Mathematisch ist alles im Lot

Trotz zuletzt wenig berauschenden Leistungen ist FC-St. Gallen-Trainer Jeff Saibene überzeugt von seinem Team. Die statistischen Werte würden der Mannschaft ein gutes Zeugnis ausstellen. Heute um 20 Uhr tritt St. Gallen in Vaduz an.

Ralf Streule
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Jubelnde St. Galler, wie hier nach dem Führungstor gegen die Young Boys, gab es bisher in sechs Meisterschaftsspielen erst viermal zu sehen. (Bild: ky/Eddy Risch)

Jubelnde St. Galler, wie hier nach dem Führungstor gegen die Young Boys, gab es bisher in sechs Meisterschaftsspielen erst viermal zu sehen. (Bild: ky/Eddy Risch)

FUSSBALL. Manchmal klaffen Wahrnehmung und Statistik weit auseinander. Der FC St. Gallen hinterliess am vergangenen Sonntag gegen die Grasshoppers in der AFG Arena keinen überzeugenden Eindruck. Offensiv schien wenig zusammenzustimmen, und auch die Verteidigung wurde einige Male von den schnellen Zürcher Stürmern überrascht. 0:2 schien letztlich ein logisches Resultat.

So negativ, wie die Leistung zuweilen bewertet wurde, möchte sie Trainer Jeff Saibene aber nicht sehen. An der gestrigen Pressekonferenz liess er Zahlen sprechen. Elf zu drei Corner für St. Gallen, acht zu fünf Torschüsse, mehr Pässe, 56 Prozent Ballbesitz: Schwarz auf weiss lässt sich die St. Galler Bilanz sehen. Zudem habe das Team auch in Sachen Laufwege und Sprints gegenüber den Zürchern die Nase vorn gehabt.

Die Crux der letzten 30 Meter

Dass der Wille und die Laufbereitschaft in der Mannschaft fehle, sei mit solchen Zahlen widerlegt, so Saibene. Stehende Bälle und Konter der Grasshoppers hätten dem Team schlicht das Genick gebrochen. Dass die Ostschweizer wie bereits im vorhergehenden Heimspiel gegen Zürich als Verlierer vom Platz gingen, hat für den Trainer aber dennoch seine Logik. Seine Beobachtung: Auf den letzten 30 Metern vor dem Tor fehlen die Präzision, der Überraschungsmoment und das Tempo. Etwas, auf das man im Training diese Woche Wert gelegt habe – und heute in Vaduz umsetzen wolle.

Die Vermutung, dass der Druck auf ihn persönlich zugenommen hat und dass die Partie gegen den Tabellenletzten ein Schlüsselspiel sein könnte, unterschreibt Saibene nicht. «Als Trainer stehe ich in St. Gallen seit über vier Jahren unter Druck, grösser ist er derzeit nicht.»

Dennoch will Saibene auf die Niederlage gegen die Grasshoppers mit einigen personellen Wechseln reagieren. So seien Martin Angha und Danijel Aleksic Optionen. Fraglich ist, ob der gegen die Zürcher in der Pause ausgewechselte Dejan Janjatovic von Beginn weg dabei sein wird. Er enttäuschte am vergangenen Wochenende nicht zum erstenmal mit einem zu lethargischen Auftritt. Für den Deutschen sprechen würde eines: Er wurde am Donnerstag Vater eines Buben. Geoffrey Tréand gelang einen Tag nach der Geburt seines Sohnes vor gut zwei Wochen der Siegtreffer in Luzern.

Statistisches Pro und Kontra

Statistisch verbürgt sind väterliche Höhenflüge im Fussball nicht. Doch scheint man sich in St. Gallen derzeit gerne an abergläubische Ideen zu halten: In Vaduz spreche für St. Gallen die Anspielzeit, sagt Saibene mit einem Augenzwinkern. Selten gingen die Ostschweizer vergangene Saison an Samstagabenden als Verlierer vom Platz. Eine andere Statistik will Saibene widerlegen: Gegen Vaduz gewann St. Gallen 2014/15 in vier Spielen nur zwei Punkte. Schwierig wird es wohl auch diesmal. Zwar liegen die Vaduzer am Tabellenende – mehrmals aber waren sie zuletzt von Schiedsrichterentscheiden benachteiligt. Hier kommt die nächste Statistik ins Spiel: Statistisch gleichen sich Fehlentscheidungen über längere Zeit aus, fair verteilt auf alle Teams. Dies wiederum ist kein gutes Omen für die St. Galler.

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