MARATHON: Weltrekordflirt und Schweizer Duftnoten

Eliud Kipchoge und Gladys Cherono aus Kenia schrieben die Siegergeschichten des 44. Berlin Marathons, aber nicht die einzigen. Als Sieger bei den Rollstuhlfahrern profilierten sich der Pfyner Marcel Hug und die Luzernerin Manuela Schmid.

Jörg Greb
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35 Sekunden fehlen Eliud Kipchoge auf den 2014 von seinem Landsmann Dennis Kimetto aufgestellten Weltrekord. (Bild: Michael Sohn/ap)

35 Sekunden fehlen Eliud Kipchoge auf den 2014 von seinem Landsmann Dennis Kimetto aufgestellten Weltrekord. (Bild: Michael Sohn/ap)

Jörg Greb

Der Berliner Marathon gilt als einer der schnellsten der Welt. Gerecht geworden ist er den hohen Erwartungen gestern Morgen bei den Allerschnellsten nur bedingt. Die 2:03:32 Stunden des Kenianers Eliud Kipchoge entsprechen zwar höchsten Ansprüchen, Weltrekord aber sind sie nicht. 35 Sekunden fehlten dem seit vier Jahren ungeschlagenen Olympiasieger auf die 2:02:57, die Dennis Kimetto 2014 in Berlin gelaufen war. Dabei waren die Topcracks unter der Weltrekord-Pace ins Rennen gegangen: Kipchoge gab mit seinem Landsmann und früheren Weltrekordler Wilson Kipsang sowie dem Vorjahressieger und dreifachen Bahn-Olympiasieger Kenenisa Bekele aus Äthiopien das Tempo vor. Aber schon vor Streckenhälfte wurden die Kilometerzeiten langsamer, die Aussicht auf den achten Männer-Weltrekord in Berlin geriet ausser Reichweite.

Bekele musste nach 24, Kipsang nach 30 Kilometern die Hoffnungen begraben. Beide stiegen aus. Hochspannend blieb es dennoch. Denn der Äthiopier Guye Adola zeigte in seinem ersten Marathon keine Selbstzweifel und Schwäche. Er bot Kipchoge die Stirn bis km 41 – mehr noch: Zwischen km 37 und 40 setzte er sich an die Spitze und forderte den Seriensieger aufs Letzte. Doch Kipsang konterte: «Ich war mir meiner Sache immer sicher», sagte er danach.

Hochklassig und spannend verlief auch das Frauenrennen, mit der Siegerin Gladys Cherono und ihren 2:20:23 Stunden, der zweitplatzierten Ruti Aga aus Äthiopien, die 18 Sekunden später folgte, sowie Valary Aiyabei, die weitere 12 Sekunden zusätzlich benötigte.

Fünf Schweizer schaffen EM-Limite für Berlin 2018

Zu profilieren wussten sich auch etliche Schweizer: Adrian Lehmann lief mit 2:15:12 Stunden bis auf vier Sekunden an seine Bestmarke von 2015 heran – ein Ausrufezeichen nach seinem Ermüdungsbruch im Kreuzbein. Christian Kreienbühl realisierte mit den 2:17:17 seine viertbeste Zeit trotz langwieriger Verletzungspause und nur achtwöchiger Marathon-Vorbereitung. Und die EM-Limite für nächstes Jahr in Berlin von 2:19:30 erfüllten ebenso Andreas Kempf (2:19:22) und Geronimo von Wartburg (2:19:26). Bei den Frauen musste Rekordhalterin Maja Neuenschwander aufgeben. Dafür qualifizierte sich auch Susanne Rüegger für die EM. Sie wurde 17. und blieb in 2:39:39 Stunden um 21 Sekunden unter dem geforderten Wert.

Hug und Frei mit Topleistungen

Ihrer Favoritenrolle bei den Rollstuhlfahrern gerecht wurden die beiden Schweizer Vorzeigeathleten Marcel Hug und Manuela Schär: beide siegten. Vom ersten Meter demonstrierte Hug seine Sonderklasse. Sehr bald fuhr er ein einsames Rennen – gegen sich, gegen die Zeit. Der 31-jährige Thurgauer verstand es, bei den schwierigen Bedingungen durch die Nässe die Konzentration und Spannung hochzuhalten. Schliesslich setzte er sich überlegen und ungefährdet in 1:29:03 Stunden durch. Auf den starken vierten Platz fuhr der 20-fache Berlin-Sieger Heinz Frei (59) mit 1:32:45.

«Einsamer Temporitt» von Manuela Schär.

Bei den Frauen tat es Manuela Schär Hug gleich. Zum dritten Mal in Folge gewann die 32-Jährige in Berlin. In diesem Jahr triumphierte sie nach Boston und London zum dritten Mal auf Stufe der Major Marathons. Auf «einen einsamen Temporitt» stellte auch sie sich ein, nachdem die härtesten Widersacherinnen aus den USA wegen des Streiks bei Air Berlin nicht hatten anreisen können. Der Regen aber «machte alles etwas langsamer». Schliesslich verpasste sie mit 1:40:05 Stunden den angesteuerten Streckenrekord ihrer Landsfrau Sandra Graf (2.) um 36 Sekunden.