Mattscheibe statt Klitschko in Russland

Für die Boxfans in Russland ist es eine «Fadengerade». Erstmals seit zehn Jahren können sie daheim in ihrer Stube einen Kampf von Wladimir Klitschko nicht live miterleben.

Matthias Hafen
Drucken
Teilen
Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko (links) wird am Samstag von Alex Leapai herausgefordert. (Bild: ap/Martin Meissner)

Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko (links) wird am Samstag von Alex Leapai herausgefordert. (Bild: ap/Martin Meissner)

Für die Boxfans in Russland ist es eine «Fadengerade». Erstmals seit zehn Jahren können sie daheim in ihrer Stube einen Kampf von Wladimir Klitschko nicht live miterleben. Dies, weil sich kein russischer Fernsehsender bereit erklärt hat, den WM-Fight zwischen dem Ukrainer und dem Australier Alex Leapai vom Samstagabend in Oberhausen zu übertragen. Der politische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat damit auch den Sport erreicht.

Klitschko, der im Ring seit zehn Jahren nicht mehr verloren hat, ist enttäuscht darüber. «Ich wünschte mir, dass Sport die Leute vereint und nicht trennt, wie es die derzeitige Propaganda tut», twittert der 38jährige Titelverteidiger. Offiziell wird das Desinteresse aus Russland nicht am Konflikt mit der Ukraine festgemacht. Doch lässt das Verhalten des russischen Fernsehens keinen anderen Schluss zu. Wladimir Klitschkos älterer Bruder Witali ist eine der zentralen Figuren der Proteste in der Ukraine.

Und wie immer soll Witali Klitschko auch am Samstag in der Ringecke seines Bruders stehen. Zumindest, wenn es die politische Lage in der Heimat zulässt. Witalis Ehefrau Natalja wird vor dem ersten Gong die ukrainische Nationalhymne singen. Dies zur Schau zu stellen, wäre für das russische Staatsfernsehen in der angespannten Situation wohl ein zu schmerzhafter Haken gewesen.