Fussball
«Wir haben eigene Junioren, denen wir eine Chance geben wollen»

Dietikons Sportchef Pietro Iellamo spricht über die erste 1.-Liga-Vorrunde des FCD seit 49 Jahren.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen
Luft nach oben: Dietikons Sportchef Pietro Iellamo hat hinsichtlich der Rückrunde eine Menge Potenzial im Team ausgemacht.

Luft nach oben: Dietikons Sportchef Pietro Iellamo hat hinsichtlich der Rückrunde eine Menge Potenzial im Team ausgemacht.

Raphael Biermayr

Pietro Iellamo lacht immer wieder. Der 52-Jährige erzählt vom Prozedere, wie er das Trainingslager vom kommenden Februar für den FC Dietikon buchte. Die Spieler wollten nach Thailand oder Brasilien. Aus Asien liess sich Iellamo Fotos von den Fussballplätzen schicken, