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Fünfstück hat den FC Wil wieder aufgebaut

Trainer Konrad Fünfstück fand bei seinem Antritt 2017 einen desolaten FC Wil vor. Nun steht das Team auf dem zweiten Platz, in Wohlen winkt morgen der Achtelfinal-Einzug. Fünfstücks Forderung an die Spieler ist wohl auch ein Teil des Erfolgs: «Geniesst euren Job!»
Interview: Ralf Streule
Konrad Fünfstück: «Taktik ja, aber man muss darob ja nicht gleich das Herz für den Fussball verlieren.» (Bild: Ralph Ribi (Wil, 12. September 2018))

Konrad Fünfstück: «Taktik ja, aber man muss darob ja nicht gleich das Herz für den Fussball verlieren.» (Bild: Ralph Ribi (Wil, 12. September 2018))

Beim FC Wil scheint die Sonne. Regelmässige Trainingsbesucher sprechen vom «besten Team­spirit seit Jahren». Und tatsächlich ist die Zuversicht nach dem starken Saisonstart und vor dem morgigen Cupspiel gegen Wohlen im Training spürbar. Ist die Stimmung gut, weil man auf dem zweiten Platz steht? Oder steht man auf dem zweiten Platz wegen der guten Stimmung? Trainer Konrad Fünfstück weiss auf ­diese Frage keine Antwort. Das ­Gespräch mit dem Bayreuther deutet aber auf Letzteres hin.

Konrad Fünfstück, als Sie vor 16 Monaten zum FC Wil stiessen, war der Club am Boden. Waren die Probleme im Verein damals grösser, als Sie angenommen hatten?

Der FC Wil war wirtschaftlich und sportlich quasi zerstört. Nach dem Abgang der Türken gab es sehr viel Unruhe, diese kann man vom Team nicht weghalten. Aber jeder Verein hat seine Historie, die nimmt man als Trainer an.

Der Boulevard sprach bei ihrer Einstellung von einer Fehlbesetzung: Es komme ‹ein Jungtrainer, der die Schweizer Liga nicht kennt›.

Das ist immer so, wenn ein ­Unbekannter kommt – und dann noch ein Ausländer! Damit konnte ich leben. Wil wollte wieder mit eigenen Talenten arbeiten, da steckte bei meiner Anstellung ein Plan dahinter. Ich habe meinen Leistungsausweis, leitete das Nachwuchszentrum in Kaiserslautern. Und ich hatte Erfolge als Cheftrainer in der Regionalliga, das ist ja auch keine Kirmesliga.

Dennoch war auch später öfters von unzufriedenen Spielern zu hören.

Was will man erwarten? Die Clubleitung hatte nach meinem Start vor allem mit wirtschaft­lichen Problemen zu tun, konnte sich nicht auch noch ums zu ­grosse Kader kümmern. Es waren 33 Spieler – da gibt es automatisch 22 unzufriedene.

Wie kam der Erfolg zurück?

Als wir im Winter 2017 den letzten Platz belegten, entschloss sich die Führung, einen Schnitt zu machen. Wir verkleinerten das Kader. Unsere Devise war: In ­jeder Linie ein Arrivierter, darum herum junge Spieler. Das haben wir mit der Achse Nick von Niederhäusern, Sandro Lombardi und Silvio nun. Die Jungen blühen auf. Ein bisschen stolz dürfen wir schon sein: Nicht nur in der Saison-, auch in der Jahrestabelle stehen wir auf Platz zwei.

Da klopfen Sie sich auch selber auf die Schultern, oder?

Ich weiss nicht, ob man so narzisstisch veranlagt sein muss. Es ist ja ein ganzes Umfeld beteiligt. Vor den Verantwortlichen, die tagtäglich kämpften, damit man in Wil weiter Profifussball zu sehen kriegt, ziehe ich den Hut. Das Wichtige ist, dass man als Trainer in den Spiegel schauen kann: Wie setzt du deine Ideen um, wie gehst du mit den Spielern um? Kannst du sie besser machen? Entscheidend sind klare Strukturen, Offenheit und vor allem: Wir sollten Freude an der Sache haben. Und das hatte ich immer.

