Lohnende Schweizer Romantik

Zusammen mit dem Geiger Gilles Colliard legt der Thurgauer Pianist Timon Altwegg eine CD mit Duo-Sonaten von Hans Huber vor. Damit schliesst er eine wichtige Repertoirelücke.

Martin Preisser
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Warum hört man diese Musik nicht öfter? Mit Hans Huber, dem Schweizer Romantiker, der von 1852 bis 1921 lebte, ist ein Tonsetzer zu entdecken, der – hervorragend ausgebildet und selbst ein hervorragender Lehrer – der Welt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Fülle an spezieller Ästhetik hinzufügen kann.

Einsatz für Selteneres

Der Kreuzlinger Pianist Timon Altwegg, der sich besonders einen Namen mit der Interpretation wenig bekannter Komponisten gemacht hat und auch Hans Hubers Soloklaviermusik pflegt, hat jetzt mit dem welschen Geiger Gilles Colliard, Dirigent des Orchestre de Chambre de Toulouse, drei Sonaten für Violine und Klavier von Hans Huber eingespielt, der viele Jahre Direktor der heutigen Musik-Akademie Basel war.

Die CD überzeugt von Anfang bis Ende. Colliard und Altwegg gelingt stets ein dichter, warmer und satter Duo-Klang. Mit Leidenschaft, Verve und Feuer wird hier musiziert. Und die Genauigkeit des Zusammenspiels und die Balance des Klangs garantieren der glutvollen Musik Hans Hubers zusätzliche Faszination.

Packend virtuos

Die beiden Künstler haben ein Frühwerk und zwei Spätwerke eingespielt. Der gemeinsame Nenner der Stücke: Hans Huber, in Leipzig und in der Mendelssohn-Nachfolge ausgebildet, erweist sich als satztechnisch hervorragender Tonsetzer, der eine riesige romantische Farbpalette beherrscht und melodisch über einen grossen und nachhaltigen Einfallsreichtum verfügt.

Die frühe g-Moll-Fantasie präsentieren Gilles Colliard und Timon Altwegg als das, was sie ist: ein Werk voll beeindruckender Polarität zwischen Überschwang und Nachdenklichkeit, das manchmal fast an die Welt eines Ferruccio Busoni oder eines César Franck erinnert. Filigran und mit packender Virtuosität nimmt das Duo für diese Musik ein.

Die beiden Sonaten des reiferen Hans Huber (Opera 112 und 116) begeistern durch ihren dichten elegischen Grundzug, der manchmal kraftvoll, manchmal verträumt daherkommt. In diesen Werken zeigt sich Huber als sehr eigenständiger Komponist zwischen Brahms und Reger, dem eine Fülle überraschender harmonischer Wendungen gelingt.

Einstieg für Hans Huber

Das Duo Altwegg-Colliard setzt auf satten, runden Klang. Die Violine seidig präzis, das Klavier brillant-erdig. Da kommen intensiv ausgespielte Adagios genauso zur spannenden Geltung wie perlend-virtuoses Appassionato. Beiden Künstlern gelingt es, eine wunderbar rhapsodische Weite über die Werke zu spannen.

Und nicht nur der fast geisterhaft und pikant-duftige Schluss der sechsten Sonate beweist, dass sich Gilles Colliard und Timon Altwegg mit viel Herzblut und grosser und beeindruckender musikalischer wie technischer Präsenz und Kraft die Welt Hans Hubers einverleibt haben.

Mit dieser CD ist nicht nur spannende Kammermusik des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu entdecken, sondern der Tonträger kann für alle Musikfreunde ein perfekter Einstieg in die Welt des Schweizer Romantikers sein.

Hans Huber: Sonatas for Violin & Piano. Guild Music. GMCD 7371; www.guildmusic.com, www.timonaltwegg.ch