Marcel Hugs goldener Helm liegt bereit

Die Schweizer Delegation hat sich an den heute in London mit der Eröffnungsfeier beginnenden Paralympics elf Medaillen als Ziel gesetzt. Die Ostschweizer Marcel Hug und Sandra Graf gehören zu den Medaillenanwärtern.

Urs Huwyler/London
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Marcel Hug (Bild: ky/E. T. Solenthaler)

Marcel Hug (Bild: ky/E. T. Solenthaler)

BEHINDERTENSPORT. Die britische Botschafterin Sarah Gillett besuchte im Mai das britische Rollstuhl-Team an der international ausgeschriebenen Leichtathletik-Schweizer-Meisterschaft in Nottwil. «Die Olympischen Spiele in London werden ein grossartiges Sportfest, die zwei Wochen später beginnenden Paralympics noch emotionaler», sagte Gillett damals. Der erste Teil wurde den Ansprüchen gerecht. Der zweite wird heute eröffnet. «Zum Höhepunkt», fügte die Botschafterin in der Arena neben dem Paraplegikerzentrum an, «wird der Zweikampf zwischen David Weir und Marcel Hug. Darauf bin ich ganz besonders gespannt.» Kurz zuvor hatte der Thurgauer Hug dem Engländer eine Niederlage beigebracht.

Weir lebt in London und soll dem Behindertensport – analog Bradley Wiggins bei den Radrennfahrern – als Lokalmatador zu einem weiteren Aufschwung verhelfen. 2008 hatte der sprintstarke Mittelstreckler an den Paralympics in Peking Gold über 800 m und 1500 m sowie Silber über 400 m und Bronze über 200 m gewonnen. Hug, der schon damals zu den Favoriten zählte, ging vor vier Jahren leer aus.

Tagesform entscheidet

An der WM 2011 in Neuseeland war der 33jährige Weir auf seinen Spezialstrecken wiederum der dominierende Athlet und fuhr dreimal zum WM-Titel. Hug wurde über 10 000 Meter Weltmeister. «Die Chancen dass ich Weir hinter mir lassen kann, stehen fünfzig zu fünfzig. Die Tagesform und die Taktik werden den Ausschlag geben», sagt der einzige Schweizer Behindertensport-Profi Hug. Sein britischer Konkurrent ist gleicher Meinung. 80 000 Zuschauer werden ihn an den Rollstuhlwettkämpfen im Olympiastadion anfeuern. «Das Niveau ist derart hoch», sind sich Hug und Weir einig, «dass sich die Konkurrenz kaum mehr distanzieren lässt.» Der 26jährige Hug, der seine auf den Oberarm tätowierten Olympiaringe im Rennen abdecken muss, weil es sich um Fremdwerbung handelt, hat seine Vorbereitung auf die Schnelligkeit ausgerichtet. Seit Monaten trainiert er im Keller des Paraplegikerzentrums vor einem Spiegel, auf dem «29. August 2012» steht. «Mit der Eröffnung beginnt das Abenteuer Paralympics. Darauf bin ich fokussiert. Das Datum visualisiert mein Ziel», sagt der Thurgauer. In Athen 2004 hatte Hug als zweifacher Medaillengewinner überrascht. Seither trägt er einen silbernen Helm. Ein goldener liegt bereit. Gewechselt wird aber erst nach dem ersten Paralympics-Titel.

Graf mit Chancen im Zeitfahren

Hugs Minimalziel in London ist eine Medaille. Der Pfyner zählt auf den Distanzen von 800 m bis zum Marathon zu den Mitfavoriten. «Kein Gold käme für mich einer Enttäuschung gleich», so Hug.

Bei den Frauen hat besonders die Gaiserin Sandra Graf Chancen auf eine Goldmedaille. Sie startet zweimal in der Leichtathletik über 5000 m und im Marathon sowie zweimal mit dem Handbike im Zeitfahren und im Strassenrennen. Vor allem im Kampf gegen die Uhr darf die von Nationaltrainer René Savary unterstützte Appenzellerin Richtung Sieg schielen. Im Rollstuhl-Marathon gehört sie ebenfalls zum Favoritenkreis. In Peking gewann sie über diese Distanz die Bronzemedaille.

Helbling will ein Diplom

Der Melser Rollstuhl-Pistolenschütze Paul Schnider gilt bei seinen drei Starts jeweils als Anwärter auf einen Finalplatz. Zuletzt bezwang der St. Galler vor seinen dritten Paralympics an einem Wettkampf in Deutschland auch aktuelle Paralympics-Medaillengewinner.

Von der zweifachen EM-Zweiten dieses Jahres und Junioren-Weltmeisterin Alexandra Helbling wird in der Leichtathletik mit persönlichen Bestleistungen die Bestätigung der Selektion erwartet. Zudem hofft die St. Gallerin, über 800 m oder 1500 m den Final zu erreichen und ein Diplom zu gewinnen.

Sandra Graf (Bild: ky/Ennio Leanza)

Sandra Graf (Bild: ky/Ennio Leanza)

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