Masken, Abstand, Schnelltests – wie sich das Coronavirus auf das Innenleben von Ostschweizer Spitzensportteams auswirkt

Trotz der Schutzkonzepte mit ausnahmslos strikter Maskenpflicht neben dem Spielfeld mehren sich im Schweizer Sport die Coronafälle. Was unternehmen Ostschweizer Teams, die noch spielen dürfen, um Ansteckungen zu vermeiden? Wie schwören sie Spielerinnen und Spieler auf die Richtlinien der Verbände ein? Eine Umfrage.

Ives Bruggmann und Patricia Loher
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Maske, Maske, Maske: St.Gallens Trainer Peter Zeidler (vorne) mit Mittelfeldspieler Lukas Görtler.

Maske, Maske, Maske: St.Gallens Trainer Peter Zeidler (vorne) mit Mittelfeldspieler Lukas Görtler.

Michel Canonica

FC St.Gallen: Die Integration wird erschwert

Der FC St.Gallen blieb lange verschont, doch am Montag wurde auch sein Stürmer Florian Kamberi positiv auf das Coronavirus getestet. Der 25-Jährige befindet sich in Isolation, seine Teamkollegen durften gestern, nach durchgehend negativen Tests, wieder ins Training einsteigen.

Doch beim Super-League-Klub ist nichts mehr so, wie es einmal war. Das Frühstück kann – sofern es überhaupt eins gibt – nur gemäss dem Schutzkonzept der Swiss Football League (SFL) stattfinden.

Die Mannschaft ist auf bis zu drei Kabinen aufgeteilt und trifft sich bloss noch zum Training sowie zum Spiel. Dabei wäre ein Zusammensein neben dem Platz gerade für die Integration der Neuzugänge wichtig. Mediensprecher David Gadze sagt:

David Gadze, Mediensprecher FC St.Gallen

David Gadze, Mediensprecher FC St.Gallen

Hanspeter Schiess
«Im Moment ist es ausgeschlossen, gemütlich beisammen zu sitzen.»

Der FC St.Gallen hat, den Vorgaben der SFL entsprechend, sein ganzes Team im Schutzkonzept der Liga geschult. «Zudem haben wir die Spieler auch darauf aufmerksam gemacht, die Kontakte im privaten Umfeld einzuschränken. Aber da setzen wir auch auf Eigenverantwortung», sagt Gadze.

Um sich vor dem Eindringling Covid-19 zu schützen, müssen die Klubs nebst der Schulung von Spielern und Mitarbeitern aber noch einiges mehr unternehmen. Der Mannschaftsbereich des Kybunparks wird ein- bis zweimal täglich gründlich desinfiziert: von Türklinken über Fitnessgeräte bis hin zu Oberflächen.

Die NLA-Frauen des FC St.Gallen-Staad rücken immer mehr in den Mittelpunkt.

Die NLA-Frauen des FC St.Gallen-Staad rücken immer mehr in den Mittelpunkt.

Benjamin Manser

FC St.Gallen-Staad: Liga nutzt die Aufmerksamkeit

Besonders flexibel zeigten sich die Verantwortlichen der Super League der Frauen. Sie haben kurzerhand die letzte Runde vor der Winterpause auf das kommende Wochenende vorverlegt. So wird bis zum 6. Dezember im Wochenrhythmus gespielt.

Dadurch dürften auch die Frauen des FC St.Gallen-Staad von einer erhöhten Aufmerksamkeit profitieren, müssen doch viele andere Sportarten auf Wettkämpfe verzichten. «Wir müssen das Beste aus der Situation machen», sagt Marco Zwyssig, Trainer des FC St.Gallen-Staad.

Marco Zwyssig, Trainer des FC St.Gallen-Staad

Marco Zwyssig, Trainer des FC St.Gallen-Staad

Claudio Thoma / freshfocus

Dass die Schutzmassnahmen nochmals verschärft wurden, ergibt für Zwyssig Sinn. Er sagt:

«Wir machen alles, was möglich ist. Handschläge und andere Begrüssungen mit Körperkontakt vermeiden wir ganz.»

Drinnen tragen die Fussballerinnen überall Masken, selbst beim Athletiktraining. «Wir appellieren aber auch an die Eigenverantwortung», sagt Zwyssig. Denn: «Alle wissen, um was es geht.»

Im leeren Rund: Der HC Thurgau besiegt am Dienstag in der Eissporthalle Güttingersreuti in Weinfelden Sierre gleich mit 6:1.

Im leeren Rund: Der HC Thurgau besiegt am Dienstag in der Eissporthalle Güttingersreuti in Weinfelden Sierre gleich mit 6:1.

Mario Gaccioli

HC Thurgau: Es ist unpersönlicher geworden

Der HC Thurgau ist das einzige Team der Eishockey-Swiss-League, das bis anhin noch keinen Coronafall verzeichnen musste. «Vielleicht hatten wir einfach Glück. Aber natürlich tun wir alles, um uns an die Richtlinien zu halten und so Ansteckungen zu vermeiden», sagt Gody Kellenberger.

Der Sportchef ist zuständig für das Schutzkonzept in Spiel- und Trainingsbetrieb. Er hat den Akteuren vermittelt, woran sie sich zu halten haben. Nach einigen Wochen stellt er fest: «Die Spieler wissen genau, worum es geht. So melden sie sich beispielsweise sehr schnell, wenn in ihrem Umfeld jemand positiv getestet wurde.»

