Mehr wollen weniger

Morgen findet zum 13. Mal der «Zürich Marathon» statt. Der Anlass ist weiter unter diesem Namen bekannt, obschon drei Viertel der Läufer nicht über 42,195 km starten. Das OK hat kürzere Strecken eingeführt, um den Laufevent zu retten.

Ralf Streule
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Viele, aber weniger als auch schon: Teilnehmer des Laufs über die Marathondistanz im vergangenen Jahr. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Viele, aber weniger als auch schon: Teilnehmer des Laufs über die Marathondistanz im vergangenen Jahr. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

LEICHTATHLETIK. Die Zahlen korrespondieren: Gemäss Bundesamt für Sport joggten noch nie so viele Menschen im Land regelmässig. Jeder vierte Schweizer soll es inzwischen tun. Und: Noch nie haben sich so viele Joggerinnen und Jogger für den Laufanlass angemeldet, der unter dem Überbegriff «Zürich Marathon» bekannt ist. Gut 9000 sind es, die morgen an den Start gehen. Doch am Marathon selbst, der eigentlichen Hauptdisziplin, werden weit weniger Läufer teilnehmen als in den besten Jahren des Anlasses. 2004 noch, bei der zweiten Durchführung des als schnell bekannten Marathons dem Zürcher Seebecken entlang, liefen 5761 Läuferinnen und Läufer ins Ziel, weit über 6000 waren damals am Start. In diesem Jahr sind es nur noch 2900. Sind die Schweizer am Ende zwar jogging-affiner, aber marathon-müde geworden?

Kleiner «touristischer Bonus»

Eine grundsätzliche Marathon-Müdigkeit stellt Bruno Lafranchi im Land nicht fest. Er, früher selbst Marathonläufer und Olympiateilnehmer in Los Angeles 1984 und Seoul 1988, ist heute OK-Chef des Anlasses in Zürich. Er hat einleuchtende Erklärungen für den Marathon-Läuferrückgang gegenüber den ersten Austragungen. Einerseits sei die Konkurrenz an Läufen in der Schweiz in den vergangenen Jahren stark gestiegen. «Zudem ist die Zahl potenzieller Schweizer Marathonläufer begrenzt. Nur wenige von ihnen entschieden sich jedes Jahr für denselben Marathon. Wir haben nur rund 300 Stammläufer, die jedes Jahr bei uns teilnehmen.» So hätten sich nach der Anfangseuphorie die Zahlen ganz einfach eingependelt. Dies auch, da man nicht vom selben «touristischen Bonus» profitieren könne wie die Weltstädte Berlin, New York oder London. Als national am zweitbesten besuchter Marathon nach dem Jungfrau-Marathon stehe man aber noch immer gut da, so Lafranchi.

Die rückläufigen Zahlen haben den OK-Chef, der auch den Zürcher Silvesterlauf organisiert, vor allem um das Jahr 2007 zu schaffen gemacht. Für ihn war damals klar: Entweder man verändert den Anlass nach wirtschaftlichen Überlegungen, oder er geht dem Ende entgegen. «Einen Halbmarathon wollte ich aber nicht einführen», sagt Lafranchi. «Dieser hätte den Marathon zu stark konkurrenziert.»

Staffel ist das neue Fundament

Mit dem «Team-Run», einer Viererstaffel auf der Marathonstrecke, scheint das OK die richtige Wahl getroffen zu haben. Er legt seit Jahren deutlich zu, ist zum finanziellen Fundament geworden, auch wenn er den Marathon ebenfalls konkurrenziert, wie die Grafik vermuten lässt.

Eines stimmt Lafranchi zuversichtlich: Die Zahlen des Einzel-Marathons sind seit 2013 nicht mehr weiter gesunken. Alles in allem könne der «Zürich Marathon» weiter schwarze Zahlen schreiben, sagt er. Auch wenn der Hauptsponsor, die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich, 2014 abgesprungen ist. Noch ist man auf der Suche nach Ersatz. Um auch die nächsten Entwicklungen abfedern zu können.