Marcel Kollers Ende in Bochum

Der Bundesligaclub Bochum hat sich nach der sechsten Runde und der 2:3-Heimniederlage gegen Mainz von Trainer Marcel Koller getrennt. Bis gestern abend die Entlassung offiziell wurde, herrschte bei den Westfalen das Chaos.

Markus Scherrer
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Marcel Koller muss in Bochum gehen. (Bild: ap/Roberto Pfeil)

Marcel Koller muss in Bochum gehen. (Bild: ap/Roberto Pfeil)

Fussball. Vier Punkte aus fünf Spielen hatte Marcel Koller mit Bochum geholt, als er seine Mannschaft in der vergangenen Woche auf die samstägliche Heimpartie gegen Mainz vorbereitete. Das war eine Bilanz, mit der sich vor allem die Anhänger nicht anfreunden konnten. Und was sich in den Tagen vor dem Spiel gegen den Aufsteiger bereits zusammengebraut hatte, entlud sich am Samstag nach der 2:3-Niederlage im und um das Bochumer Stadion. Schon während der Begegnung musste sich der Trainer «Koller raus»-Rufe anhören.

Die Anhänger hielten Transparente in die Höhe, auf denen zu lesen war: «Koller, geh endlich.» Und die Proteste gingen nach der Partie weiter. Vor dem Stadion forderten rund 2000 Fans den Rücktritt von Koller. Das sei alles nicht angenehm, sagte der ehemalige St. Galler Meistertrainer und fügte bei: «Aber ich erlebe diese Situation in Bochum nicht zum ersten Mal.»

Die Meldung im Internet

Auf die jüngste Niederlage und die Proteste der Anhänger folgten Krisensitzungen der Clubleitung. Der Aufsichtsrat wurde zusammengerufen. Und irgendwann am späten Sonntagnachmittag vermeldete der Verein auf seiner Homepage die Trennung von Koller. Das Dementi des Mediensprechers folgte prompt. Die Meldung stimme nicht und sei fälschlicherweise ins Internet gelangt.

In jener Mitteilung liess sich Thomas Ernst, der Sportdirektor, mit den Worten zitieren: «Wir waren nicht mehr der Überzeugung, in der Konstellation erfolgreich sein zu können.» Nur wenig später wurde die Entlassung Kollers trotzdem offiziell. Es war das Ende eines traurigen Spiels, das der Club mit dem Zürcher trieb.

Interimslösung

Auf Koller, der seit 2005 bei den Westfalen tätig war, den Club stets in der Bundesliga hielt und noch einen Vertrag bis Ende Saison besitzt, folgt eine Interimslösung.

Frank Heinemann und Dariusz Wosz als Co-Trainer übernehmen vorübergehend die Verantwortung. Was Koller bereits hinter sich hat, dürfte Lucien Favre, der Trainer von Hertha Berlin, noch vor sich haben. Nach dem gestrigen 0:4 zu Hause gegen Freiburg belegen die Berliner den letzten Tabellenplatz. Seit dem Startsieg gegen Hannover hat die Hertha fünfmal in Folge verloren. Favre steht in der deutschen Hauptstadt vor unruhigen Tagen.

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