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Moto2-WM: Lüthis erstaunliches Comeback

Tom Lüthi kann nach 2005 zum zweiten Mal Weltmeister werden. Eine so gute Ausgangslage wird der 32-jährige Berner in seiner ganzen Karriere wohl nie mehr haben.
Klaus Zaugg, Jerez
Tom Lüthi hat sich quasi neu erfunden. (Bild: Roman Rios/Keystone, Jerez, 3. Mai 2019)

Tom Lüthi hat sich quasi neu erfunden. (Bild: Roman Rios/Keystone, Jerez, 3. Mai 2019)

Letzte Saison war Tom Lüthi in der «Königsklasse» ein Hinterherfahrer. Jetzt fährt er nach der Rückkehr in die Moto2-WM um Sieg und Titel. Noch nie seit der Einführung der Moto2-WM im Jahr 2010 hatte ein Absteiger aus der Klasse MotoGP ein Erfolgserlebnis. Die Vertreibung aus dem Töff-Himmel ist halt ein Karriereknick. Selbst der Spanier Tony Elias, 2010 erster Moto2-Weltmeister, scheiterte bei zwei Comeback-Versuchen.

Lüthi ist die grosse Ausnahme. Er hat soeben als Rückkehrer das letzte Rennen (GP Texas) gewonnen und liegt in der Gesamtwertung nur fünf Punkte hinter Lorenzo Baldassarri. Mit diesem Sieg hat er den Nuller im zweiten WM-Rennen in Argentinien bereits korrigiert. Er kann also noch siegen – das ist die wichtigste Erkenntnis aus den ersten drei Rennen. Gewinnt er heute in Jerez zum zweiten Mal in dieser Saison, ist er WM-Leader. Ein Sieg ist indes keine Notwendigkeit. Ein Platz unter den ersten fünf genügt, um die Titelhoffnungen am Leben zu erhalten. Diese Klassierung müsste möglich sein. Er startet aus der dritten Reihe (8.)

Motivation ist das Schlüsselwort

Die langfristigen Aussichten für die WM 2019 sind gut. Den wilden Jungen fehlt noch die Kon­stanz. Baldassarri hat zweimal gewonnen. Aber beim dritten Rennen ist er gestürzt. Lüthi hat alles. Den Speed für den Sieg und die Erfahrung für die Konstanz im Dauerwettbewerb WM, der 19 Rennen lang dauert. Eine einmalig gute Ausgangslage – nächste Saison wird die junge Konkurrenz erheblich stärker sein. Lüthi hat mit seinem Team einen Vertrag auch für nächstes Jahr, und sein Manager verhandelt bereits für eine Verlängerung bis 2021.

Es ist ein erstaunliches Comeback im Alter von 32 Jahren. Der schnellste Berner sagt: «Rennsport ist Kopfsache und keine Frage des Alters. Wenn die Motivation stimmt, spielt das Alter keine Rolle.» Motivation ist das Schlüsselwort. In Spanien oder Italien kommt ein gescheitertes MotoGP-Abenteuer einem Karriereende gleich. Nicht aber in der Schweiz. Lüthi gehört hier nach wie vor zu den populärsten Einzelsportlern. Wenn er im GP-Zirkus vorne mitfährt, fragt niemand, in welcher Klasse. Die Motivation hängt nicht von der WM-Kategorie ab. Sein erfolgreiches Comeback ist noch erstaunlicher als sein Titelgewinn 2005 (125 ccm). Der Emmentaler musste in der Winterpause nicht nur eine herbe Enttäuschung überwinden. Er hat sich sozusagen neu erfunden. Sein Manager Daniel Epp sagt: «Wir haben alles hinterfragt.» Das Training in der Winterpause ist mit mehr Kilometern in Töffsätteln optimiert worden. Das professionelle Umfeld nun noch breiter abgestützt, die Zusammenarbeit mit einem Mental-Trainer und einem Riding-Coach (Fahrlehrer) intensiver. Der 17-fache GP-Sieger sagt, er denke heute anders über den Rennsport, aber etwas sei gleich geblieben. «Es geht immer darum, ans Limit zu gehen. Aber ich nehme dieses Risiko bewusster in Kauf und weiss meistens, warum etwas nicht funktioniert. Ich beschäftigte mich intensiver mit dem Rennsport. Es ist beruhigend zu wissen, dass heute alles Menschenmögliche für die Sicherheit der Fahrer getan wird.»

Bei der Rückkehr in die Moto2-WM durfte nichts mehr schiefgehen. Hätte Lüthi das falsche Team erwischt, dann wäre seine Karriere auf dem Spiel gestanden. Er hatte das Glück, dass er sein Moto2-Team auswählen konnte. Ein Siegfahrer, der 2016 und 2017 die Moto2-WM auf dem zweiten Platz beendet hat und immense Erfahrung in ein Team einbringt, ist nicht oft auf dem Markt. Daran änderte auch das missglückte MotoGP-Abenteuer nichts. «Das Interesse war gross. Ich glaube, es waren insgesamt etwa zehn Offerten.» Das Dynavolt-Intact-Team sei von Anfang an ganz oben auf seiner Liste gestanden.

WM-Titel mit deutscher Hilfe?

Vergangene Saison war das falsche Team eine der Ursachen des Scheiterns, jetzt ist das richtige Team einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg. Mit Marcel Schrötter (29) hat Lüthi einen schnellen Teamkollegen, der doch kein echter Konkurrent ist: der talentierte, aber mental zerbrechliche Deutsche war bisher in den Rennen im Direktvergleich chancenlos. Aber er ist gut genug, um in der Schlussphase der WM im Falle eines Falles Tom Lüthi den Rücken freizuhalten. Das Traumszenario: ein WM-Titel mit deutscher Hilfe. Warum nicht?

Jerez (ESP). Startaufstellungen. MotoGP: 1 Quartararo (FRA), Yamaha, 1:36,880 (164,3 km/h). 2 Morbidelli (ITA), Yamaha, 0,082 Sekunden zurück. 3 Marc Marquez (ESP), Honda, 0,090. 4 Dovizioso (ITA), Ducati, 0,138. – Ferner: 11 Lorenzo (ESP), Honda, 0,616. – Nach dem ersten Teil der Qualifikation ausgeschieden: 13 Rossi (ITA), Yamaha.

Moto2: 1 Navarro (ESP), Speed Up, 1,41:182 (157,3 km/h). 2 Alex Marquez (ESP), Kalex, 0,091. 3 Fernandez (ESP), Kalex, 0,141. – Ferner: 6 Baldassarri (ITA), Kalex, 0,268. 8 Tom Lüthi (SUI), Kalex, 0,276. 14 Schrötter (GER), Kalex, 0,652. – Im ersten Teil der Qualifikation ausgeschieden: 23 Dominique Aegerter (SUI), MV Agusta.

Moto3: 1 Dalla Porta (ITA), Honda, 1:46,011 (150,1 km/h). 2 Suzuki (JPN), Honda, 0,004. 3 Vietti (ITA), KTM, 0,184.

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