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«Marchons, marchons»

Die Franzosen sind sich einig. «Les Bleus» müssen im eigenen Land den Titel holen, auch wenn das Unterfangen schwierig wird. Eine Spurensuche in Lille vor der Partie gegen die Schweiz.
Christian Brägger/Lille
Bild: CHRISTIAN BRÄGGER/LILLE

Bild: CHRISTIAN BRÄGGER/LILLE

FUSSBALL. 13 Seiten widmete «L'Équipe», die wichtigste Sportzeitung Frankreichs, dem in Lille anstehenden Spiel gegen die Schweiz. Natürlich galt der Fokus dem eigenen Team, doch auch der Gegner wurde thematisiert. Die Journalisten machten Johan Djourou als Schwachstelle aus, Granit Xhaka sei der Dreh- und Angelpunkt im Schweizer Spiel, das besonders gefährlich bei Standardsituationen sei.

An diesem Morgen bekommt man in Lille nicht das Gefühl, dass es irgendeinen Franzosen interessieren könnte, was in der Zeitung steht. Die Stadt im Norden nahe der Grenze zu Belgien wirkt verschlafen, es herrscht eine Ruhe, die willkommen ist nach den hektischen Pariser Tagen. Endlich runterfahren, entschleunigen. Und doch die bange Frage: Wo sind die Anhänger von «Les Bleus»? Noch fehlen sie im Stadtbild.

Gottes Beistand

In der Kirche Saint-Maurice beendet der katholische Pfarrer soeben seine Sonntagsmesse und verabschiedet seine «Schäfchen» in den Mittag: «Ich wünsche euch ein schönes Spiel heute abend, auf dass Frankreich gewinnen möge.» Seine Worte werden mit einem leisen Lächeln erwidert, man ist ja noch in einer Kirche. Was kann noch schiefgehen gegen die Schweiz, wenn Frankreich himmlischen Beistand erhält?

Die Suche geht weiter. Beim grossen Markt von Wazemmes ist nichts zu spüren von der EM, die Euro findet hier nicht statt. Man wähnt sich ob der Marktbesucher irgendwo in Arabien, aber gewiss nicht in Frankreich. Menschen im Dress der «Équipe Tricolore» fehlen fast ganz, hie und da taucht ein Schweizer auf, in Überzahl sind die vielen Bettler, meistens Roma oder Syrer. Sie dominieren das Bild.

In einer Bar am Rande des Treibens ist es soweit, eine Gruppe sitzt da, es sind Franzosen, unverkennbar. Einer von ihnen steht, und plötzlich beginnt er die Marseillaise, die Nationalhymne Frankreichs, zu singen. Bei der Passage «Marchons, marchons» wird er besonders laut, die Leute um ihn herum schauen beeindruckt. Aber nur sie. Den älteren Araber hinten beim Marktstand interessieren lediglich seine Geschäfte, die Roma, die am Boden vor der Bar kauert, bettelt unbeirrt weiter. Ihre drei kleinen Kinder schauen ihr zu.

«Allez les Bleus»

Am Nachmittag verändert sich der Anblick des Stadtzentrums, die Franzosen trudeln ein. «Allez les Bleus», skandieren sie immer wieder. Doch erst am Abend im Stadion Pierre-Mauroy sind es so viele, dass man sie als Einheit wahrnimmt. Spätestens jetzt, um 21 Uhr. Man spürt, sie wollen Europameister werden. «Marchons, marchons.»

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