Interview

Markus Lüthi, Präsident des FC Thun: «Es wird Gewinner und Verlierer geben»

Markus Lüthi plädierte als erklärter Gegner von Geisterspielen für den Saisonabbruch. Im Interview erklärt der Präsident des FC Thun, weshalb er seine Meinung ändern könnte.

Markus Brütsch
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Herr Lüthi, warum will der FC Thun die Saison abbrechen?

Markus Lüthi: Diese ultimative Meinung hatte ich tatsächlich einmal. Allerdings habe ich inzwischen den Komplexitätsgrad der beiden Varianten «Abbruch» und «Geisterspiele» erkannt und bin vorsichtiger geworden mit meinen Aussagen. Ich möchte zuerst noch diese Woche abwarten.

Was soll da passieren?

Wir haben an einer Videokonferenz am Donnerstag festgestellt, dass wir eine Woche Zeit brauchen, um all die Daten aufzubereiten, die uns ein qualifiziertes Bild verschaffen. Man darf nicht entscheiden, so lange nicht alle Fakten auf dem Tisch sind. Was kosten Geisterspiele? Wie sieht es mit der Kurzarbeit aus? Wie kann man die Situation auffangen? Die Antworten darauf werden dann die Grundlage für eine schriftliche Abstimmung sein wird.

Wie weiter: Thuns-Präsident Markus Lüthi macht sich viele Gedanken.

Wie weiter: Thuns-Präsident Markus Lüthi macht sich viele Gedanken.

Gemäss Basel Präsident Burgener kostet ein Geisterspiel den FCB 300'000 Franken, beim FC Luzern spricht man von 250'000 Franken und FCZ-Präsident Ancillo Canepa hat ausgerechnet, dass dies die ganze Liga 20 Millionen kosten würde. Wie sieht es beim FC Thun aus?

Weil wir neben den Saisonkartenbesitzern pro Spiel nur etwa 2000 Tickets verkaufen, läuft es im Durchschnitt auf ein Nullsummenspiel hinaus.

Dann wären Geisterspiele für den FC Thun ja kein Problem.

Das Ganze ist viel komplexer. In Coronazeiten kommt es natürlich auf die Schutz- und Sicherheitsmassnahmen an, die letztendlich erfüllt werden müssen. Der wichtige Aspekt Kurzarbeit, welcher grossmehrheitlich erhalten bleiben müsste bis Zuschauer im Stadion sind. Und was mit den Sponsoren geschieht, die abgesehen vom Fernsehen zuvor auch noch eine gewisse Visualität hatten. Der Fussball hat, in der Schweiz wie im Ausland , nahe an der Klippe gearbeitet, weil alles so viel teurer geworden ist. Das holt uns in diesen Coronazeiten nun umso fataler ein.

Die Liga will gemäss Canepa mit einem Finanzpartner einen Stabilisierungsfonds im tiefen dreistelligen Millionenbereich auf die Beine stellen. Der Bund müsste dafür bürgen. Wäre das die Lösung?

Es braucht eine Bank, die das macht und den Bund, der dafür bürgt. Das wird kaum zeitgerecht vor unserem Entscheid auf dem Tisch liegen. Aber klar, die Absicht ist gut, man muss etwas tun. Doch es wird kein Fonds à perdu sein. Man muss das Geld zurückzahlen.

Was ist mit den 50 Millionen Franken, die der Bund für den Profisport zur Verfügung stellt?

Das tönt gut, ist in der Praxis aber ein Nonvaleur. Nicht praktikabel, weil man sich erst eine Sekunde vor dem Konkurs melden kann.

Sehen Sie eine Chance, dass Kurzarbeit auch in Kombination mit Geisterspielen weiterhin möglich ist?

Wie wirkt das, wenn ein Betrieb wieder öffnet und dennoch Kurzarbeit beansprucht? Das ist nicht unproblematisch. Beizer, die ihr Lokal nur zur Hälfte füllen können, werden wohl ohne Kurzarbeitsgeld auskommen müssen, etc.

Fürchten Sie bei einem Abbruch keine Klagen? Vom Fernsehen, von Lausanne-Sport…

Wir suchen einen guten Entscheid, der nicht allen gefallen wird. Es wird Sieger und Verlierer geben. Aber es macht jetzt keinen Sinn, solche Szenarien zu skizzieren.

Ein Argument gegen einen Abbruch ist, dass die Transfermarktwerte ins Bodenlose sinken.

Vielleicht ist es ja gut, wenn die Transferexzesse geringer werden. Bei Klubs wie Thun sind die Preise aber immer normal geblieben. Meine Prognose: Im obersten Segment wird sich nichts ändern, weil andere Geldquellen vorhanden sind. In der Mitte werden die Transfersummen stark einbrechen, unten wieder weniger.

Unter welchen Voraussetzungen würde der FC Thun für die Fortsetzung der Saison stimmen?

Wenn das Resultat der Gegenüberstellung zwischen den Varianten «Geisterspiele» und «Saisonabbruch» dafür spricht.

Fürchten Sie einen Grabenkrieg zwischen «Abbrechern» und «Geisterspielern»?

Wir sind uns im Sport gewohnt, dass auf dem Platz beide gewinnen wollen. Deshalb wird es keine Brüche geben.

Kommt es zum Abbruch, ist der Saisonstart 20/21 im September und mit Zuschauern das Ziel.

Dann hätten wir fast ein halbes Jahr pausiert. Ich weiss auch nicht, wie das herauskommen wird.