Luzerner Stadtlauf: Mit Kindern werden Laufmuffel zu Läufern

Wie jedes Jahr ist der Familienlauf mit über 6000 Teilnehmern bis auf wenige Startplätze ausgebucht. Die Ebikoner Patrick Amrein (40) und Reto Barmet (41) erzählen, wie sie dem Volksfest mit ihrem Nachwuchs entgegenfiebern.

Stephan Santschi
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Trainieren auf dem Sportgelände Risch in Ebikon für den Stadtlauf: Reto Barmet (links) und Patrick Amrein mit den Töchtern Lara und Selina. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 28. April 2019))

Trainieren auf dem Sportgelände Risch in Ebikon für den Stadtlauf: Reto Barmet (links) und Patrick Amrein mit den Töchtern Lara und Selina. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 28. April 2019))

Sie ist speziell, die Atmosphäre am Luzerner Stadtlauf mit den lautstarken Zuschauern und den stimmungsvollen Musikformationen am Strassenrand in den Altstadtgassen. So speziell, dass Menschen, die bis anhin eigentlich nichts mit dem Laufsport am Hut hatten, plötzlich mit einer Startnummer auf dem Leibchen durch die Gassen hetzen. «Ich bin kein Läufer, das wird eine Premiere für mich», erzählt beispielsweise Reto Barmet mit einem Schmunzeln.

Der 41-jährige Ebikoner erlebte den Volksanlass bisher als Zuschauer und Helfer mit, nun wird er erstmals selber zu den sportlich Aktiven gehören. Inspiriert hat ihn seine fünfjährige Tochter Lara. «Sie sah letztes Jahr ihren Götti mit ihrer grossen Cousine am Familienlauf mitmachen. Das wollte sie auch erleben, deshalb sind wir dabei.»

Fürs Training ist der Nachwuchs eher schwierig zu begeistern

Besagter Götti heisst Patrick Amrein, 40-jährig, Schwager von Reto und in Ebikon im gleichen Haus lebend. Seinen Einstand am Stadtlauf gab er im vergangenen Jahr mit seiner Tochter Selina (6). Auch er hatte keinen Bezug zum Laufen. «Ich kam zum Laufen wie die Jungfrau zum Kind. Davor war ich nicht einmal Joggen», erzählt er. Bisher haben die beiden Männer ihre sportliche Freizeit vor allem dem Schiesssport über 300 Meter mit dem Sturmgewehr 90 gewidmet. Auf den Geschmack des Laufsports kam Amrein als Zaungast und Helfer am Swiss City Marathon in Luzern. «Vergangenes Jahr habe ich dann erstmals den Halbmarathon bestritten.» Sein Fazit: «Das Laufen fällt viel einfacher, wenn man nicht alleine unterwegs ist.»

So sieht das denn auch seine Tochter Selina. Eine Trainingsweltmeisterin sei sie ja nicht gerade, erzählt ihr Vater. «Wenigstens einmal vor dem Rennen will ich mit ihr aber jeweils die 1,5 Kilometer des Familienlaufs schon unter die Füsse nehmen. Vor einem Jahr löste das ein Gestürm aus. Diesmal, mit Reto und Lara, ging das schon viel besser.»

Am Samstag, im Rahmen der 42. Auflage des Luzerner Stadtlaufs, werden die beiden Väter mit ihren Töchtern gemeinsam am Start stehen, wenn um 14.30 Uhr die erste von insgesamt fünf Serien des Familienlaufs auf die Strecke geschickt wird. Die Vorfreude ist bei allen Beteiligten gross. «Mit Tausenden von Menschen dieses Rennen zu bestreiten ist motivierend. Auch Selina überwindet den inneren Schweinehund eher, wenn sie andere Kinder rennen sieht», berichtet Patrick Amrein. Sein Schwager Reto Barmet befürchtet gar, dass ihm sein Dreikäsehoch um die Ohren rennen könnte. «Ich muss aufpassen, dass Lara mir unter all den Leuten nicht entwischt. Sie ist jeweils schnell auf und davon.» Um der Herausforderung gerecht zu werden, habe er ein paar Einheiten im Kraftraum und auf dem Laufband absolviert.

Familie sorgt am Strassenrand für Unterstützung

Während die folgenden Familienserien mit einer Zeitmessung ausgestattet sind, wird das Quartett aus Ebikon im Schnupperlauf ohne Uhr mitmachen. «Wir möchten keinen Druck aufbauen», erklärt Patrick Amrein. Im Fokus stehe das Erreichen der Ziellinie, vergangenes Jahr habe dies jedenfalls vorzüglich geklappt. Gab es dabei keine schwierigen Momente im Sinn von: «Papi, stopp, ich habe ­keine Lust mehr!»? «Nein, das nicht. Eigentlich rechnete ich aufgrund der Probleme im Training aber damit, dass wir den ganzen Lauf spazierend bewältigen. Am Ende waren es jedoch nur etwa 20 Meter, die wir gingen, den Rest sind wir gerannt. Das hatte mich doch etwas überrascht.»

Sollte beim Nachwuchs oder vielleicht auch bei Kollege Barmet Müdigkeit aufkommen, wird Amrein ein paar motivierende Worte an seine Mitstreiter richten. Und dann ist da auch noch die Familie am Streckenrand mit den Mamis, Schwieger- und Grosseltern inklusive Fanplakat, die neue Kräfte generieren kann. «Die meisten stehen am Mühlenplatz, bis dahin sollten wir es also sicher schaffen», sagt Reto Barmet und lachend hält er fest: «Von da ist es ja nicht mehr weit ins Ziel.»

Familienläufe sind fast ausverkauft

Am Samstag wird Luzern wieder Schauplatz des grössten Lauffestes in der Zentralschweiz. Beim 42. Luzerner Stadtlauf werden gegen 14000 Läuferinnen und Läufer erwartet. Ein vielfältiges Kategorienangebot mit Streckenlängen zwischen 0,6 und 7,0 km steht zur Auswahl. Die Familien-Kategorien mit Zeitmessung (Kategorien 3 und 5) sowie der Schnupperlauf (Kategorie 1) sind ausverkauft. Einzig in den Familienläufen (Kategorien 8 und 10 mit Zeitmessung) sind noch wenige Plätze verfügbar. Keine Nachmeldungen sind bei den Schüler-Mannschaftsläufen möglich (Kategorien 2, 4, 11, 12). In allen anderen Kategorien sind an den Nachmeldestellen noch Startplätze verfügbar:

- Donnerstag: 17.30–19.30 Uhr (Workspace bei der LUKB an der Pilatusstrasse 12).

- Freitag: 17.30–19.30 Uhr (Workspace bei der LUKB an der Pilatusstrasse 12).

- Samstag: 12.15 bis 18.15 Uhr bis jeweils 2 Stunden vor dem Kategorienstart auf dem Bahnhofplatz Luzern.