Markwalder sitzt fest im Sattel

TURF. Im Oktober stürzte Katja Markwalder am Renntag in Maienfeld unglücklich vom Pferd und brach sich den dritten Lendenwirbel. Die 29-Jährige aus Schmidshof sitzt aber bereits wieder im Sattel, und zwar in Frankreich.

Nicole D'orazio
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Katja Markwalder «fliegt» mit der familieneigenen Stute Windspeed über ein Hindernis. (Bild: Ueli Wild)

Katja Markwalder «fliegt» mit der familieneigenen Stute Windspeed über ein Hindernis. (Bild: Ueli Wild)

Turf. An den Pferderenntag in Maienfeld vom 10. Oktober 2010 hat Katja Markwalder keine guten Erinnerungen. Beim Aufgalopp für ein Rennen geriet das ihr anvertraute Pferd in Panik, preschte auf die Abschrankung zu und übersprang diese im letzten Moment. Die Rennreiterin stürzte und brach sich den dritten Lendenwirbel. «Das Pferd war jung und unerfahren», erzählt die 29-Jährige aus Schmidshof, einem Weiler in der Gemeinde Bussnang. «Das kann vorkommen.» Zum Glück sei sie verhältnismässig gut gestürzt und habe sich nicht noch schlimmere Verletzungen zugezogen. Eine Operation war nicht notwendig, doch die Reiterin musste mehrere Wochen ein Korsett tragen und die Ärzte prognostizierten ein halbes Jahr, ehe sie wieder in den Sattel steigen könne.

Seit gut einem Monat weilt die Thurgauerin aber bereits wieder im Rennstall des bekannten Hindernis-Trainers Guillaume Macaire an der französischen Westküste, wo sie als Trainingsreiterin arbeitet. «Ich fühlte mich schnell wieder gesund», sagt Markwalder mit einem Lachen. «Ich habe aber immer noch Muskelkater vom täglichen Reiten und muss mich erst wieder an die Intensität gewöhnen.»

Stürze gehören dazu

Nach diesem Sturz hätte sie nur für kurze Zeit liegen müssen, blickt sie zurück. Neben der Physiotherapie habe sie einfache Übungen gemacht, sei schwimmen oder joggen gegangen. «Die Ärzte sagten mir, dass ich alles machen darf, solange ich keine Schmerzen hätte.» Schnell zog es sie auch wieder in den familieneigenen Stall und ritt mit den Pferden aus.

Angst, wieder vom Pferd zu fallen, hat Katja Markwalder nicht. «Das gehört eben dazu», sagt sie. Die schlimmste Verletzung bisher, ein Schädelbruch, hat sie sich aber nicht beim Reiten, sondern als Kind mit dem Velo zugezogen. «Der Zeitpunkt des Lendenbruchs war einfach ungünstig», erzählt die Schmidshoferin weiter. Denn nachdem sie bei Macaire als Trainingsreiterin überzeugte, konnte sie für den bekannten Coach immer öfter in Amateurrennen in den Sattel steigen.

Sie sei nun aber wieder zurück und der Trainer hätte ihr gesagt, sie solle ihre Lizenz erneuern. «Ich denke, dass ich wieder Ritte bekomme. Die Saison fängt nun langsam an.» Amateurrennen gebe es in Frankreich viel mehr als in der Schweiz, auch über die Hindernisse. «Flachrennen bestreite ich keine mehr», so Markwalder.

Hindernisreiten im Blut

«Mit 1,73 bin ich recht gross und müsste hungern, um nur 50 Kilogramm auf die Waage zu bringen. Das will ich nicht mehr.» Über die Hindernisse seien 60 Kilo das Mindestgewicht und kein Problem.

Dass eine Frau Hindernisrennen reitet, ist selten. «Viele haben Angst, doch mir liegt das im Blut», erzählt die Thurgauerin. «Beim Springen muss man mit dem Pferd eine Verbindung aufbauen und sich gegenseitig vertrauen.» Und die Männer würden sie ernst nehmen, das sei kein Thema. Zu Macaire sei sie vor etwa fünf Jahren gekommen, weil sie bei ihm springen lernen wollte.

«Ich bin in den letzten Jahren immer wieder zu ihm ins Training gegangen und arbeitete in der Schweiz als Vertreterin von Primarschullehrern.» Bis im Sommer wird Markwalder voraussichtlich in Frankreich bleiben. «Mal schauen, wie es läuft.» Ob sie für Schweizer Rennen wie letzte Saison pendelt, kann sie noch nicht sagen. «Die Reise ist eben mühsam. Aber für das Pferd meiner Schwester werde ich mir das schon überlegen.»

Denn die Stute Windspeed hätten sie selber gezogen und im letzten Jahr eine gute Saison gehabt. «Das ist eine sehr schöne Familiensache», meint die Thurgauerin. Ihr grosses Ziel für dieses Jahr ist klar: «Endlich ein Hindernisrennen gewinnen.»