Mental auf der Höhe sein

Rinaldo Manferdini ist seit Jahren ein gefragter Mentaltrainer. Viele Sportler, darunter auch Thurgauer, holen sich beim ehemaligen Deutsch- und Sportlehrer der Frauenfelder Kantonsschule wertvollen Rat.

Remo Fuchs
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Die ehemalige Spitzenschwimmerin Chantal Strasser (Frauenfeld) war Manferdinis erste Klientin. (Archivbild: ky/Patrick B. Kraemer)

Die ehemalige Spitzenschwimmerin Chantal Strasser (Frauenfeld) war Manferdinis erste Klientin. (Archivbild: ky/Patrick B. Kraemer)

ALLGEMEINES. In der Welt des Sports nimmt die Bedeutung des Mentaltrainings je länger je mehr zu. Physische Leistungsfähigkeit alleine genügt schon lange nicht mehr, um ausserordentliche Leistungen zu vollbringen. Auch der Kopf trägt entscheidenden Anteil am Erfolg oder Misserfolg. Der ehemalige Deutsch- und Sportlehrer der Kantonsschule Frauenfeld, Rinaldo Manferdini, ist seit 1992 Mentaltrainer. «Als ehemaliger <Trainingsweltmeister> im Skifahren und Judo habe ich mich im Studium intensiver mit diesem Gebiet auseinandergesetzt», erklärt der 54-Jährige. Man kann nicht von heute auf morgen einem Sportler helfen: «Es braucht eine solide Ausbildung, ein intensives Studium der Literatur und viele Gespräche mit Athleten und Trainern.»

Die entscheidende Person

An seine erste Klientin kann sich der in Brunnadern wohnhafte Mentalcoach noch genau erinnern. Die ehemalige Frauenfelder Spitzenschwimmerin Chantal Strasser steckte in einem Leistungstief. Manferdini ergänzt: «Der Erwartungsdruck führte bei ihr zu Anspannungen. Im Training schwamm sie Weltklassezeiten. Im Wettkampf aber war sie verkrampft. Die Challenge war es, den Druck zu lösen, denn ein Jahr später fanden in Hongkong die Weltmeisterschaften statt.»

Die Arbeit hat Früchte getragen; Chantal Strasser überstand ihre Baisse und fand aus dem Tief hinaus. Danach wollten vier der grössten Schwimmclubs der Schweiz von der Arbeit Manferdinis profitieren. Und schon bald betreute er für viele Jahre die Nationalmannschaft. Im Nachhinein schreibt Strasser auf Manferdinis eigener Geschäfts-Homepage www.mentaldrive.ch: «Mein negatives Denken hinderte mich zwei Jahre lang am Gewinnen. Durch Mentaltraining und positive Gedankenkontrolle wurde ich wieder zur Siegerin.»

Die Liste ist lang

Die Klienten-Liste des gebürtigen Zürchers wurde je länger desto grösser. Bekannte Namen wie die beiden Thurgauer Radprofis Michael Albasini und Reto Hollenstein oder die Schweizer Skirennfahrerin Nadia Styger und FCSG-Keeper Daniel Lopar (Romanshorn) liessen sich gerne coachen. Auch das Weinfelder Golftalent Benjamin Rusch arbeitet seit längerem mit Manferdini zusammen. Im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 macht Bobpilot Beat Hefti von Manferdinis Kenntnissen Gebrauch. Er sagt: «Heftis Ziel ist klar. Er will zweimal auf das Podest fahren.»

Die Athleten befinden sich in guter Gesellschaft. Ob Töff-Star Tom Lüthi oder Skispringer Simon Ammann – seit einigen Jahren ist das Mentaltraining aus vielen Trainingsplänen nicht mehr wegzudenken. Auch Mannschaftssportlern dämmert langsam aber sicher, dass die Psyche in belastenden Situationen über Sieg und Niederlage entscheidet. Manferdini sagt: «Zu 90 Prozent arbeite ich mit Einzelsportlern.»

Verschiedene Bausteine

Das mentale Management baut auf einer Reihe von Techniken auf. Das Mentaltraining lehrt die Sportler die Anwendung verschiedener Instrumente. Dazu gehören mental trainierbare Ziele, eine optimale Vorstart-Regulierung, Kontrolle der Emotionen in belastenden Situationen, leistungsfördernder Umgang mit Störfaktoren und mentales Techniktraining. Wer diese fünf Werkzeuge korrekt gebraucht, erhöht seine Chancen, in den sogenannten Flow-Zustand zu kommen und kann damit sein Leistungspotenzial genau dann abrufen, wenn es wirklich zählt: im Wettkampf. «Mentaltraining ist ein Baustein im gesamten Puzzle einer sportlichen Topleistung. Der ehemalige Leistungschef von Swiss Ski, Philipp Chevalier, hat in einem Meeting einmal gesagt: «Mentaltraining hat einen Stellenwert von einem Prozent. Aber dieses eine Prozent entscheidet, ob die restlichen 99 Prozent erfolgreich eingesetzt werden können oder eben nicht», erzählt Rinaldo Manferdini.

Nicht nur geborene Winnertypen können nervenstark und erfolgreich sein. Dass weiss der Mentaltrainer und Ernährungsberater ganz genau. Sein Credo lautet: «Ich unterstütze Menschen dabei, belastende Situationen erfolgreich zu meistern.»

Rinaldo Manferdini (Bild: pd)

Rinaldo Manferdini (Bild: pd)