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Lüthi und der «James-Bond-Töff»

Nun hat Tom Lüthi (31) beim GP von Deutschland auf dem Sachsenring auch noch die Mutter aller Demütigungen zu verkraften. Er ist noch langsamer als Stefan Bradl.
Klaus Zaugg, Sachsenring
Kommt in der MotoGP-Klasse einfach nicht auf Touren: Tom Lüthi. (Bild: Filip Singer/EPA (Sachsenring, 14. Juli 2017))

Kommt in der MotoGP-Klasse einfach nicht auf Touren: Tom Lüthi. (Bild: Filip Singer/EPA (Sachsenring, 14. Juli 2017))

Stefan Bradl? Ja, das ist der Moto2-Weltmeister von 2011, der durch miserables Karrieren­management bereits im Alter von 28 Jahren zum Operettenrennfahrer geworden ist. Seit November 2016 hat der Deutsche kein MotoGP-Rennen oder -Training mehr gefahren, und inzwischen taugt er nicht einmal mehr für die Superbike-Klasse. Immerhin darf er bei Honda als Testfahrer arbeiten. Am Freitag stellte sich heraus, dass Tom Lüthis Teamkollege Franco Morbidelli wegen einer gebrochenen Hand den GP von Deutschland nicht fahren kann. Als Ersatz ist nun kurzzeitig Bradl aufgeboten worden. Er fährt also im gleichen Team den gleichen Töff wie Lüthi. Langsamer sein als der Deutsche, das wäre die ultimative Schmach. Wäre? Sie ist eingetroffen. Bradl war gestern im Training schneller. Er startet aus der zweitletzten, Lüthi aus der letzten Reihe.

Inzwischen hat sich die Aufregung nach der Entlassung von Teamchef Michael Bartholemy gelegt. Die Unruhen taugen nicht mehr als Ausrede. Wie kann es sein, dass Tom Lüthi, einer der besten und routiniertesten Rennfahrer der Welt, nach wie vor hinterherfährt und inzwischen sogar vom «Sonntagsrennfahrer» Stefan Bradl gedemütigt wird?

Lüthi fehlt die Kraft

Es gibt eine interessante Erklärung: den «James-Bond-Töff». James Bond darf in vielen Filmen technische Wundermaschinen pilotieren. Der legendäre Mister Q richtete für mehrere Darsteller jeweils die Fahrzeuge her und erklärte alle Funktionen. Eine MotoGP-Höllenmaschine ist für Tom Lüthi ungefähr das, was für James Bond die Boliden von Mister Q sind, sozusagen ein «James-Bond-Töff». Wie ein roter Faden ziehen sich durch alle Rennen die Schwierigkeiten, auf gute Topspeed-Werte zu kommen. Teilweise ist Lüthis Honda um mehr als 15 km/h langsamer als die Kunden-Ducati. Die MotoGP- Bikes sind mit Elektronik bestückt wie die James-Bond-Kutschen. Kann es sein, dass Tom Lüthi noch gar nicht alle Funktionen der Knöpfe, Schalter, Lämpchen und Hebel begriffen hat und daher nicht dazu in der Lage ist, das volle Leistungspotenzial wenigstens auf der Gerade auszuschöpfen?

Was Mister Q für James Bond ist, ist Cheftechniker Gilles Bigot für Tom Lüthi. Die Frage deshalb an ihn: Ist Tom Lüthi überhaupt dazu in der Lage, alle Knöpfe richtig zu bedienen? Er sagt: «Nein, so ist es nicht. Aber das technische Verständnis ist für Tom auch wegen der im Winter verpassten Tests sehr schwierig.» Lüthi musste in der Winterpause Sturzverletzungen auskurieren. Der freundliche Franzose sieht allerdings eine ganze Reihe von Schwierigkeiten. «Die Elektronik ist nur ein Teil. Es geht ums ganze Paket, und dazu gehört auch, dass Tom, obwohl er sehr gut trainiert ist, eigentlich für die MotoGP-Klasse zu wenig Kraft hat.»

Das Problem des fehlenden Topspeed ärgert Lüthi. «Wenn ich in die Box zurückkomme und sehe, dass wir erneut eine zu wenig schnelle Maschine haben, werde ich richtig hässig. Wir finden einfach keine Lösung.» Sein temporärer Teamkollege Stefan Bradl macht nicht den optischen Eindruck eines austrainierten Athleten. Ihn müsste er, wenn schon nicht im Training, in einer schnellen Runde, dann wenigstens aus konditionellen Gründen, über die Renndistanz hinter sich lassen. «Das ist eine fiese Aussage. Er hat als Testfahrer viel Erfahrung mit der Honda. Ich fixierte mich doch nicht auf ihn. Es gibt noch viele andere, die ich gerne hinter mir lassen würde.»

Immerhin einer Forderung aus dem James-Bond-Film kommt Tom Lüthi inzwischen nach. Mister Q bittet James Bond jeweils, das Fahrzeug ja heil zurückzubringen. Nach einer Serie von Stürzen ist Lüthi beim letzten GP in Assen, den Tests in Brünn und nun im Training am Sachsenring nicht mehr aus dem Sattel gefallen.

Hohenstein-Ernstthal. Grand Prix von Deutschland. MotoGP: 1 Marc Marquez (ESP), Honda, 1:20,270 (164,6 km/h). 2 Petrucci (ITA), Ducati, 0,025 zurück. 3 Lorenzo (ESP), Ducati, 0,057. – Ferner: 5 Dovizioso (ITA), Ducati, 0,174. 6 Rossi (ITA), Yamaha, 0,262. – Nach dem ersten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 21 Bradl (GER), Honda. 22 Lüthi (SUI), Honda. – 24 Fahrer im Training.

Moto2: 1 Pasini (ITA), Kalex, 1:23,787 (157,7 km/h). 2 Marini (ITA), Kalex, 0,181. 3 Bagnaia (ITA), Kalex, 0,183. – Ferner: 23 Aegerter (SUI), KTM, 0,923. – 32 Fahrer im Training.

Moto3: 1 Martin (ESP), Honda, 1:26,434 (152,8 km/h). 2 Ramirez (ESP), KTM, 0,060. 3 Bastianini (ITA), Honda, 0,065.

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