Auch beim HC Thurgau hat sich viel verändert: «Es ist alles ein bisschen unpersönlicher geworden. Man versucht, sich aus dem Weg zu gehen», so Kellenberger.

Gody Kellenberger, Sportchef des HC Thurgau

Gody Kellenberger, Sportchef des HC Thurgau

Mario Gaccioli
«Es ist kein Teamleben mehr, wie wir es gekannt haben. Nach einer Partie verziehen sich die Spieler mit ihrem Essen in eine Ecke.»

Aber natürlich sind sie auch beim HC Thurgau froh, überhaupt noch spielen zu dürfen. Aktuell ist das Team gut unterwegs, auch wenn die Tabelle wegen der vielen Verschiebungen unübersichtlich ist: Thurgau belegt nach elf Partien Platz eins.

Volley Amriswil (in Blau) gegen Dinamo Moskau in der Champions-League-Qualifikation.

Volley Amriswil (in Blau) gegen Dinamo Moskau in der Champions-League-Qualifikation.

Mario Gaccioli

Volley Amriswil: Ein Team in Quarantäne

Die NLA-Volleyballer von Amriswil bekommen gerade zu spüren, dass das Coronavirus trotz eines ausgeklügelten Schutzkonzepts den Weg in eine Mannschaft finden kann. Seit Montag befindet sich das Team in Quarantäne, Auslöser waren positive Coronatests bei einem Spieler und einem Mitglied des Trainerstabs.

Dabei hatte der Klub schon früh strenge Richtlinien festgelegt: Auf dem Weg vom Auto bis zum Betreten des Spielfeldes gilt Maskenpflicht. Trainings werden gestaffelt beendet, um sich in der Kabine nicht zu Nahe zu kommen. Ein Teil der Spieler duscht zu Hause. Vizepräsident Peter Bär ist der Covid-19-Beauftragte des Klubs. Er sagt:

Peter Bär, Vizepräsident von Volley Amriswil

Peter Bär, Vizepräsident von Volley Amriswil

Donato Caspari
«Wir setzten uns für diese Saison andere Ziele.»

Die Verantwortlichen haben den Spielern in einer Sitzung deutlich aufgezeigt, dass die Gesundheit allerhöchste Priorität geniesst. So war es das erste Ziel, mit der Meisterschaft überhaupt starten zu können. «Nun gilt es alles dafür zu tun, dass wir die Saison auch beenden können. Und erst an dritter Stelle folgt das Ziel, den Playoff-Final zu erreichen», so Bär.

Der Aufwand, die Schutzkonzepte umzusetzen, ist gross, zumal sich immer wieder einiges ändert. «Und manchmal herrscht auch Verwirrung ob all der Nachrichten auf den verschiedenen Kanälen», sagt Bär. Dann ist er die Ansprechperson im Klub.

Im Team sind die Trainer dafür verantwortlich, dass sich alle an die Richtlinien halten. Sie sensibilisieren für genügend Abstand und die Maskenpflicht. «Und natürlich weisen wir die Spieler immer wieder darauf hin, dass sie ihre Kontakte im Privatleben einschränken sollen», so Bär.

Von Vorteil ist, dass Amriswils NLA-Volleyballer, die zuletzt im Europacup Aufsehen erregt haben, allesamt Profis sind, und so Kontakte an einem Arbeitsplatz wegfallen.

Auch der Trommler trägt am Heimspiel von St.Otmar Maske.

Auch der Trommler trägt am Heimspiel von St.Otmar Maske.

Michel Canonica

TSV St.Otmar: Ab sofort sind Schnelltests Pflicht

In diesen Tagen hat der Handballverband das Schutzkonzept verschärft. Neu müssen sich die Handballer St.Otmars vor jeder NLA-Partie einem Coronaschnelltest unterziehen.

Auch die Maskenpflicht während eines Spiels geht nun weiter als bisher. In Zukunft werden die Ersatzspieler auf den Bänken mit mehr Abstand Platz nehmen. Jene, die über einen längeren Zeitraum nicht spielen, müssen neu eine Maske tragen. Trotz der Einschränkungen gilt: Die Handballer tragen die Massnahmen mit. Präsident Hans Wey sagt:

Hans Wey, Präsident St.Otmar

Hans Wey, Präsident St.Otmar

Hanspeter Schiess
«Wir sind alle froh, wenn wir weitermachen können.»

St.Otmar hatte noch keinen Coronafall zu verzeichnen. «Aber natürlich merken die Spieler die Einschränkungen», so Wey. Nach einem Erfolg falle beispielsweise die Siegesfeier in der Garderobe aus.

Die Handballer sind zudem aufgefordert, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Ganz vermeiden liessen sich diese aber nicht, denn ein grosser Teil gehe einer Arbeit nach, so Wey.

Positiv ausgewirkt hat sich derweil das Zuschauerverbot auf den Livestream. «Wir hatten um die 2000 Klicks zu verzeichnen», sagt Wey. Zum Vergleich: Der Zuschauerschnitt in der Kreuzbleiche liegt normalerweise bei gut 1000 Personen.