Meine erstaunliche Erkenntnis

Kürzlich hatte ich wieder ein Aha-Erlebnis. In einem Text über die historische Bedeutung der Erfindung des Tampons las ich, dass «o.b.» nicht nur ein Markenname ist, sondern auch eine Abkürzung – und zwar für «ohne Binde».

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Lukas G. Dumelin, Redaktor

Lukas G. Dumelin, Redaktor

Meine erstaunliche Erkenntnis

Kürzlich hatte ich wieder ein Aha-Erlebnis. In einem Text über die historische Bedeutung der Erfindung des Tampons las ich, dass «o.b.» nicht nur ein Markenname ist, sondern auch eine Abkürzung – und zwar für «ohne Binde». Eigentlich logisch, und doch bin ich noch nie auf die Idee gekommen, dass «o.b.» etwas bedeuten könnte.

Gut, ich bin eben ein Mann, und wir Männer haben weder unsere Tage noch den Ruf, extrem viel zu überlegen. Überlegt man trotzdem ein bisschen und stellt sich dann die Frage, wo es hinführen würde, wenn jedes Unternehmen sich nach den Produkten, Dienstleistungen oder Menschen benennt, für die es nicht bekannt ist, hätten wir bald ein Chaos. Die SBB würden sich für «o.d.» entscheiden (ohne Dampfloki), die Migros würde «o.a.» wählen (ohne Alkohol) und die Uni Zürich «o.m.» (ohne Mörgeli).

Weil es aber langweilig werden würde mit dem immergleichen Konstruktionsmuster, gibt es zum Glück Firmen, die sich ihre Phantasienamen mit andern dubiosen Methoden kreieren. «Fly» ist so eine Firma. Nein, das ist keine Airline, kein Vogelverkäufer und kein Anbieter von Gleitschirmflügen im Alpstein. «Fly» ist ein Möbelhaus.

Damit zurück zu den Tampons, äh, zu den Frauen. Kürzlich standen in Winterthur im «Fly» zwei Teenies vor mir an der Kasse. In ihren Einkaufskörben lagen Deko-Buddhas, die alle einfältig lächelten. Da entdeckte eine der beiden jungen Frauen die übergrossen, knallbunten Taschenrechner, die nicht mehr können als basale Rechenoperationen. «Schau mal», sagte sie zur Freundin, «diese Rechner sind so toll, ich muss einen kaufen.» Und dann sagte sie einen Satz, der unser Konsumverhalten wunderschön auf den Punkt brachte. Sie warf den Satz einfach so dahin, ohne das Gewicht des Satzes zu bemerken. «Ich weiss nur nicht», sagte sie, «wozu ich diesen Rechner je brauchen werde.»

Lukas G. Dumelin (25) ist in Frauenfeld aufgewachsen und studiert Deutsch und Geschichte.