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Matthias Hüppi zur Transferflaute beim FC St.Gallen: «Gehen wir zu viel Risiko ein, kann dies das Todesurteil sein»

Noch sind beim FC St.Gallen keine Sommertransfers zu vermelden. Weshalb dies so ist, erklärt Präsident Matthias Hüppi. Zudem spricht er über das Ansinnen, künftig weitere Länderspiele nach St.Gallen zu holen – und über die Anfrage der argentinischen Nationalmannschaft, die man ablehnen musste.
Interview: Ralf Streule/Christian Brägger
Matthias Hüppi: «Wir werden nur Spieler verpflichten, die in unser Konzept von Feuer und Leidenschaft passen.» (Bild: Urs Bucher)

Matthias Hüppi: «Wir werden nur Spieler verpflichten, die in unser Konzept von Feuer und Leidenschaft passen.» (Bild: Urs Bucher)

Was läuft beim FC St.Gallen in Sachen Transfers? Es war ruhig bisher.

Wir sind ganz intensiv an der Arbeit. Es gibt einfach Rahmenbedingungen, an die wir uns halten wollen. Wir wollen kein Geld unvernünftig ausgeben für Transfers. Ich wiederhole mich: Wir haben ein Defizit von 2,5 Millionen Franken. Das abzutragen ist eine Herkulesaufgabe. Das schränkt unsere Möglichkeiten ein.

Hat das Finanzielle konkret Transfers scheitern lassen?

Es lagen fertige Verträge vor mit Spielern, die wir gerne gehabt hätten, die aber die finanziellen Rahmenbedingungen nicht akzeptierten. Da können wir nicht nachgeben. Gehen wir zu viel Risiko ein, kann dies das Todesurteil sein in einigen Jahren. Viele Anhänger sagen: Für Runar Sigurjonsson hättet ihr halt einfach mehr zahlen müssen. Dann sagen wir: Ja, aber dann erhöhen wir die Ticketpreise (lacht). Im Ernst: Das ist nicht der Weg, den wir gehen wollen.

Aber gibt es Anfragen von Spielern oder Beratern?

Natürlich kommen Berater auf uns zu, deren Spieler gerne mit uns zusammenarbeiten wollen, vor allem auch mit Peter Zeidler. Berater würden ihre Schützlinge gern diesem Trainer anvertrauen. Das Angebot ist gross. Aber wir werden nur Spieler verpflichten, die in unser Konzept von Feuer und Leidenschaft passen - und die finanziell tragbar sind.

Es gilt auch, das Kader nicht aufzublähen. Sollen neue Spieler dazu kommen, müsste man andere loswerden.

Wir haben ein breites Kader mit Spielern, die mit laufenden Verträgen ausgestattet sind. Logisch hält man sich in erster Linie an diese Spieler. Ich bin auch überzeugt, dass der eine oder andere unter Peter Zeidler noch grosse Schritte nach vorne machen wird. Aber klar wollen wir auch neuen Wind im Team. Ideal wäre ein Kader von 25 Spielern, so viele haben wir derzeit bereits. Kommen Junge, Hoffnungsvolle zu uns, dürfen es aber auch mehr sein.

Apropos Zeidler: Da waren Sie gerade noch rechtzeitig mit dem Verpflichten.

Ja, definitiv. Er wäre garantiert jetzt irgendwo anders in der Super League gelandet. Er stand bei allen auf der Liste. Und er wurde auch von Super-League-Teams angefragt vergangene Saison – da war er bei Sochaux aber noch mitten in der Saison.

Gab es Clubs, die dem FC St.Gallen in den vergangenen Wochen für Zeidler Angebote gemacht haben? Das wären schnelle, einfache Transfereinnahmen gewesen.

Ob es Anfragen gab, kann ich nicht sagen. Sie denken aber nicht im Ernst, dass wir das machen würden? So am Stock gehen wir nun auch wieder nicht, dass wir den Wunschtrainer wieder gehen lassen.

Zwei Cracks haben Sie verloren mit Runar Sigurjonsson und Toko. Vielleicht wird auch Cedric Itten fehlen.

Diese Lücke wollen wir füllen. Das ist in unserer Verantwortung. Was Itten betrifft: Da ist noch überhaupt nichts sicher.

Gab es Gespräche mit Spielern, die Toko und Sigurjonsson ersetzen könnten?

Ja, die gab es. Aber es ist ja oft so: Da hast du einen unterschriftsbereiten Vertrag auf dem Tisch. Und dann kommt Beratern in den Sinn, man könnte noch diese oder jene Klausel einfügen. Das machen wir nicht mit, wir lassen nicht mit uns spassen. Wir bauen keine absurden Klauseln in Verträge ein. Dann ist es halt so und der Spieler kommt nicht. Was wir aber bieten, sind leistungsabhängige Verträge. Die Spieler können profitieren, wenn wir erfolgreich sind. Dieses Leistungsprinzip wollen wir in Zukunft noch verstärken.

