«Mache lieber gar kein Budget»

MODERNER FÜNFKAMPF. Der Moderne Fünfkämpfer Yves Walz (28) aus Frauenfeld liebäugelt mit einer Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in London 2012. Zuerst muss er sich aber an seine nagelneue High-Tech-Pistole gewöhnen.

Ruedi Stettler
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Im Modernen Fünfkampf ist die Vielseitigkeit gefragt. Ives Walz muss deshalb vor allem mit der neuen Pistole mit Laseraufsatz noch viel trainieren. (Bild: Nana do Carmo)

Im Modernen Fünfkampf ist die Vielseitigkeit gefragt. Ives Walz muss deshalb vor allem mit der neuen Pistole mit Laseraufsatz noch viel trainieren. (Bild: Nana do Carmo)

An sämtlichen internationalen Wettkämpfen führt der gelernte Polymechaniker Ives Walz einen einsamen Kampf als totaler Amateur gegen lauter Profis. Das war vor vier Jahren ebenso, als er Peking anpeilte und fast logischerweise scheiterte. Bereits jetzt gilt sein ganzes Augenmerk London 2012: «Bei Olympischen Sommerspielen dabei zu sein, das ist ein Traum, den ich verwirklichen möchte. Es wird beinhart, aber ich versuche es.» Die Ausgangslage ist bekannt und beinahe unlösbar. Nur die 36 Besten auf der Welt werden in England an den Start gehen dürfen. Ives Walz nimmt im Welt-Ranking momentan keinen Platz unter den ersten 100 ein.

Start auf Sardinien

Trotzdem sieht der Neo-Frauenfelder darin einen Pluspunkt: «Ich bin so weit abgerutscht, weil ich im 2010 kaum Wettkämpfe bestritten habe.» Das sieht heuer ganz anders aus. Mitte April startet Walz beim Weltcup auf Sardinien. Assistiert wird er vom ehemaligen Teamkollegen Kai Riebli. Auch im Training ist er ihm eine Hilfe: «Er ist ein starker Schwimmer, ich kann von ihm noch viel profitieren.» Der gesamte Trainingsaufwand beträgt zwischen 15 und 18 Stunden pro Woche. Schwimmen, Laufen und Schiessen, alles wird in Frauenfeld geübt. Zum Reiten fährt Walz nach Rickenbach-Attikon in den Stall von Felix Widmer. Gefochten mit dem Degen wird vorwiegend in Zürich, ab und zu in Frauenfeld.

Trainer auch Besitzer

Der ehemalige Freidorfer Ives Walz arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum als Geschäftsführer im Fitnesscenter Update in Münchwilen. Dass sein Trainer Andrej Ammann gleichzeitig auch der Besitzer dieser Firma (plus zehn weiteren, eine davon in Amriswil) ist, erleichtert gewisse Abläufe. Der Aufwand, um ein bisschen Erfolg zu haben, ist allerdings gewaltig. Auch finanziell.

Walz muss eigentlich zu 100 Prozent für sämtliche Ausgaben selber aufkommen: «Zum Glück gibt es für mich noch Sport-Toto-Gelder. Damit ich nicht genau weiss, wie viel Geld ich ausgebe, mache ich lieber kein Budget. Aber auch so muss man ein grausamer Idealist sein, diesen Sport zu betreiben.» Notabene seit 11 Jahren ist der bald 29-Jährige nun Moderner Fünfkämpfer.

Näher zu den Fans

Schon verschiedentlich wurde darüber debattiert, dass der Moderne Fünfkampf eventuell aus dem olympischen Programm gekippt wird. Dagegen wollen die Verantwortlichen etwas unternehmen. Näher hin zu den Zuschauern lautet eine Devise. Damit das Schiessen nicht nur im Stand, sondern möglicherweise sogar in einem grossen Supermarkt stattfinden kann, wurde die Pistole umgerüstet. Der Thurgauer hält das neuste Produkt erst seit wenigen Tagen in seinen Händen: «Die Waffe ist ein absolutes High-Tech-Gerät, neu mit einem Laseraufsatz. Sogar wegweisend in der Schweiz. Statt einer Kugel schiesst ein roter Lichtstrahl aus dem Lauf. Es gibt keinen Knall mehr, nur etwas Luft entweicht.» Die Pistole kostet 1200 Franken.

Laufen und Schiessen

Um diese Randsportart moderner und publikumswirksamer zu machen, gibt es weitere Anpassungen. Die 3000 Meter im Gelände werden nicht mehr am Stück gelaufen, sondern dreimal à 1000 Meter. Dazwischen werden immer 5 Schuss abgegeben. Natürlich möglichst zügig. Wer mehr als 15 bis 20 Sekunden benötigt, hat keine Chance auf Spitzenplazierungen. Ausser, er trifft wirklich immer. Jetzt gilt es für Walz fleissig zu üben, «damit mir das Gerät auch richtig in der Hand liegt. Das Schiessergebnis wird jetzt noch wichtiger und ich überlasse nichts dem Zufall.»

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