Mehr als ein Assistent

Nedjad Kuruzovic sitzt auch heute um 19.45 Uhr gegen Bellinzona als Wiler Assistenztrainer neben Axel Thoma auf der Bank. Obwohl ihm seine Arbeit gefällt, ist ein Job als Cheftrainer sein Ziel.

Markus Zahnd
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Assistent Nedjad Kuruzovic leitet immer wieder Trainings des FC Wil. (Bild: Urs Bucher)

Assistent Nedjad Kuruzovic leitet immer wieder Trainings des FC Wil. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. «Wenn wir konzentriert spielen, haben wir gegen Bellinzona gute Chancen. Denn die Tessiner scheinen nicht allzu stark zu sein», sagt Nedjad Kuruzovic. Dass der 52-Jährige den nächsten Gegner – die Tessiner treten heute um 19.45 Uhr in der AFG Arena an – gut kennt, ist nicht aussergewöhnlich. Denn Kuruzovic ist im FC Wil nicht nur Axel Thomas Assistent und Goalietrainer; er beobachtet auch regelmässig die Gegner. Seine Analyse bespricht er dann mit Thoma und die beiden suchen gemeinsam nach der richtigen Taktik. «Wir besprechen viel, er gibt mir wertvolle Impulse», sagt denn auch Thoma.

Kuruzovic ist nun seit fast zweieinhalb Jahren im FC Wil tätig. Seine Aufgaben gingen seit jeher über jene des Assistenten hinaus. «Das geht in Wil gar nicht anders, schliesslich besteht das Trainerteam nur aus Axel Thoma und mir.» Zum FC Wil gestossen ist er aus Gossau. Im Sommer 2010 war Ryszard Komornicki Trainer in Wil, und dieser kannte Kuruzovic aus der gemeinsamen Zeit in Aarau, wo er zwei Jahre lang die Goalies trainierte.

Diplomarbeit über Schalke

Goalie war Kuruzovic auch als Aktiver. Zuerst spielte er in der höchsten jugoslawischen Liga. «Das Niveau damals war richtig gut, ich spielte gegen bekannte Fussballer wie Davor Suker, Zvonimir Boban oder Robert Prosinecki», erzählt der 52-Jährige nicht ganz ohne Stolz. Mit 30 Jahren – die Profis durften vor dem Zerfall Jugoslawiens die heimische Liga erst mit 28 Jahren verlassen – wechselte er nach Österreich. Zuerst spielte er in Wattens in Tirol, 1996 wechselte er nach Bregenz und beendete dort als 42-Jähriger seine Karriere. Weil er so lange in Österreich spielte, nahm der gebürtige Bosnier vor zwölf Jahren auch jene Staatsbürgerschaft an. In Österreich lebt Kuruzovic noch heute, er pendelt zwischen Dornbirn und Wil. «Das ist für mich wichtig, denn ich bin ein Familienmensch und will mein Kind aufwachsen sehen», sagt er.

Nach seiner Karriere widmete er sich seiner Trainerausbildung. Er war Goalietrainer in Bregenz, bei der bosnischen Nationalmannschaft, in Winterthur und eben in Aarau. Daneben absolvierte er Trainerkurse und schaute als Hospitant unter anderem einen Monat beim Bundesligaclub Schalke Trainer Mirko Slomka über die Schultern. Auch seine Diplomarbeit für seine Trainerlizenz verfasste er über den Gelsenkirchener Traditionsclub.

Bereit für den nächsten Schritt

Kuruzovic gefällt seine Arbeit in Wil. Er und Thoma würden sich gut ergänzen, zudem sei Erfolg da. Wil hat sich in der schwierigen vergangenen Saison souverän in der Challenge League behauptet und ist derzeit auf Platz drei klassiert. Mit einem Sieg gegen Bellinzona würde sich Wil in der Tabelle oben festsetzen. «Diese Erfolge sind aber nicht selbstverständlich. Es ist nicht einfach, wegen der zahlreichen Abgänge jedes Jahr ein neues Team aufbauen zu müssen», so Kuruzovic.

Obwohl er zufrieden ist, macht er keinen Hehl daraus, dass er sich bereit sieht für den nächsten Schritt. «Jeder hat Ziele. Mein Ziel ist es, als Cheftrainer eine Mannschaft zu übernehmen. Ich habe viel Erfahrung und eigene Ideen. Diese würde ich gerne verwirklichen.» Dazu passt, dass Thoma seinen Assistenten als «ehrgeizig und ambitioniert» beschreibt. Und schliesslich leitet Kuruzovic bereits jetzt Wiler Trainings. Der 52-Jährige hofft daher, bald eine Chance zu erhalten. Doch das ist Zukunftsmusik. Heute geht es darum, die Beobachtungen gegen Bellinzona in Tore umzusetzen.