Mehr als nur ein grosser Kampf

Wenn in der Nacht auf Sonntag in Las Vegas Floyd Mayweather jr. gegen Manny Pacquiao in den Ring steigt, geht es um viel: Mehrere Titel, Millionen von Dollar und ganz viel Prestige stehen auf dem Spiel. Und nicht zuletzt vielleicht das Ende einer Karriere.

René Rödiger
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Floyd Mayweather Jr. hits a heavy bag Tuesday, April 14, 2015, in Las Vegas. Mayweather is scheduled to face Manny Pacquiao in a welterweight boxing match in Las Vegas on May 2. (AP Photo/John Locher) (Bild: John Locher (AP))

Floyd Mayweather Jr. hits a heavy bag Tuesday, April 14, 2015, in Las Vegas. Mayweather is scheduled to face Manny Pacquiao in a welterweight boxing match in Las Vegas on May 2. (AP Photo/John Locher) (Bild: John Locher (AP))

Das Jahrhundert ist noch jung. So tönt es doch etwas verwegen, den Kampf zwischen Floyd «Money» Mayweather jr. und Manny «Pacman» Pacquiao als «Kampf des Jahrhunderts» anzukündigen. Und trotzdem kann man sich kaum vorstellen, dass im Boxsport erneut zwei Ausnahmekönner zur gleichen Zeit ihren Zenit erreichen und dann gegeneinander antreten werden. Obwohl: Auch bei Mayweather gegen Pacquiao ist diese Konstellation nur bedingt der Fall. Der 38jährige US-Amerikaner und der 36jährige Filipino haben ihren Zenit vor einigen Jahren überschritten. Dennoch gelten sie aktuell als Nummer eins und Nummer zwei der sogenannten «Pound-for-Pound»-Rangliste. Diese vergleicht die Boxer der 17 verschiedenen Gewichtsklassen objektiv nach ihrem Können.

Es geht um viel beim Kampf in der Nacht auf Sonntag. Nicht nur finanziell wurden alle Rekorde überboten. Die Börse beträgt bis zu 400 Millionen Dollar, davon bekommen Mayweather 60 und Pacquiao 40 Prozent. Die Preise für die 16 800 Sitze in der Arena des MGM Grand in Las Vegas lagen im Durchschnitt bei 11 000 Dollar. Erstmals in der Geschichte des Boxsports musste auch Eintritt für das offizielle Wiegen bezahlt werden. Die Tickets kosteten auch nur zehn Dollar. Diese knapp 200 000 Dollar werden jedoch gespendet. Mayweather gibt seinen Anteil der Brustkrebsorganisation Susan G. Koman, Pacquiao spendet an das Lou Ruvo Center für Gehirnverletzungen.

Drei Titel stehen auf dem Spiel

Nebst viel Geld geht es auch um viele Titel im Weltergewicht (bis 147 Pfund oder knapp 67 Kilogramm). Mayweather bringt seine Gürtel der Boxverbände WBC und WBA in den Ring, Pacquiao will seinen WBO-Gürtel verteidigen. Der Sieger wird also dreifacher Weltmeister im Weltergewicht. Und bekommt – als Bonus – noch einen eigens für diesen Kampf angefertigten Gürtel im Wert von rund einer Million Dollar.

Spannend wird die Taktik der beiden Fighter im Ring sein. Mayweather ist ein Konterkämpfer, der gerne aus der Defensive kommt. Pacquiao dagegen sucht immer die Konfrontation und ist ein klassischer Pressure-Fighter. Da Mayweather Linksausleger ist, das heisst, seine schwächere linke Faust und sein linker Fuss sind vorne, und Pacquiao Rechtsausleger, könnte auch die Fussarbeit zu einem noch wichtigeren Faktor werden. Die Boxer werden sich häufig auf den Füssen stehen. Entscheidend wird, ob der grössere Mayweather dank seines Reichweitenvorteils Pacquiao auf Distanz halten kann. Ansonsten wird der Filipino gewinnen. Beide Kämpfer haben ihre letzten Fights deutlich gewonnen, sind also in Form.

Ein Ringrichter für Mayweather?

