der Stadt. Es hat jedenfalls am Abend drumherum immer viele Leute, die man hört. In England sind die Fenster nicht so schalldicht wie anderswo, da hört man einiges.

Was passiert mit Ihnen, wenn Sie heftig kritisiert werden wie von den Neville-Brüdern? Die beiden ehemaligen Fussballer bezeichneten Sie als «Schande» und «unprofessionell».

Es geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Ich lese die Dinge zwar, aber stelle oft fest, wie wenig kompetent es ist, was gesagt wird. Meistens kritisieren Leute, die neidisch sind. Oder die dich nicht mögen.

Sie sind ja schon auch bekannt dafür, auf Kritiker harsch zu reagieren.

Was heisst «harsch»? Richtig ist: Ich kann schon zum Ausdruck bringen, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, das mir wichtig ist.

Man erwartet viel von Ihnen. Das impliziert aber auch, dass man Ihnen viel zutraut. Sie haben einmal gesagt, Sie würden sich grausam nerven, wenn man in Ihnen den einzigen Schweizer sieht, der Spiele entscheiden kann. Wie ist es heute?

Es ist noch immer so. Wir sind alle gleich in der Nationalmannschaft. Wieso soll einer da mehr kritisiert werden? Jeder verdient Kritik, wenn er schlecht spielt. Aber alle müssen gleich behandelt werden. Gewisse Medien begutachten mich manchmal strenger als andere. Das sehe nicht nur ich so. Mit den Fans dagegen hatte ich noch nie Probleme.

Es kam jüngst die Liste für den Ballon d’Or heraus. Stehen auch Sie irgendwann einmal darauf?

Man weiss das nie. Ich muss viel spielen, Titel gewinnen, Leistung bringen. Dann ist das vielleicht einmal möglich.

Sie scheinen nicht mehr so oft verletzt wie früher. Schauen Sie besser zu sich?

Es scheint nicht nur so. Es ist Fakt, dass ich in jüngster Zeit verletzungsfrei gewesen bin. Ich bin topfit, und das zählt. Und nein, ich schaue nach wie vor gleich professionell zu mir.

Stimmt das Gefühl, dass Granit Xhaka und Sie durch die WM näher zusammengerückt sind?

Granit und ich hatten es schon immer gut. Es ist vielmehr so, dass die ganze Mannschaft nochmals zusammengerückt ist nach all dem Rummel, den es für viele Spieler gab. Es wurde viel berichtet, aber wir wurden nie nervös, nie destabilisiert, sondern halten jetzt noch mehr zusammen.

Wann steht dieses Schweizer Team auf dem Zenit?

Für mich gibt es keinen Zenit. Dieser wäre vielleicht bei einem WM- oder EM-Titel erreicht. Davon sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. Umso wichtiger sind Spiele wie nun gegen Belgien. Das sind super Gradmesser und Herausforderungen für uns. Da sieht man, wie weit man ist. Ein weiterer positiver Auftritt wäre ein zusätzlicher Beleg für einen nächsten wichtigen Schritt in unserer Entwicklung.

Aber es ist schon so: Mit einem Shaqiri in Form sind die Aussichten dieser Schweiz sehr viel besser.

Das zu beurteilen überlasse ich anderen. Ich mache, was der Trainer von mir verlangt, und das möglichst gut. Das machen alle so. Denn es braucht alle. Trainer, Spieler, Staff. Insbesondere gegen Belgien, die aktuelle Nummer 1 der Welt.

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