Lombardi sucht neue Chance in Wil

FUSSBALL. Der Frauenfelder Fussballprofi Sandro Lombardi kehrt nach einem längeren Abstecher in tiefere Ligen in Italien wieder in die Challenge League zurück. Der Mittelfeldspieler möchte einen neuen Anlauf in Richtung Super League nehmen.

Ruedi Stettler
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Der Frauenfelder Sandro Lombardi (r.) ist zurück aus Italien und spielt neu für Wil. (Archivbild: ky/Karl Mathis)

Der Frauenfelder Sandro Lombardi (r.) ist zurück aus Italien und spielt neu für Wil. (Archivbild: ky/Karl Mathis)

«Ein neuer Mann für die Defensive beim FC Wil.» So lautete der Titel einer Medienmeldung vorgestern, gemeint war damit Sandro Lombardi. Der Frauenfelder hat am 12. Juli seinen 25. Geburtstag gefeiert, steht also im besten Fussballalter. Warum hat der defensive Mittelfeldspieler gerade Wil als neuen Club ausgewählt? «Ich kenne Trainer Axel Thoma von früher her. Und ich wollte zurück in die Schweiz.»

Warum wollte der FCW Lombardi? Präsident Roger Bigger muss nicht lange nachdenken: «Er passt perfekt in unsere Philosophie. Wir sind dafür bekannt, dass wir das Sprungbrett für Akteure sind, die nochmals einen Anlauf nehmen, um in der Super League Fuss zu fassen.» Trainer Axel Thoma kennt Lombardi seit seiner Jugendzeit: «Sandro ist vielseitig einsetzbar, weil er klein und wendig ist. Ich übertrage ihm wohl eher offensive Aufgaben.»

«Wissen, was er kann»

Wil will weiter versuchen, Spieler aus der Region in seinen Reihen aufzunehmen. Auch darum bot man Lombardi einen Jahresvertrag an. Und weil man über die Qualitäten des 167 cm grossen und 61 kg schweren Akteurs bestens Bescheid wusste. Bigger merkt an: «Wir haben den Frauenfelder schon verschiedentlich im Auge gehabt. Aber dann hat er sich gegen uns und für einen Aufenthalt im Ausland entschieden, um seine Chance zu suchen. Jetzt geben wir ihm eine neue Möglichkeit.» Das Interesse ist also schon von längerer Dauer. Auch das bestätigt der FCW-Präsident: «Er hat ja mit Winterthur des öftern gegen uns gespielt. Wir wissen so ziemlich genau, was er kann und was nicht. Zudem hat er jetzt schon längere Zeit mit uns trainiert.»

Das Talent von Sandro Lombardi wurde früh von den Grasshoppers erkannt, weshalb er beim Rekordmeister seine Sporen in der U21 abverdiente. Anschliessend wechselte er zu Winterthur, wo er von 2005 bis 2009 in der Challenge League 102 Partien absolvierte. Dann lockte den italienisch-schweizerischen Doppelbürger der Calcio in Italien: «Das ist halt schon eine ganz andere Welt. Ich wollte es riskieren, damit ich mir nie den Vorwurf machen muss, ich hätte es nicht versucht.» Das erste Jahr bei Aurora Pro Patria in der vierthöchsten Klasse war akzeptabel bis gut. Das zweite schlicht eine Katastrophe.

Das sieht auch Sandro Lombardi so, macht aber eine Einschränkung: «Mein grausames Pech war halt, dass ich mir in der zweiten Saison just im allerersten Match Ende August einen Kreuzbandriss zugezogen habe.» Die Saison war für ihn vorbei, bevor sie richtig begonnen hatte. Zur Therapie kehrte der Thurgauer dann zurück in die Schweiz. In den letzten Partien der Rückrunde kam der Mittelfeldspieler mit dem starken linken Fuss dann doch noch zum Zuge.

Länger keinen Lohn

Der Abstecher nach Italien hinterliess aber auch im Geldbeutel seine tiefen Spuren. Allerdings nicht die erwünschten. Weil der Club in arge finanzielle Turbulenzen geriet, wurde während ganzen zehn Monaten kein einziger Rappen Salär überwiesen. Heute kann Lombardi lockerer darüber reden: «Das war schon ein sehr unangenehmes Gefühl. Zum Glück hatte ich noch ein wenig Erspartes. Und mittlerweile habe ich den Grossteil meines ausstehenden Gehalts auf meinem Konto.» Sein jetziger Marktwert wird laut Statistik übrigens mit 400 000 Franken angegeben.

Ob Lombardi morgen Sonntag in der Challenge League bei Neuling Brühl St. Gallen schon zum Einsatz kommt, wusste er gestern nachmittag nicht: «Ich habe zwar meinen Vertrag bereits am 26. Juli in Wil unterschrieben. Weil es sich hier aber um einen internationalen Transfer handelt, könnte das Ganze noch ein bisschen länger dauern.»