Maturandin rollt Richtung Rio

ROLLSTUHLSPORT. Die Thurgauer Paraplegikerin Catherine Debrunner versucht am «Daniela Jutzeler Memorial» und an der Rollstuhl-SM in Arbon Titel zu gewinnen, persönliche Bestzeiten aufzustellen und internationale Limiten zu fahren.

Urs Huwyler
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Catherine Debrunner versucht, sich für die Paralympics in Rio 2016 zu qualifizieren. (Bild: Urs Huwyler)

Catherine Debrunner versucht, sich für die Paralympics in Rio 2016 zu qualifizieren. (Bild: Urs Huwyler)

Nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt von Edith Wolf-Hunkeler (Dagmersellen) und dem Wechsel von Sandra Graf (Gais) von der Stadion-Leichtathletik zum Handbike braucht der Schweizer Rollstuhlsport bei der Elite neue Gesichter. An der Seite der verletzten vierfachen Europameisterin Manuela Schär (Kriens) soll die seit der Geburt (Tumor in der Wirbelsäule) handicapierte Thurgauerin Catherine Debrunner aus Mettendorf mit Alexandra Helbling (Weite) die Lücke schliessen – für die noch bis im Sommer im Lehrerseminar Kreuzlingen studierende Maturandin kein leichtes Unterfangen.

Jung und bei der Elite

Am 11. April ist Catherine Debrunner 20 Jahre alt geworden. Die 14 Junioren-WM-Titel gehören damit endgültig der Vergangenheit an. Der sportliche Blick richtet sich nach vorne und nur beim Betrachten der Medaillensammlung zurück. Deshalb hat sie sich wie Mountainbikerin Jolanda Neff trotz des jugendlichen Alters entschieden, bei der Elite zu starten. «Ich werde mehr gefordert und kann mich über gute Resultate freuen. Mein Ziel ist die Elite-WM im Oktober in Doha. Am «Daniela Jutzeler Memorial» und der international ausgeschriebenen SM in Arbon möchte ich möglichst viele Limiten erfüllen», betont die wie Marcel Hug unter Paul Odermatt trainierende Thurgauerin.

Quotenplätze in Arbon

Das Fernziel bleiben für die angehende Lehrerin die Paralympics in Rio de Janeiro 2016. In Arbon, auf der schnellsten 400-m-Bahn der Welt, können Quotenplätze für die Weltspiele in Brasilien herausgerollt werden. Catherine Debrunner wird als Vorbereitung ein Zwischenjahr einschalten, die Autoprüfung absolvieren und wünscht sich einen Teilzeitjob als Unterrichtshilfe oder sonst eine Tätigkeit, mit der sie praktische Erfahrungen sammeln kann. Daneben soll das Training nahezu verdoppelt werden.

Dass die mehrfache Elite-Schweizer-Meisterin und nationale Rekordhalterin in der Klasse T53 – Paraplegiker mit fast normaler Funktion der oberen, komplette Lähmung der unteren Gliedmassen – trotz des eingeschränkten Trainings bereits zur erweiterten Weltspitze gehört, lässt erahnen, dass einiges Potenzial in ihr steckt. «Ich denke schon, dass ich noch steigerungsfähig bin. Die Entwicklung geht dabei eher weg von den Kurzstrecken hin zu 400 m, 800 m und 1500 m.»

Weltklasse am Start

Die drei Tage Weltklasse in Arbon werden weitere Aufschlüsse über den Leistungsstand liefern. «Es ist das weltweit bestbesetzte Meeting, an das ich mich erinnern kann», sagt Manuela Schär (T54), die an der SM ihr Comeback geben dürfte. Schär (Kriens) ist das Vorbild von Debrunner. 2011 kam es zum Duell beim Halbmarathon in Lausanne. «Wir wohnten im gleichen Zimmer, verschliefen beide, und ich konnte sie anschliessend das bisher einzige Mal schlagen», erzählt die Noch-Juniorin.

Am «Jutzeler Memorial» stehen die Zeiten im Zentrum, an der SM auch die Klassierungen. Deshalb wird Debrunner an den nationalen Titelkämpfen über alle Distanzen starten.

Bei den Frauen dürfte Tatyana McFadden (USA), die Behinderten-Weltsportlerin des Jahres, kaum zu bezwingen sein. Daneben wird sich nicht nur das Zuschauerinteresse (Gratis-Eintritt) auf die Mittelstrecken-Prestigeduelle zwischen Lokalmatador Marcel Hug und dem Engländer David Weir konzentrieren. «Bei idealen äusseren Bedingungen werden in Arbon die Rekorde purzeln», ist der Schweizer Tetra-Sprinter Beat Bösch überzeugt. Auch er erwartet ein rollendes Spektakel.

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