Matthias Sempachs Durchmarsch

Der Schwingerkönig 2013 heisst Matthias Sempach. Der 27jährige Emmentaler entscheidet alle acht Gänge für sich und besiegt im Schlussgang seinen Berner Verbandskollegen Christian Stucki.

Christof Krapf/Burgdorf
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Matthias Sempach und Christian Stucki (rechts) kämpfen vor 52 013 Zuschauern in der ausverkauften Emmental-Arena. Den Schlussgang gewinnt Sempach. (Bild: ky/Peter Schneider)

Matthias Sempach und Christian Stucki (rechts) kämpfen vor 52 013 Zuschauern in der ausverkauften Emmental-Arena. Den Schlussgang gewinnt Sempach. (Bild: ky/Peter Schneider)

SCHWINGEN. Auch im Schlussgang, jenem Kampf, in dem ihm ein Unentschieden zum Festsieg gereicht hätte, gab sich Matthias Sempach keine Blösse. Der 27-Jährige besiegte seinen Berner Verbandskollegen Christian Stucki. Wie er es am Eidgenössischen zuvor während zwei Tagen mit seinen anderen sieben Gegnern getan hatte.

Sekunden nachdem Stucki vor 52 013 Zuschauer in der ausverkauften Emmental-Arena im Sägemehl lag, standen die beiden Gegner im Ring und umarmten sich. Der Verlierer drückte dem neuen Schwingerkönig gar ein Küsschen auf den Kopf. «Ich weiss nicht, ob ich traurig oder glücklich sein soll», sagte Stucki hinterher. «Aber ich mag Matthias den Sieg von Herzen gönnen.»

Sempach ist ein würdiger König. Drei Jahre nach Kilian Wenger in Frauenfeld ist es auch dem Emmentaler gelungen, am Eidgenössischen alle acht Gänge für sich zu entscheiden. Und er war jener Schwinger, der am vielseitigsten und explosivsten schwang.

Dominante Gastgeber

Der rein Bernische Schlussgang war die logische Folge eines Festes, das der Gastgeberverband beinahe nach Belieben dominiert hatte. Diese Dominanz verdeutlicht, dass das Einteilungsgericht bereits vor dem siebten Gang keinen würdigen Gegner mehr aus einem anderen Teilverband für Sempach fand. Dieser stand deshalb dem Berner Matthias Glarner gegenüber. Vergleiche zwischen Schwingern aus dem gleichen Teilverband sind am Eidgenössischen sonst unüblich. Sempach bestand auch diese Prüfung mit Bravour. «Ich bin in dieser Saison gesund geblieben und erwischte zwei super Tage in Burgdorf», sagte er. Gegen die Berner Übermacht kam in Burgdorf kein anderer Teilverband an. Die im Vorfeld als Mitfavoriten gehandelten Arnold Forrer, Bruno Gisler und Adi Laimbacher fielen bereits früh aus der Entscheidung um den Königstitel. Nebst dem Festsieg sicherten sich die Berner auch zwölf Kränze.

Stucki hingegen musste um seine Schlussgang-Qualifikation kämpfen. Nach Tag eins war er noch mit vier Siegen an der Spitze gelegen. Im sechsten und siebten Gang stellte er allerdings gegen Glarner und Christoph Bieri.

Bereits zu diesem Zeitpunkt lag Sempach uneinholbar an der Spitze. Das Kampfgericht entschied deshalb, alle Schwinger – auch Stucki – den achten Gang bestreiten zu lassen. Damit wollte es dem Seeländer die Gelegenheit geben, bei einem Sieg im Schlussgang seinerseits König zu werden. Der 28-Jährige konnte diese Chance nicht nutzen. Wohl auch, weil der zusätzliche Gang Kraft gekostet hatte. «Die acht Gänge auf dem Weg in den Schlussgang gingen an die Substanz», so Stucki.

Revanche für Stucki

Er und Sempach standen sich bereits 2008 am traditionsreichen Kilchberg-Schwinget – es steht nur alle sechs Jahre auf dem Programm – im Schlussgang gegenüber. Damals endete der Kampf gestellt, Stucki wurde Festsieger. Das Kilchberger findet im kommenden Jahr erneut statt. Eine Gelegenheit zur Revanche für Stucki also. Der 198 cm grosse und über 140 Kilogramm schwere Sennenschwinger sagte aber auch: «Ich werde am Eidgenössischen in drei Jahren wieder voll angreifen.»

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