Mercedes stört die Red-Bull-Party

Gefeiert wird nur neben der Piste: Mercedes vermiest Red Bull das Heimspiel. Mehr als eine Sekunde büsst Sebastian Vettel am ersten Trainingstag des wiederbelebten Grossen Preises von Österreich auf Lewis Hamilton ein.

Peter Lattmann/Spielberg
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Der Rennstall Red Bull produziert in dieser Saison häufig Schall und Rauch und weist im WM-Zwischenklassement schon einen grossen Rückstand auf Mercedes auf. (Bild: apa/Erwin Scheriau)

Der Rennstall Red Bull produziert in dieser Saison häufig Schall und Rauch und weist im WM-Zwischenklassement schon einen grossen Rückstand auf Mercedes auf. (Bild: apa/Erwin Scheriau)

AUTOMOBIL. Die bäuerlichen Vorfahren des Hollywood-Regisseurs Steven Spielberg sollen den Namen ihres Heimatortes übernommen und nach Amerika getragen haben. Heute verehren die 5100 Einwohner der Marktgemeinde und die ganze Oststeiermark den 70jährigen Dietrich Mateschitz als ihren berühmtesten Sohn. Mit dem Neuaufbau der einst so beliebten Formel-1-Rennstrecke in Spielberg und dem Comeback des Grossen Preises von Österreich dieses Wochenende nach elf Jahren Pause hat der umtriebige Red-Bull-Mitbesitzer in der serbelnden Industrieregion Hunderte neuer Stellen geschaffen. Der Getränkekonzern und seine Dosen sind denn auch allgegenwärtig im Umkreis der grosszügigen Motorsportarena. Die Zufahrt zum Red Bull Ring ist sogar auf der Autobahn prominent beschildert.

Im zweiten Anlauf

Nicht allen gefällt die Dominanz der «Bullen», doch wer zahlt, befiehlt. Auch in dieser Beziehung hat Mateschitz Standfestigkeit bewiesen. Dass die viel zu teuer gewordene Formel 1 in die österreichische Provinz zurück gekehrt ist und auch längerfristig bleiben will, grenzt an ein Wunder. Nach dem Auslaufen des letzten Vertrages mit Bernie Ecclestone Ende 2003 hatte der aus dem benachbarten Mürztal stammende Red-Bull-Chef Mateschitz das Gelände rund um die Strecke aufgekauft, um zusammen mit VW und anderen Investoren ein Motorsportzentrum erster Güte zu realisieren. Das ambitiöse Projekt scheiterte jedoch am Widerstand des Umweltsenats, worauf sich Mateschitz trotz der bereits geleisteten Vorbereitungs- und Abbrucharbeiten erst einmal entnervt zurückzog.

Noch einmal liess sich Mateschitz erweichen und ein abgespecktes Projekt für rund einen Drittel der ursprünglich bereit- gestellten 750 Millionen Euro entwerfen. Diesmal bekam er die Bewilligungen, obwohl noch drei Verfahren hängig sind, weil sich einige wenige Anwohner und Umweltschützer in ihren Rechten beschnitten fühlen. Den Grossteil weiss Mateschitz inzwischen auf seiner Seite. Der Arbeitsmarkt hat sich seit seinem Engagement signifikant aufgehellt, die Region präsentiert sich dank der Umsetzung geschickter Ideen und Investitionen frisch und gediegen. Die besten Hotels in der Nähe hat Mateschitz gleich selbst übernommen und renovieren lassen.

Eklatanter Rückstand

Grund zum Jubeln über die Performance seiner Fahrzeuge beim Heimspiel hat Mateschitz aber nicht. Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo kamen gestern mit ihren Red-Bull-Renaults in den beiden ersten Trainingssessionen in Mateschitz' Arena nicht über die Plätze sechs und acht hinaus und waren nur unwesentlich langsamer als Jean-Eric Vergne und Daniil Kwjat in Mateschitz' Nachwuchsteam Toro Rosso. Obwohl die Rundenzeiten auf dem Red Bull Ring die kürzesten der Saison sind, hinkt die Konkurrenz noch weiter hinter Mercedes her als zuletzt. Die Niederlage von Mercedes in Montreal, als Ricciardo gewann, bleibt wohl die Ausnahme.

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