Auch der Ringrichter wird eine wichtige Rolle spielen. Der 64jährige Kenny Bayless wurde von der Sportkommission des Staates Nevada ausgewählt. Er kennt die beiden Boxer bestens, leitete er doch bereits zwölf Kämpfe mit Beteiligungen von Mayweather oder Pacquiao. Bayless wurde nach dem Rückkampf von Mayweather gegen Marcos Maidana im September stark kritisiert. So soll Bayless Mayweather durch seine Art, die Boxer eher schnell in einem Infight zu trennen, bevorteilt haben. Trotzdem sind sich die Experten einig, dass sich der Ringrichter absolut unparteiisch verhalten wird. Schliesslich steht er unter strenger Beobachtung von Millionen Zuschauern.

Ein Krampf vor dem Kampf

Dass dieser Kampf überhaupt zustande gekommen ist, grenzt beinahe an ein Wunder. Immer wieder sind sich Floyd Mayweather und Manny Pacquiao aus dem Weg gegangen. Angeblich sollen sie sich im Januar zufällig bei einem Footballspiel begegnet sein und dort ihre Handynummern ausgetauscht haben. Danach ging alles ganz schnell: Ein riesiges Vertragswerk wurde ausgehandelt und der Kampf angesetzt.

Und dann ging bereits der nächste Kampf los: Wie kommt der Fight in die Haushalte? Die beiden konkurrierenden Bezahlfernsehsender HBO (Vertrag mit Mayweather) und Showtime (Vertrag mit Pacquiao) einigten sich auf eine gemeinsame Übertragung in den USA. Wer das Duell sehen will, bezahlt zwischen 90 und 100 Dollar. Sogar im Ring gibt es eine Einigung zwischen den beiden Sendern: HBO stellt als Anheizer Michael «Let's get ready to rumble!» Buffer, Showtime schickt Jimmy «It's Showtime!» Lennon junior ans Mikrophon.

In Deutschland und Österreich kann der Kampf ebenfalls nur über Pay-per-View über «Sky Select» gekauft werden. Schweizer TV-Zuschauer gehen leer aus. Hier war offenbar niemand bereit, die horrenden Summen für die Rechte zu bezahlen. Somit bleibt in der Schweiz nur der Weg über die Grauzonen des Internets. Oder eine Reise nach Las Vegas: Überraschenderweise gab es bis gestern auf den Auktionsportalen noch Karten für den «Fight des Jahrhunderts» – für rund 500 000 Dollar pro Stück.

Von ganz unten nach oben

Sowohl Mayweather als auch Pacquiao sind in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und haben sich durch den Sport nach oben gekämpft. Was sie aus ihrem Erfolg gemacht haben, könnte jedoch unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite Mayweather, der als bestverdienender Sportler der Welt bei jeder Gelegenheit seinen Reichtum zeigt. Er selbst sieht sich als Gangsta-Rapper. Viele Sympathien hat er verloren, nachdem er seine Frau tätlich angegriffen hatte. Nach Verbüssung einer kurzen Haftstrafe lebt er bis heute getrennt von Frau und Kindern in einem riesigen Anwesen in Las Vegas. Auch Manny Pacquiao hat mehr als genug Geld. Mit diesem unterstützt er auf den Philippinen Schulen, Kliniken und baut Strassen. Der vierfache Vater hat eine eigene politische Partei gegründet und sieht hier auch seine Zukunft nach dem Boxsport.

Der letzte Kampf?

Diese Zukunft als Politiker könnte schon bald Tatsache werden. Denn der Sieger des «Kampfs des Jahrhunderts» wird sich kaum auf einen Rückkampf einlassen. Ein solcher ist im Vertrag auch nicht vorgesehen. Der Gewinner könnte sich mit dem Ruf als «bester Boxer seiner Zeit» zur Ruhe setzen. Ausser natürlich, eine noch grössere Kampfbörse winkt bei «Mayweather vs. Pacquiao II».

Boxer Manny Pacquiao, of the Philippines, shadow-boxes during a media workout at Wild Card Boxing Club, Wednesday, April 15, 2015, in Los Angeles. Pacquiao is scheduled to fight Floyd Mayweather Jr. in a welterweight boxing match in Las Vegas on May 2. (AP Photo/Jae C. Hong) (Bild: JAE C. HONG (AP))

Boxer Manny Pacquiao, of the Philippines, shadow-boxes during a media workout at Wild Card Boxing Club, Wednesday, April 15, 2015, in Los Angeles. Pacquiao is scheduled to fight Floyd Mayweather Jr. in a welterweight boxing match in Las Vegas on May 2. (AP Photo/Jae C. Hong) (Bild: JAE C. HONG (AP))