Ist Wil die zweitbeste Mannschaft der Liga?

Nach sechs Spielen so etwas zu sagen, wäre fahrlässig. Für den zweiten Platz kommen andere Teams in Frage. Ich mache keine Versprechungen. Mit der bisherigen Bilanz bin ich aber zufrieden.

Spüren Sie, dass Ihr Rückhalt grösser geworden ist?

Viele sind überrascht über die neue Kontinuität beim FC Wil. Als ich am Anfang im Hotel wohnte, sagten nicht wenige: «Mach’ mal langsam mit der Wohnungssuche. Trainer werden hier im Dreimonatsrhythmus ausgewechselt.» Nun habe ich einen kleinen Rekord aufgestellt. (lacht) Die Leute merken, dass hier seriös gearbeitet wird. Und dass die Stadt davon profitiert.

Sie lassen mit einer Dreierabwehr spielen – das ist nicht das einfachste System. Funktioniert das nach Ihrem Gusto?

Unser Spiel ist attraktiv, so wird es mir auch von aussen zugetragen. In Sachen schwieriges System: Die Defensive ist ganz allgemein einfacher zu schulen. Da es körperlich kaum mehr Unterschiede gibt und es die meisten Trainer schaffen, dass die Defensive sauber gegen den Ball verschiebt, gibt es kaum mehr Löcher. Die Herausforderung ist, die Offensive zu trainieren. Was bietet der Gegner an? Hier geht es um Individuelles, um Kreativität – nicht um Taktik alleine. Mittlerweile habe ich ein Problem mit diesem taktischen Zeugs, «flache Vier», «falsche Neun». Noch immer ist’s ein Spiel, elf gegen elf.

Sie reden nicht in diesen Fachbegriffen?

Es muss einfach bleiben. Entscheidend ist, in welche Zone der Ball gespielt wird. Vor allem junge Trainer, oft jüngere als ich, halten gerne endlose Monologe über Systeme. Da denke ich: Mensch, Junge, es ist ein Spiel. Wo ist dein Gefühl? Es geht um den Hunger, um die Freude. Klar muss man wissen, wie sich der Kollege verschiebt, wo die Passwege sind. Taktik ja, aber man muss darob ja nicht gleich das Herz für den Fussball verlieren.

Wie geben Sie solches weiter?

Ich hoffe, mit meiner Freude. Ich sage jedem Spieler: Geniess deinen Job, du hast ihn nicht allzu lange. Gehe mit offenen Augen durchs Leben, du bist gesund. Oft fehlt in der Schnelllebigkeit das richtige Verhältnis zum Fussball. Es geht nur um «Brot und Spiele». Wirklich wichtig sind andere Jobs: Altenpfleger, Krankenpfleger, Ärzte. Es ist gut, wenn Spieler an einem zweiten Weg arbeiten, eine Schule, Lehre oder einen Trainerschein absolvieren. Und nicht nur mit dem «Kicker» oder der «Sportbild» durch den Tag gehen. Es gibt anderes neben dem Feld mit den Markierungen.

Sie unternahmen zuletzt mit dem Team eine Wanderung. Ging es darum, auf andere Gedanken zu kommen?

Eine Stadtbesichtigung ist ebenfalls geplant. Die Spieler, die nicht von hier stammen, sollen sehen, für welche Region sie spielen. Sie sollen sich identifizieren, schliesslich leben sie hier eine Zeit lang. Ich sage: Sei stolz, für den schwarzen Bären aufzulaufen, für die Wiler Historie.

Sie befassen sich mit der Geschichte der Stadt Wil?

Na, immerhin kenne ich die Stadtmauer, den Stadtweier, das Zentrum. Es ist verkehrt, wenn du als Angestellter nur die Autobahnausfahrt kennst. Man braucht als Fussballer ja auch ­Regeneration. Warum nicht mal eine Stunde in ein Café sitzen und spüren, wie es hier läuft?

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