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Lüthi muss auf den Grafen hoffen

Sportlich sind Tom Lüthi (31) und Dominique Aegerter (27) beim GP von Italien nur Hinterbänkler. Sie sorgen trotzdem für wilde Geschichten und haben für einmal das gleiche, bescheidene Ziel.
Klaus Zaugg, Mugello
Tom Lüthi (mitte) im Boxengespräch mit Teammitgliedern. (Bild: Vincent Guignet/Freshfocus (Mugello, 2. Juni 2018))

Tom Lüthi (mitte) im Boxengespräch mit Teammitgliedern. (Bild: Vincent Guignet/Freshfocus (Mugello, 2. Juni 2018))

Ist Tom Lüthi doch nicht gut ­genug für die «Königsklasse» MotoGP? Auf den ersten Blick scheint es so. Nach wie vor hat er keine WM-Punkte herausgefahren. Gestern war er schon mal glücklich über einen Platz in der zweitletzten Startreihe (19.) und einen unfallfreien Tag. Am Freitag stürzte er hier in Mugello gleich zweimal.

Aber es gibt einen Grund, warum Tom Lüthi nicht zu den Top Ten der «Königsklasse» gehört, der nichts mit seinem Talent zu tun hat und den er nicht beeinflussen kann. Er ist das Opfer einer Geschichte um Sex und Geld. Diese Geschichte geht so: Teammanager Michael Bartholemy habe letztes Jahr seine Mätresse in der Teambuchhaltung beschäftigt. Die sei aber auch mit einem Piloten (Sam Lowes) ins Bett gehüpft. Deswegen habe sie der gehörnte Teamchef Ende Saison gefeuert. Um Rache zu üben, habe die Lady Teambesitzer Graf Marc van der Straten Dokumente zugespielt, die beweisen sollen, dass er vom Teammanager betrogen worden ist.

Verliert der Graf die Freude am Motorsport?

Ob wahr oder gut erfunden – vor zwei Wochen hat der Graf nach achtjähriger Zusammenarbeit Michael Bartholemy völlig überraschend hinausgeworfen und ein Chaos ausgelöst. Denn nun ist kein Chef mehr da, der organisiert, koordiniert und kontrolliert. Graf Marc van der Straten, ein belgischer Biermilliardär im Adelsstand, bestätigt diese wilde Story und sagt, er sei im Besitze aller notwendigen Dokumente, um gegen seinen ungetreuen Teamchef Klage in Belgien und in der Schweiz einzureichen. Sein Teamchef soll auch Geld über Scheinfirmen in der Schweiz abgezweigt haben. Lüthi und Freund und Manager Daniel M. Epp sind ob der Sache beunruhigt. Die Zukunft steht auf dem Spiel. Die meisten Verträge für die Saison 2019 werden bis Ende Juli ausgehandelt. Die beiden müssen wissen, woran sie sind. Sonst sind die guten Plätze in der «Königsklasse» und in der Moto-2-WM für nächste Saison weg. An eine Zukunft im aktuellen Team mag keiner so recht glauben. Aber nach wie vor hat eben dieses Team per Ende Juli eine Option, den Vertrag mit Lüthi um ein Jahr zu verlängern. Und es ist durchaus möglich, dass dies der Fall sein wird. Der Graf sagt nämlich: «Mein Plan ist es, nächste Saison weiterzumachen. Einer unserer beiden MotoGP-Fahrer wird auch 2019 Tom Lüthi sein.» Und dann nach einer kurzen Pause: «Ich bin ganz, ganz nahe daran, meine Leidenschaft für den Motorsport zu verlieren. Wenn hier im Fahrerlager alle einsehen, was Bar­tholemy angerichtet hat, dann ist alles gut. Sollte aber jemand an meiner Ehrenhaftigkeit zweifeln, dann ist es vorbei, und ich steige aus.» Und dann wäre Tom Lüthis Karriere ernsthaft gefährdet.

Für Dominique Aegerter ist allein die Teilnahme am Moto2-Rennen ein Wunder. Vor fünf Wochen erlitt er durch einen Sturz mit dem Geländetöff einen Bruch im Becken. Eine Verletzung, die bei einem «gewöhnlichen» Arbeitnehmer drei Monate Pause erfordert. Er hat sich am Freitag in den Sattel geschwungen und nimmt heute das Rennen aus der drittletzten Reihe (26.) in Angriff. Der «Sunnyboy» nimmt Schmerztabletten und sagt, die Schmerzen seien nicht das Problem. «Es ist eher die Müdigkeit. Ich fühle mich wie nach den ersten Tests nach der Winterpause.» Das Ziel sind WM-Punkte, also mindestens Platz 15. Für einmal hat er die gleiche, bescheidene Zielsetzung wie Tom Lüthi.

Mugello. Startaufstellungen. MotoGP: 1 Rossi (ITA), Yamaha, 1:46,208 (177,7 km/h). 2 Lorenzo (ESP), Ducati, 0,035 Sekunden zurück. 3 Viñales (ESP), Yamaha, 0,096. Ferner: 6 Marquez (ESP), Honda, 0,246. 7 Dovizioso (ITA), Ducati, 0,292. – Ferner: 19 Tom Lüthi (SUI), Honda, 1,781. – 24 Fahrer im Training. – Moto2: 1 Pasini (ITA), Kalex, 1:51,575 (169,2 km/h). 2 Schrötter (GER), Kalex, 0,030. 3 Marquez (ESP), Kalex, 0,067. – Ferner: 26 Dominique Aegerter (SUI), KTM, 1,304. – 33 Fahrer im Training. – Moto3: 1 Martin (ESP), Honda, 1:56,634 (161,8 km/h). 2 Suzuki (JPN), Honda, 0,190. 3 Sasaki (JPN), Honda, 0,210. – 30 Fahrer im Training.

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