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Schweizer Nationalmannschaft: Mängel auf den letzten Metern

Man erkennt einen roten Faden in den Schweizer Resultaten vergangener Jahre. Einen, der zeigt, dass es gegen Grosse und vermeintlich Grosse nicht reicht. Das spürt auch der Trainer. Und versucht alles.
Christian Brägger, Brüssel
Granit Xhaka (links) wird vom Belgier Dries Mertens gefoult. (Bild: Toto Marti/Freshfocus (Brüssel, 12. Oktober 2018))

Granit Xhaka (links) wird vom Belgier Dries Mertens gefoult. (Bild: Toto Marti/Freshfocus (Brüssel, 12. Oktober 2018))

«Gegen den Weltranglistenersten kann man verlieren.» Eine halbe Stunde nach dem 1:2 gegen Belgien sind dies Xherdan Shaqiris Worte – sie sind gewiss nicht falsch. Gegen diese belgische Generation haben schon Nationen von anderem Kaliber verloren, Brasilien an der WM zum Beispiel, oder England. Vielleicht bleibt Shaqiri am Freitag zu später Stunde deshalb gelassen, positiv. Er hat eine gute Leistung seiner Mannschaft gesehen.

Aber eben, es gibt diese eine Bilanz, die über allem schwebt und sich wie ein roter Faden durchzieht: An der WM 2014 verliert die Schweiz gegen Frankreich und Argentinien; danach unterliegt sie in der EM-Qualifikation zweimal England, schlägt Portugal in der WM-Qualifikation, ehe das Endspiel um den Gruppensieg gegen den Europameister misslingt; heuer teilt sie gegen Spanien im Test und gegen Brasilien an der WM die Punkte, zuletzt hat sie in England wie Belgien das Nachsehen.

Wird er je kommen, der Moment, an dem man mehr als nah dran ist? Der Moment, an dem man sagt, es ist passiert, ein (vermeintlich) Grosser ist besiegt? Was würde dann mit dieser Schweiz geschehen, käme sie auf ein anderes, höheres Niveau?

Mario Gavranovic sagt, dass diese Niederlagen nerven. Und Granit Xhaka sagt: «Es ist traurig, dass wir gegen eine solche Mannschaft wieder einmal nicht gewonnen haben. Es ist ja nicht so, dass man uns jeweils auseinandernimmt. Wir können das Tempo mithalten.» Irgendwann nütze ein guter Auftritt aber nichts mehr, irgendwann müsse die Schweiz ein solches Spiel gewinnen, fügt er an. «Ein 1:1 sollte man vielleicht auch mal halten können», so Shaqiri. Und Denis Zakaria sagt, der Unterschied zwischen der Schweiz und Belgien sei nicht gross gewesen. Vielleicht liegt er genau hier: «Im letzten Drittel fehlt etwas», Fabian Schär meint damit die letzten 30 Meter vor dem Tor.

Sich darüber nerven, trotz guten Auftritten ein 1:1 nicht halten zu können – die Unterschiede sind nicht gross, was schon der ausgeglichene Ballbesitz suggeriert. Und über die ungenügende Spielweise in der Gefahrenzone des Gegners. Die Schweiz weiss sich einzuordnen, erkennt mögliche Mängel, Xhaka sieht überdies fehlende Cleverness – gerade weil das Siegtor der Belgier zu jenem Zeitpunkt fällt, als man selbst die stärkste Phase hat.

Der Trainer gibt mit Massnahmen Gegensteuer

Diese Dinge spürt Vladimir Petkovic ebenso, das Resultat gegen Belgien macht den Trainer unzufrieden. Seit der WM versucht er, Lösungen zu finden, auch weil der Druck auf ihn grösser wird. Er lässt nichts unversucht. Nimmt einen Umbau vor, verzichtet auf die Etablierten und Dienstälteren. Sucht eine schnellere Spielweise, mehr Tempo. Probt die Dreierkette und betreibt Geheimniskrämerei um die Spielweise der Schweiz; als Ballbesitzteam muss sie Überraschungen im Köcher haben und variabler sein. Und Goalie Yann Sommer sagt: «Ein Plan B muss vorhanden sein in unserem Spiel.»

Der Plan B muss auch als Lösung her, weil im übertragenen wie im wahrsten Sinne des Wortes auf den letzten Metern etwas fehlt. Mit der Dreierkette wird die Unterstützung der Offensive grösser, mit der Geschwindigkeit wächst ihre Durchschlagskraft. Die Schweiz hat nun einmal keinen Mittelstürmer vom Format eines Romelu Lukaku.

Dennoch: Petkovic wirkt unmittelbar nach der Niederlage irgendwie erleichtert. Oder zumindest entspannt. Jedenfalls bekommt er an der Pressekonferenz wieder sanftere Gesichtszüge, ein Lächeln huscht gar über sein Gesicht. Er, der am Spieltag und davor so sehr in einem Tunnel ist, unnahbar ist. Vielleicht rührt die gefühlte Entkrampfung daher, dieses schwierige Spiel in Belgien mit Anstand hinter sich gebracht zu haben. Weil man erneut gut zurückgekommen ist nach einem Rückstand. Weil man auch unter Druck die spielerische Lösung sucht. Und vielleicht auch deswegen, weil es halt doch eine andere Schweiz ist als noch vor Jahren. Trotz der Niederlagen. So sagt Gavranovic eben auch: «In Zukunft wird sich das ändern. Irgendwann werden wir belohnt.»

Diese Belohnung kann am Montag die Begegnung gegen Island noch nicht sein. Vielleicht aber dann Belgien, wenn es im November nach Luzern kommt. Und es noch um den Gruppensieg in der Nations League geht.

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