«Meine Zeit ist recht gut »– die Toggenburgerin Chiara Scherrer sichert sich an der Schweizer Meisterschaft die Silbermedaille

Nur Fabienne Schlumpf ist an der Schweizer Meisterschaft über 10'000 m in Uster schneller als Chiara Scherrer. «Der letzte Kilometer wollte nicht enden», sagt die Toggenburgerin.

Jörg Greb aus Uster
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Chiara Scherrer (links) und Fabienne Schlumpf feiern gemeinsam.

Chiara Scherrer (links) und Fabienne Schlumpf feiern gemeinsam.

Ulf Schiller/Freshfocus

Wie für Fabienne Schlumpf handelte es sich auch für Chiara Scherrer um eine Premiere: Die 24-jährige Toggenburgerin startete erstmals über die Steeple-Distanz und 10‘000 m über die 25 Bahnrunden.

Wie die EM-Zweite von 2018 hat sich Scherrer bisher primär über die 3000 m Steeple in Szene gesetzt. Ein vierter Rang im vergangenen Sommer an der Universiade sowie der U23-Schweizer Rekord zählen zu ihren wichtigsten Karrierehöhepunkten.

Entkräftet im Ziel

Jetzt aber über die ungewohnt lange Distanz – im Gegensatz zu Schlumpf, die sich künftig dem Marathon zuwendet, bleibt sie der Hindernisstrecke treu. Entkräftet erreichte Scherrer das Ziel. «Ich bin froh, dass ich’s überstanden habe», sagte sie und stützte sich auf einen Steeple-Balken.

Schon auf dem ersten Kilometer stellte sie fest, dass eine Wiederholung des Coups von vor zehn Tagen in Wetzikon kaum Realität werden würde. Mit der Absicht, Schlumpf erneut hinter sich zu lassen, war die Ostschweizerin aber nicht angetreten. Aus der Aufbereitung jenes Rennens über 5000 m – mit Scherrers neuer persönlicher Bestmarke von 15:44 Minuten und Schlumpf in 15:54 – wusste sie:

«Fabienne hatte damals einen miserablen Tag eingezogen und ich einen sehr guten.»

Ins Rennen gestiegen war Scherrer mit einer beträchtlichen Ungewissheit. Zwar wusste sie, dass die Form stimmt, die Erfahrung in dieser Disziplin fehlte ihr aber. «Ich wusste nicht, was mich erwartet.»

Was es aber nicht hätte leiden mögen, stellte sie intuitiv schnell fest. «So offensiv wie Fabienne, das ist für mich einen Tick zu schnell», hielt sie fest. Sodann orientierte sie sich an Männern, die sich um sie gruppiert hatten. Und regelmässig und in hohem Rhythmus absolvierte sie Runde um Runde.

Hart wurde die ungewohnt lange Distanz dennoch. Sie sagt:

«Der letzte Kilometer wollte nicht enden.»

Das Beissen aber zahlte sich aus. Chiara Scherrer überquerte die Ziellinie als zweite Frau und sicherte sich damit die Silbermedaille. Und das in einer ausgezeichneten Zeit: 33:02,63 Minuten wurden für sie gestoppt.

Zum Vergleich: Ihre Bestmarke über die genormte Distanz auf der Strasse liegt bei 33:36 Minuten. «Meine Zeit ist recht gut», analysierte sie und angesprochen auf Schlumpf stellte sie klar: «Das war eine ganz andere Fabienne, wieder die alte Fabienne.»

Chiara Scherrer

Chiara Scherrer

Benjamin Manser

Scherrer will den Schweizer Rekord

Im Training werden Scherrer und Schlumpf weiterhin zusammenspannen, auch wenn die finale Ausrichtung nicht mehr ganz übereinstimmt. «Wir profitieren nach wie vor voneinander», so Scherrer und hält zwei Punkte fest: «Die Steeple-Strecke wird meine Distanz bleiben und mein Ziel ist klar: der Elite-Schweizer Rekord.» Diesen hält seit 2017 Schlumpf mit 9:21,65 Minuten. Scherrer erreichte vergangenes Jahr bei ihrem U23-Rekord eine Zeit von 9:44,59.

Von den andern Ostschweizer Langstrecken-Aushängeschildern gab der letztjährige 10‘000-m-Titelgewinner Eric Rüttimann aus Untereggen mit Seitenstechen auf. Über 2000 m Steeple aber sicherte sich Fabrice Mettler vom TV Herisau die Goldmedaille bei der U20.

Starke Leistung von Simon Ehammer

Simon Ehammer war am Sprung-Meeting in Schaffhausen für den Höhepunkt verantwortlich. Der U20-Europameister im Zehnkampf realisierte im Weitsprung mit 8,15 m die zweitbeste Weite eines Schweizers überhaupt.

Bei Ehammers bestem Versuch passte alles zusammen. Mit 1,3 m/s war die Windunterstützung optimal. Damit reihte sich der Athlet vom TV Teufen in der nationalen Allzeit-Bestenliste an zweiter Position ein – zwölf Zentimeter hinter dem Schweizer Rekordhalter Julien Fivaz und einen Zentimeter vor dem langjährigen Rekordhalter Rolf Bernhard. Ausserdem riss er den Schweizer U23-Rekord an sich, den bisher Benjamin Gföhler mit 8,13 m gehalten hatte.

Ehammer stellte mit dieser Leistung einmal mehr seine Stärke im Weitsprung unter Beweis. Mit 7,87 m hält der 20-jährige Appenzeller auch den nationalen U20-Rekord. Seinen ersten Zehnkampf der Saison bestreitet Ehammer Mitte Juli in Kreuzlingen. (sda)