Ski Alpin
Loïc Meillard ist zu einem der besten Skifahrer gereift – doch warum schreiben andere die Schlagzeilen?

Loïc Meillard ist der einzige aktive Schweizer Skifahrer, der schon im Slalom und im Riesenslalom auf dem Podest stand. Schlagzeilen schreiben aber oft andere. Warum ist das so? Eine Annäherung.

Martin Probst
Drucken
Teilen
Loïc Meillard war in Adelboden als Fünfter bester Schweizer.

Loïc Meillard war in Adelboden als Fünfter bester Schweizer.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Noch einmal 18 sein? Einfacher wäre es. Zumindest, wenn man Schweizer ist und Riesenslalom fährt. Als Loïc Meillard vor sechs Jahren 18 war und in Adelboden im Weltcup debütierte, war das anders. Da war niemand, der ihm den Druck nahm. Riesenkrise. Das Wortspiel war beliebt, stets präsent. Zu schlecht waren die Schweizer Resultate in dieser Zeit.

Meillard, äusserst talentiert, technisch brillant und von den Trainern gelobt, eignete sich da nahezu perfekt als Heilsbringer. Als Hoffnungsträger. «Das war nicht einfach», sagt er heute. «Ich kam in den Weltcup, wusste nicht, wie es läuft und sollte gleich alles selber machen.»

Vor allem siegen. Oder zumindest auf das Podest fahren. Kann ja nicht so schwierig sein – das sagt sich so einfach, das sagten viele, die selbst nicht fahren mussten. Meillard sagt:

Es wurde viel geschrieben und es war nicht immer schön zu lesen. Aber ich habe sehr viel gelernt.

Wer früh ein grosse Bürde trägt, reift schneller. Oder zerbricht. Meillard wuchs an der Aufgabe. Natürlich – es brauchte Zeit, die ihm niemand geben wollte. Im März 2016 fuhr er erstmals in die Top 10. Im Dezember 2018 zum ersten Mal auf das Podest. Am vergangenen Samstag wurde er in Adelboden Dritter, wie sein Teamkollege Marco Odermatt am Tag zuvor.

Ein Kunststück, das nur wenige beherrschen

Festspiele statt Riesenkrise. Wer heute 18 ist und im Weltcup debütiert, hat einige Vorbilder, Drucknehmer und Zeitgeber. Meillard gehört nun selbst zu ihnen. Er stand auch im Slalom schon auf dem Podest. Er ist der einzige Schweizer im aktuellen Team, der in beiden technischen Disziplinen vorne mitfahren kann. Es ist ein Kunststück, das wenige beherrschen.

Zwei Slaloms am Wochenende in Flachau

Samstag. 1. Lauf: 9.30 Uhr; 2. Lauf: 12.30 Uhr
Sonntag. 1. Lauf: 10.30 Uhr; 2. Lauf: 13.45 Uhr
Die Rennen werden live auf SRF 2 übertragen.

Im Fokus stehen oft andere. Der unbeschwerte Odermatt, der mit einer beflügelenden Lockerheit im Riesenslalom verblüfft. Oder der selbstbewusste Daniel Yule, ein Gewinnertyp, auch wenn es derzeit nicht läuft. Meillard ist anders. Er ist nicht so locker wie Odermatt oder so überzeugt wie Yule. Sein Ruhe zeichnet ihn aus. Sein Perfektionismus kann ihn bremsen.

Geplantes Riskio, geplante Spontanität

«Es stimmt, ich mache mir viele Gedanken», sagt Meillard. «Und ich fahre manchmal technisch zu sauber. Beides hat mich schon bessere Rennen gekostet. Aber an beidem arbeite ich.» Mittlerweile, sagt er, könne er den Kopf beim Skifahren gut abschalten. Weil er plant. «Ich würde nicht sagen, dass ich nicht risikobereit bin. Ich überlege mir einfach im Voraus schon, ob sich ein Risiko lohnt.» Geplante Spontanität. Wie so vieles bei ihm einem Plan folgt.

Die intensiven Wochen im Januar und Februar, in denen besonders für die Slalomfahrer, die auch andere Disziplinen bestreiten, kaum Pausen bleiben, hat Meillard in der Vorbereitung simuliert. «Wir haben das Krafttraining so aufgebaut, das ich nur wenig Zeit hatte, mich zu erholen. So hat sich mein Körper daran gewohnt.»

Hinzu kommt, dass er seine Reisen akribisch plant. Statt von seiner Heimat im Wallis mit dem Auto nach Flachau zu fahren, wo am Samstag und am Sonntag je ein Slalom stattfinden, ist er nach Österreich geflogen. «Statt zehn Stunden im Auto sass ich eine Stunde im Flugzeug. Ich konnte so noch trainieren und es bleibt trotzdem mehr Zeit für die Erholung.»

Auch als Fotograf drückt Meillard nicht einfach ab

Die freie Zeit nutzt Meillard, um zu fotografieren. Er tut auch das überlegt. Einfach auf den Aus­löser drücken und Mal schauen, was passiert, passt nicht zu ihm.

«Beim Fotografieren muss man erkennen, was neben einem ist, vielleicht auch etwas versteckt. Man lernt, alles zu sehen und nicht nur das, was direkt vor den Augen liegt», sagt er. Und man vergisst, dass da ein 24-Jähriger spricht.

Meillard schmunzelt. «Wenn mich jemand nicht kennt, werde ich oft älter geschätzt.» Kein Wunder bei einem, der mit 18 ein Routinier hätte sein sollten.