Was war die absurdeste Klausel, die Ihnen untergekommen ist?

Dazu kann ich nichts sagen. Wir machen das aber schlicht nicht mit, das passt nicht zu unserem Stil. Wenn einer die einmalige Chance hat, in diesem Stadion mit diesem Publikum in der Super League zu spielen, dann soll er sie aus Überzeugung nutzen. Und nicht nur, weil er auch noch irgendeine Klausel im Vertrag hat.

Andere Clubs machen das ganze Spielchen wohl mit und erhalten dann jene Akteure, die dem FC St.Gallen verwehrt bleiben.

Das ist möglich. Vielleicht wird uns das eines Tages auch um die Ohren gehauen. Dann ist es halt so. Aber wir können nicht anders. Die Alternative ist, dass es den FC St.Gallen bald nicht mehr gibt.

Der FC St.Gallen setzt also eher auf Junge als auf gestandene Cracks?

Nicht explizit. Aber es ist eher unser Modell, junge Spieler zu holen, zum Beispiel aus Deutschland, wo sie den Sprung in die Bundesliga nicht geschafft haben. Die können sich bei uns zeigen, dann vielleicht weiterziehen. Das ist eher unser Geschäftsmodell, wenn man so will. Und natürlich sind da die eigenen Jungen. Aber die fallen auch nicht von den Bäumen. Natürlich werden wir Fehler machen, wie alle. Aber diese Fehler dürfen keine zu grosse Tragweite haben. Wir wollen die Spieler nach Möglichkeit zuerst auch im Training und im Teamgefüge sehen, bevor wir uns entscheiden.

Tranquillo Barnetta wird weiter im Team sein?

Er hat einen Vertrag bis 2019 und dieselben Chancen wie alle anderen.

Ist die Europa-League-Qualifikation eher ein Muss oder freut man sich darauf?

Ich freue mich sehr! Schauen wir mal, wohin es uns verschlägt. Es gibt Fans, die freuen sich mehr auf ein Qualifikationsspiel irgendwo in Nordirland zum Beispiel als auf eine Gruppenphase bei durchgestylten Teams. Und im Heimspiel – vielleicht gibt es ja mehrere – werden wir eine gute Stimmung haben. Ich freue mich.

Gibt es in Sachen Sponsoring Neues zu berichten?

Nur Gutes. Wir haben viele Business-Seats verkauft, die sind fast ausgebucht für kommende Saison. Unsere Haltung und unsere Ideen kommen in der Region sehr gut an. Auch die Idee von «Espen on Tour», unserer Trainingsreise durch die Region zu Beginn der Sommervorbereitung.

Eine Erfolgsmeldung war das WM-Vorbereitungsspiel Peru gegen Saudi-Arabien im Kybunpark, das restlos ausverkauft war und gute Stimmung ins Stadion brachte. Argentinien soll daraufhin angefragt haben, ob die Nationalmannschaft kurzfristig einen WM-Test im Kybunpark austragen dürfe.

Aufgrund des Peru-Spiels schneit es uns Anfragen rein, ganz klar. Nicht nur jene Argentiniens. Wir sind wahrgenommen worden. Auch Fifa-Präsident Gianni Infantino war beim Spiel Italien – Saudi-Arabien dabei und schwärmte in den höchsten Tönen.

Weil das Stadion die richtige Grösse hat für solche Spiele?

Ja. Und weil die Infrastruktur gut ist. Wenn man 130 Cars mit Peruanern ohne Probleme in der Nähe des Stadions abstellen kann – zusammen mit dem CSIO war das eine Generalstabsübung –, ist das sicher stark.

Wie konkret war die Anfrage Argentiniens?

Am Mittwoch kam die Anfrage von einem Agenten, den ich kenne. Wenn wir Platz gehabt hätten und nicht das Konzert von Andreas Gabalier anstünde, wäre ein WM-Test im Kybunpark von Argentinien sehr ernsthaft in Erwägung gezogen worden.

Überlegt man sich, in Zukunft vor einem grossen Turnier auf Konzerte zu verzichten, um das Stadion für Länderspiele freizuhalten?

Länderspiele sind für uns sicher ein wichtiger Geschäftszweig, nach den Erkenntnissen der vergangenen Tage umso mehr. Das müssen wir ausbauen. Konzerte sind weiterhin ein möglicher Teil unseres Angebots. Ob es letztlich zum Kerngeschäft gehören soll, ist eine andere Frage. Das überprüfen wir. Wenn wir sehen, dass wir eine wichtige Adresse für Länderspiele bleiben, müsste man sich überlegen, vor Turnieren das Stadion freizuhalten. Dazu kommt: Der Rasen leidet unter einem Konzert stark.

Sie bedauern also, dass am Samstag Andreas Gabalier auftritt?

Nein, keineswegs. Das wird sicher eine gute Sache. Konzerte soll es im Stadion geben. Aber ob der Zeitpunkt der richtige ist und ob es richtig ist, zweimal denselben Künstler auftreten zu lassen, ist die andere Frage.

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