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Interview

Der Zuger Luca Sbisa steht im Stanley-Cup-Final: «Manchmal muss ich mich kneifen»

Der Zuger Luca Sbisa (28) steht mit den Vegas Golden Knights im Stanley-Cup-Final. Im Interview spricht er über die Stärken dieses verblüffenden Teams, seine Verletzungen – und das WM-Silber der Schweiz.
Interview: Nicola Berger, Las Vegas
Luca Sbisa begrüsst einen jungen Fan vor dem vierten Halbfinalspiel gegen die Winipeg Jets. «Das Publikum trägt uns», sagt er. Bild: John Locher/AP (Las Vegas, 18. Mai 2018)

Luca Sbisa begrüsst einen jungen Fan vor dem vierten Halbfinalspiel gegen die Winipeg Jets. «Das Publikum trägt uns», sagt er. Bild: John Locher/AP (Las Vegas, 18. Mai 2018)

Über Summerlin, einem Vorort von Las Vegas in der Wüste Nevadas, sengt die Sonne, es ist 32 Grad, und in der City National Arena trainieren an diesem Donnerstagmorgen die Vegas Golden Knights. Die kleine Eishalle ist überfüllt mit Anhängern, die Euphorie in Nevada ist gerade gross, denn die Golden Knights haben es in der ersten Saison ihres Bestehens sensationell in den Stanley-Cup-Final geschafft.

Noch vor einem Jahr stand nicht ein Spieler unter Vertrag, General Manager Georg McPhee musste sich ein Team zusammenklauben. Alle 30 übrigen NHL-Mannschaften mussten in einem Expansionsdraft Spieler abgeben, durften aber elf Spieler festlegen, die nicht ausgewählt werden konnten. Die Golden Knights erhielten so ein Kader voller Desperados und einen einzigen Star: Goalie Marc-André Fleury. Die Wettquoten auf den Stanley-Cup-Sieg lagen vor der Saison bei 500:1, es hat in der US-Sportgeschichte noch nie etwas Vergleichbares gegeben.

Mittendrin steht Luca Sbisa, der 28-jährige Verteidiger aus Zug. Er kann als vierter Schweizer den Stanley Cup gewinnen. Bislang durften die Torhüter David Aebischer (2001 mit Colorado) und Martin Gerber (2006 mit Carolina) sowie Verteidiger Mark Streit (2017 mit Pittsburgh) den Stanley Cup in die Höhe stemmen. Doch dieses Trio kam in den jeweiligen Finals nie zum Einsatz. Sbisa dagegen ist bei Las Vegas eine feste Grösse.

Luca Sbisa, niemand hätte den Golden Knights diese Saison zugetraut. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Manchmal muss ich mich kneifen, weil ich es fast nicht glauben kann. Doch dann gehe ich mit meinem Hund spazieren und erwische mich, wie ich grinsen muss: Wir stehen im Final. Wow. Es ist unglaublich, was wir erreicht haben. Und der Weg ist noch nicht zu Ende. Wir hatten null Kredit, die Leute schrieben uns schon vor dem Saisonstart ab. Aber wir realisierten schnell, dass wir ein spezielles Team haben. Dass etwas Grosses entstehen kann. Im Oktober mussten wir wegen Verletzungspech teilweise mit dem fünften Goalie spielen. Und trotzdem gewannen wir. Das hat im Team eine unglaubliche Dynamik entfacht.

Welchen Effekt hat es, dass alle Spieler etwas zu beweisen haben, nachdem ihre alten Teams sie quasi freigaben?

Einen grossen. Wir haben diese Motivation, dass wir allen zeigen wollen, dass sie falsch lagen. Dieses Feuer macht uns stark.

Wie hat sich der Teamspirit entwickelt?

Ich war noch nie in einer Mannschaft, die einen so starken Zusammenhalt hatte wie die Golden Knights. Das schreckliche Massaker vom 1. Oktober hat die ganze Region zu einer verschworenen Gemeinschaft gemacht. Aber als Team fanden wir uns schon im Sommer, die Atmosphäre war fast familiär. Es gab keine Vorgeschichte, keine Grüppchenbildung, niemand war vorbelastet. Das war sehr unkompliziert. Wir haben uns alle schätzen gelernt.

Welchen Anteil hat der Trainer Gerard Gallant?

Er ist sehr wichtig. Und er ist einer von uns. Er wurde ja in Florida entlassen und hatte auch etwas zu beweisen. Ich schätze seine Ehrlichkeit, man weiss immer, woran man ist. Er sagt es dir, wenn du beschissen spielst. Aber er sagt es dir auch, wenn etwas gut war.

Wie beurteilen Sie Ihre eigene Saison? Verletzungen warfen Sie immer wieder zurück.

Ja, es war zäh. Zu Saisonbeginn spielte ich in der ersten Verteidigung und punktete sogar ziemlich fleissig. Aber ich habe mich viermal verletzt. Da haderte ich schon. Beim vierten Mal sass ich zu Hause und fragte mich: Was soll das? Warum schon wieder? In der NHL kann man schnell vergessen gehen. Das war bei mir zum Glück nicht der Fall. Ich habe die Unterstützung der Trainer und Mitspieler immer gespürt. Irgendwann habe ich mir dann gesagt: Am besten lacht, wer zuletzt lacht. Alle werden sich nur daran erinnern, was am Ende passiert. Da will ich überzeugen.

Bei Ihrem Ex-Klub Vancouver wurden Sie teilweise sehr stark kritisiert. Ist die Wertschätzung in Las Vegas eine andere?

Sagen wir es so: Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl.

Wie erleben Sie Las Vegas?

Es ist eine aufregende Stadt. In den Casinos bin ich selten, aber ab und zu gehe ich mit meiner Frau an den Strip, dann sehen wir uns eine Show an und geniessen ein gediegenes Abendessen. Die Unterhaltung hier ist einfach sensationell.

Wie stark haben Sie den Exploit der Schweizer Nationalmannschaft an der WM in Dänemark verfolgt

Ich habe mitgefiebert und mich sehr gefreut. Es ist eigentlich unwürdig, dass im Final ein Penaltyschiessen entschieden hat. Schade. Aber das soll die Leistungen der Schweiz nicht schmälern. Vor dem Halbfinal gegen Kanada habe ich mit meinem Teamkollegen James Neal gewettet. Das hat ihn 100 Dollar gekostet ... Ich habe das Geld allerdings gleich wieder verspielt, weil ich im Final wieder auf die Schweiz gesetzt habe, dieses Mal gegen William Karlsson.

Nun wartet das Duell mit Washington und Alexander Owetschkin. Spürt man in der Stadt eine Euphorie? Und wie geht das Team damit um, dass es plötzlich Favorit ist?

Ja, es ist gerade ziemlich verrückt. Die Trainings sind voll, überall sieht man das Klubemblem. Und an den Spielen ist die Stimmung unbeschreiblich, das Publikum trägt uns. Für uns ändert sich nichts, wir bleiben auf dem Boden. Das ist jetzt meine zehnte Saison in der NHL. Ich war noch nie auch nur annähernd so nahe am Titel. Und vielen anderen geht es genauso. Es ist eine Chance, die vielleicht nie wieder kommt. Wir werden alles tun, um sie zu nutzen.

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