Mein Weg nach Tokio
Nicola Spirig in Olympia-Serie: «Training im Saunazelt? Das ist wie im Gewächshaus – ich habe noch nie so stark geschwitzt»

Triathletin Nicola Spirig ist eine von nur vier Schweizerinnen, die an Olympischen Sommerspielen eine Goldmedaille gewinnen konnten. Hier erzählt die 39-Jährige regelmässig exklusiv, was sie in den letzten Wochen vor ihrer fünften Olympia-Teilnahme in Tokio beschäftigt.

Nicola Spirig
Drucken
Teilen
Nicola Spirig steht vor ihren fünften Olympischen Spielen.

Nicola Spirig steht vor ihren fünften Olympischen Spielen.

Foto: CH Media

Am Donnerstagvormittag fuhr ich mit meiner Teamkollegin Julie Derron gut 3,5 Stunden von St. Moritz nach Kitzbühel, wo ich am Wochenende die Europameisterschaften bestreite. Wir kommen voll aus dem Training und ich betrachte diesen Wettkampf als Teil meiner Vorbereitung, um meine Form weiter zu verbessern. Das Resultat spielt eine untergeordnete Rolle. Auch deshalb, weil das Rennen nicht über die olympische, sondern über die Supersprintdistanz geht (500 Meter Schwimmen, 13 Kilometer auf dem Rad und zum Abschluss 3 Kilometer Laufsprint).

Eine andere Geschichte ist es mit der Kopfbedeckung. Mein Trainer Brett ist der Meinung, ich solle in Tokio eine Kappe gegen die Hitz tragen, was ich zuletzt ausprobiert habe. Doch das hat auch Nachteile: Wenn ich mir Wasser über den Kopf leere, werden die Haare nicht genügend nass. Und das ist es, was den Körper am meisten abkühlt. Deshalb werde ich dieses Wochenende ein Visor Cap tragen, eine Schirmmütze, die das Gesicht vor der Sonne schützt, aber die Haare frei lässt. Jedes Detail kann entscheiden.

Anfang Juni nahm Spirig an den Schweizer Meisterschaften über 10'000 Meter teil und gewann in persönlicher Bestzeit Silber.

Anfang Juni nahm Spirig an den Schweizer Meisterschaften über 10'000 Meter teil und gewann in persönlicher Bestzeit Silber.

Foto: Facebook

Training bei 32 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit

Weil ich das Hitzecamp in Südkorea, bei dem ich den Körper an die Hitze in Tokio akklimatisieren wollte, wegen der Reisebeschränkungen nicht absolvieren kann, ist Kreativität gefragt. Um die Wassertemperaturen, die in Tokio zirka bei 32 Grad liegen werden, zu simulieren, trainiere ich oft im Hallenbad in einem Neoprenanzug. Das ist ungewohnt und man bekommt ziemlich heiss. Zudem trainiere ich seit knapp zwei Wochen in St. Moritz auf der Rolle im Saunazelt, bei dessen Beschaffung uns Swiss Olympic, das Bundesamt für Sport Baspo und Swiss Triathlon unterstützt haben.

In diesem Saunazelt in St. Moritz bereitet sich Nicola Spirig vor.

In diesem Saunazelt in St. Moritz bereitet sich Nicola Spirig vor.

Foto: zVg

Das Zelt gleicht einem Gewächshaus. Es hat einen starken Heizstrahler, einen Luftbefeuchter und einen Ventilator für den Fahrtwind. Dazu ein Gerät, das das CO2 aus der Luft zieht. Derzeit trainiere ich bei 32 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das sind die Bedingungen, mit denen wir bei den Olympischen Spielen rechnen, auch wenn es am Start, der bereits um 06.00 Uhr Ortszeit erfolgt, kühler sein wird. Für einen Wettkampf ist das zwar ungewöhnlich, aber als Triathletin bin ich es gewohnt, bereits um 07.00 Uhr eine erste Einheit zu absolvieren. Insofern ist das kein Problem.

Mit einem Ventilator, einer Maschine, die der Luft das CO2 entzieht und einem starken Heizstrahler wird das Klima im Saunazelt reguliert.

Mit einem Ventilator, einer Maschine, die der Luft das CO2 entzieht und einem starken Heizstrahler wird das Klima im Saunazelt reguliert.

Foto: zVg

Überwachung der Körperkerntemperatur

Wie es sich anfühlt, in einem Saunazelt zu trainieren? Heiss, heiss, heiss! Ich habe schon in Thailand, Mexiko, auf den Philippinen und in Brasilien trainiert, aber ich habe noch nie in meinem Leben so stark geschwitzt, was auch daran liegt, dass der Fahrtwind fehlt. Beim Training im Saunazelt überwachen wir zudem permanent die Körperkerntemperatur, die nicht über 40 Grad steigen sollte. Es geht in erster Linie nicht darum, ans Limit zu gehen, sondern den Körper darauf vorzubereiten, mehr zu schwitzen.

Generell bin ich sehr zufrieden, wie die Vorbereitung läuft. Ich bin gesund und kann uneingeschränkt trainieren, das ist ein grosses Glück. Dass ich noch nicht so weit bin wie zum gleichen Zeitpunkt 2012 vor London, wo ich dann Olympia-Siegerin geworden bin, beunruhigt mich nicht. Es war von Anfang an geplant, dass ich bis vor den Spielen sehr hart trainieren werde. Und in Tokio werden andere Qualitäten gefragt sein. Mein Trainer Brett ist jedenfalls sehr zufrieden. Und das ist immer ein gutes Zeichen.

Nicola Spirig 2016 in Rio de Janeiro mit Trainer Brett Sutton.

Nicola Spirig 2016 in Rio de Janeiro mit Trainer Brett Sutton.

Foto: Peter Klaunzer / KEYSTONE

Nach dem Rennen in Kitzbühel fahre ich übrigens gleich nach Buchs zu meinen Schwiegereltern, wo wir als Familie gemeinsam das kurze Wochenende verbringen. Denn weil unser Ältester, Yannis, noch Schule hat, kann die Familie derzeit noch nicht durchgehend in St. Moritz sein.

Aktuelle Nachrichten