Interview

Ex-FCSG-Meistertrainer Marcel Koller vor dem Kracher St.Gallen – Basel: «Ich lasse mich nicht unter Druck setzen»

Der Match FC St.Gallen – FC Basel vom kommenden Samstag ist für den neuen FCB-Trainer Marcel Koller eine Reise in die eigene Vergangenheit. Im Interview spricht der frühere FCSG-Meistercoach über die spezielle Affiche. Und er verrät, dass eine Rückkehr zu den Ostschweizern schon mehrfach im Raum stand.

Daniel Walt
Drucken
Teilen
Steht vor grossen Herausforderungen beim FC Basel: St.Gallens ehemaliger Meistertrainer Marcel Koller. (Bild: Keystone)

Steht vor grossen Herausforderungen beim FC Basel: St.Gallens ehemaliger Meistertrainer Marcel Koller. (Bild: Keystone)

Marcel Koller, vor 18 Jahren sind Sie mit dem FC St.Gallen Meister geworden. Sind Spiele gegen Ihren Ex-Club nach so langer Zeit überhaupt noch etwas Besonderes für Sie?

Auf jeden Fall. Ich habe drei wunderbare Jahre in St.Gallen verbracht. Die Fans, der Meistertitel, das ganze Drumherum… All dies habe ich auch heute noch sehr präsent.

Es gab sicherlich schon schönere Momente für Sie, um nach St.Gallen zurückzukehren. Am Samstag stehen Sie mit dem FC Basel unter grossem Druck, um ein weiteres Abrutschen in der Tabelle zu verhindern.

Ich komme auch jetzt gerne nach St.Gallen. Aber natürlich, wir wollen am Samstag gewinnen und werden alles dafür tun, um den Sieg zu holen. Genauso wie unser Gegner.

Spiele zwischen St.Gallen und Basel verlaufen oft spektakulär. Einige Stichworte: Das Phantomtor, der Lichtausfall, Siege der Ostschweizer auf Schnee oder eine 0:7-Heimniederlage der St.Galler vor zweieinhalb Jahren. Worauf machen Sie sich am Samstag gefasst?

Auf eine Mannschaft, die uns alles abverlangen wird. Wir werden extrem parat sein und die richtigen Gegenmittel finden müssen.

Wie schätzen Sie den FC St.Gallen und dessen Umfeld, bei dem es zu vielen Umwälzungen gekommen ist, aktuell ein?

Ich habe natürlich mitbekommen, was in den letzten Monaten alles passiert ist. Sportlich ist das Team gut drauf, und die Fans sind so fussballverrückt wie jene in Basel. Aus der Ferne betrachtet sieht es im Moment gut aus für St.Gallen.

Sie waren nach Ihrem Rücktritt als GC-Trainer im Herbst 2003 15 Jahre lang nicht mehr in der Schweiz tätig. Wie hat sich der Fussball seit damals verändert?

Er ist schneller und intensiver geworden. Zudem gibt es ganz andere Messmethoden als früher, und all diese Daten sorgen für mehr Transparenz, was die Leistungen der Spieler angeht. Zudem hat sich die Infrastruktur bei vielen Clubs verbessert. Als ich St.Gallen trainierte, mussten wir beispielsweise praktisch täglich nach einem Trainingsplatz suchen. Jetzt hat der FC St.Gallen gute Rahmenbedingungen mit dem Trainingsbetrieb im Gründenmoos.

Regelmässig, wenn in St.Gallen ein Trainerposten zu vergeben war, fiel auch Ihr Name. Gab es Momente, in denen eine Rückkehr in die Ostschweiz für Sie eine realistische Option war?

Ja. Die jeweiligen Verantwortlichen des Clubs und ich haben das eine oder andere Mal miteinander gesprochen. Aber zu einem Engagement ist es schliesslich nie gekommen.

Weshalb nicht?

Es gibt jetzt nicht diesen einen Punkt, an dem eine erneute Zusammenarbeit scheiterte. Viele Dinge müssen zusammenpassen, beide Seiten müssen sich einig sein.

Jetzt haben Sie den Job beim FC Basel angenommen und müssen den Club aus seiner grössten Krise seit vielen Jahren führen. Der Erfolgsdruck dürfte bei kaum einer Ihrer bisherigen Trainerstationen so gross gewesen sein wie jetzt beim FCB. Wie gehen Sie damit um?

Ich lasse mich nicht unter Druck setzen. Basel als Serienmeister und –Cupsieger, das ist Vergangenheit. Der Club hat den Titel in der vergangenen Saison verpasst, und auch in der neuen Spielzeit sind die Ergebnisse nicht so, wie sie früher waren. Es gilt jetzt jeden Tag viel miteinander zu reden und zu arbeiten, damit wir wieder dorthin kommen, wo wir hinwollen. Fest steht, dass das nicht per Knopfdruck geht. Wir arbeiten vorerst mit dem Kader, den wir haben, und werden sehen, ob wir noch Verstärkungen brauchen.

YB kann mit den Millionen aus der Champions League planen, während Basel sogar die Europa League verpasst hat. Wie gross ist die Gefahr, dass YB den FCB auf längere Sicht als Branchenprimus ablöst?

Aktuell sieht es so aus, dass das der Fall sein könnte. Aber als Trainer weiss ich: Mit einem geschlossenen, engagierten Auftreten kann man viel erreichen und auch mit weniger finanziellen Mitteln vorne dabei sein.

Unvergessen: Die Emotionen im Espenmoos bei der Übergabe des Meisterpokals im Jahr 2000 - schwelgen Sie nochmals in Erinnerungen...