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«Es tut uns aufrichtig leid» – so setzt sich SFV-Präsident Peter Gilliéron nach der Doppelbürger-Diskussion zur Wehr

Vor acht Tagen gab Generalsekretär Alex Miescher ein kontroverses Interview über Doppelbürger. Es löste allerorts Reaktionen aus, auch unter den Schweizer Spielern. Endlich nimmt Peter Gilliéron Stellung, der Präsident des Schweizer Fussballverbands (SFV).
Etienne Wuillemin, François Schmid-Bechtel, Christian Brägger
Peter Gilliéron entschuldigt sich für die Aussagen seines Verbandskollegen. (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Peter Gilliéron entschuldigt sich für die Aussagen seines Verbandskollegen. (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Peter Gilliéron, kannten Sie den Inhalt von Alex Mieschers Interview vor der Publikation?

Nachdem das Interview autorisiert worden ist, konnte ich noch kurz drüber lesen.

Spielten Sie mit dem Gedanken, die Publikation zu verhindern?

Nein, das hätte nichts gebracht. Es wäre wohl auch sehr schwierig geworden. Hätte ich eingegriffen, wären die Folgen wohl auch nicht überall goutiert worden.

Hätten Sie die Publikation verhindert, wenn Sie früher Kenntnis gehabt hätten?

Auch wenn die Frage hypothetisch ist - wahrscheinlich schon.

Aus welchen Gründen?

Weil ich dachte, dass vieles von dem, was Alex Miescher sagte, falsch verstanden werden könnte. Aber auch, dass die Dimension des Interviews überhöht und die positiven Absichten unseres Generalsekretärs missgedeutet würden. Mit Verlaub: Das hat sich alles bewahrheitet.

Mieschers Aussagen sind deutlich, wenn er sagt: «Mit Doppelnationalitäten schaffen wir Probleme.» Welche Aspekte des Interviews wurden da falsch verstanden?

Er hat viel Einordnendes und Weiterführendes auch noch gesagt. Es ist aber der allgemeine Eindruck entstanden, dass wir angeblich keine Doppelbürger wollen, wir diese nicht gern haben und nur noch Fussballer wollen, die ausschliesslich den Schweizer Pass haben. Das entspricht jedoch überhaupt nicht der Haltung des Verbandes.

Hat das Konsequenzen für Alex Miescher? Ist er noch tragbar?

Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen die Analyse vornehmen, wie wir das nach einer Endrunde immer tun. Alex Mieschers Interview hat insofern Konsequenzen, als dass wir auch die Rollenverteilung in der Verbandsspitze noch genauer überprüfen werden als vielleicht vor zwei Jahren nach der EM in Frankreich. Also werden wir auch seine Rolle und Aufgaben durchleuchten. Was er soll und was nicht. Solche Interviews und Alleingänge darf es jedenfalls nie mehr geben. Vor allem auch deshalb nicht, weil ihm, weil dem Nationalcoach, weil dem Verband, weil uns allen das Multikulturelle sehr am Herzen liegt. Ich denke aber nicht, dass etwas kaputtgegangen ist und alles nun im Chaos endet.

Welche Reaktionen haben Sie auf Mieschers Vorstoss erhalten?

Die Spieler haben mit Ausnahme von Granit Xhaka, der ein Interview gab und sich dabei am Schluss gar versöhnlich zeigt, nicht gross reagiert. Wir sind von verschiedenen Stellen auf unterschiedlichen Wegen proaktiv auf die Spieler zugegangen und haben ihnen mitgeteilt, dass es sich bei den publizierten Aussagen nicht um die Meinung des Verbandes handelte. Das Wichtigste in dieser Situation ist, dass wir uns entschuldigen und die Aussagen bedauern, sollte ein falscher Eindruck entstanden sein.

Miescher will, so heisst es von Branchenkennern, Sie beerben und Präsident des SFV werden. Wollte er sich mit seinem Vorstoss profilieren?

Ich war auch SFV-Generalsekretär und wurde dann Präsident. Von daher ist der Weg nichts Aussergewöhnliches. Ob er sich profilieren wollte? Ich denke nicht. Ich kann zu seinen Beweggründen nur sagen: Er handelte in guten Absichten, gerade mit Blick auf die Doppelbürger im aktuellen A-Team, die seiner Meinung nach zu oft zu schnell in der Kritik stehen, wenn uns mal ein Spiel nicht wunschgemäss gelingt. Es ist einfach falsch rausgekommen. Es ist wie bei einem Spieler, der einen Fehlpass spielt.

Befürchten Sie einen Kollateralschaden nach Mieschers Solo?

Ich glaube nicht, dass alles kaputtgegangen ist. Ja, manchmal braucht es wenig für einen Imageschaden. Man kann das Passierte nicht ungeschehen machen. Aber wir können sagen: Tut uns aufrichtig leid, es war ein Fehler. Entschuldigt bitte. Die Integration und Förderung von allen Fussballern, egal woher sie kommen, ist für uns ein wichtiges Leitprinzip im Verband – und dazu stehen wir.

Haben Sie mit Alex Miescher darüber geredet, ob es sinnvoll wäre, wenn er zurücktreten würde?

Nein, ich habe das Gespräch nie in diese Richtung geführt. Weil ich die Überzeugung hatte, dass er es gut gemeint, aber schlecht durchgeführt hatte. Einen Fussballer, der halt in Gottes Namen einen schönen öffnenden Pass spielen will, diesen aber ins Out setzt, den stellt man deswegen auch nicht gleich vom Platz.

Dabei ist das Doppelbürgertum vernachlässigbar. Seit fast 20 Jahren betreibt der Verband eine professionelle Ausbildung. Seither haben sich mit Mladen Petric und Ivan Rakitic nur zwei Spieler, die für die Schweiz ein Gewinn gewesen wären, für eine andere Nation entschieden.

Ich bin da weitgehend einverstanden. Nur werden wir immer wieder kritisiert, wenn sich ein Doppelbürger gegen die Schweiz entscheidet. Effektiv haben wir sehr wenige Spieler verloren, die für uns einen Verlust bedeuten.

Wie kommt man aus dieser Sache raus? Bereits im September trifft man sich wieder, begegnen die Spieler Alex Miescher.

Wir werden dieses nächste Zusammentreffen sicher vorbereiten. Das und die Rollenverteilung und die Zuständigkeiten werden wir schon bald gemeinsam besprechen.

Was sagt eigentlich Trainer Vladimir Petkovic, der sogar drei Pässe hat?

Ich weiss, dass sich der Trainer von dieser Diskussion nicht betroffen fühlt.

Was macht Sie da so sicher?

Das Doppelbürgertum ist ein latentes Thema. Die Diskussion ist nicht allein durch Alex Miescher angezettelt worden. Das weiss auch Vladimir Petkovic. Letztlich ist es immer positiv, wenn man Fragen stellt, diese offen diskutiert.

Warum gaben Sie dem Coach nach dem WM-Aus eine Jobgarantie?

Wie definieren Sie eine Jobgarantie? Hat er einen Vertrag bis 2037?

Nein, aber bis Ende 2019. Wir haben nicht gesagt: unbeschränkt.

Egal, es ist trotzdem keine Jobgarantie. Wir haben den Vertrag im vergangenen August verlängert, weil wir von seiner Arbeit überzeugt sind. Und ich erinnere daran, dass es Länder gibt, die Trainer mit längeren Verträgen ausstatten. Und bei der WM früher ausgeschieden sind.

Wir sagen das wertfrei. Aber: Warum sagten Sie, der Trainer sei gar kein Thema, bevor Sie überhaupt seine Analyse gehört haben?

Nein, Moment, wir haben es noch viel früher gemacht, im letzten August. Mit anderen Worten: Wir hätten auch an Petkovic festgehalten, wenn wir uns gar nicht für die WM qualifiziert hätten. Weil wir mit ihm eine Fortsetzung wünschen.

Bis nach dem zweiten WM-Gruppenspiel war alles top, danach kam die Schweiz nicht mehr vom Fleck und war, wenn man böse sein wollte, ein Flop. Zudem setzte es Bussen von insgesamt 60'000 Franken ab.

Die beiden ersten Spiele waren tatsächlich top, da haben wir uns von der guten Seite gezeigt. Danach waren unsere Auftritte, auch das kann man so sehen, nicht mehr gut. Die Vorfälle mit den Bussen hätten nicht passieren dürfen, auch hier werden wir über die Bücher gehen und alles genau analysieren.

Angesichts der zwiespältigen Kommunikationsstrategie des SFV glänzte auch Claudio Sulser nicht. Den Delegierten des Nationalteams nahm man einzig in der Debatte um die Adlergrüsse wahr. Davor war Peter Stadelmann präsenter.

Wir werden in Zukunft bei ihm wie bei anderen Funktionären beurteilen, wer wann wie zu agieren und wo einzuschreiten hat. Sein Vorgänger Peter Stadelmann war in der Tat ein eher lauter Delegierter, was aber auch längst nicht bei allen auf Anklang stiess und goutiert wurde. Mir selbst hat seine offensive Art der Kommunikation gut gefallen.

Wie würden Sie die Beziehung zwischen dem Nationalteam und der Bevölkerung beschreiben?

Das ist eine gute Frage. Sie beschäftigt mich sehr. Manchmal habe ich das Gefühl, das Verhältnis ist gespalten. Man freut sich nach Siegen, bisweilen fast zu euphorisch, stellt dann aber sofort Fragen, wenn es nicht wunschgemäss läuft. Trotzdem denke ich, die grosse Mehrheit steht hinter diesem Nationalteam. In der lateinischen Schweiz ist die Unterstützung grösser. Und ich betone wieder: Die WM-Qualifikation ist keine Selbstverständlichkeit, an Endrunden drei Achtelfinals in Folge sind es sowieso nicht.

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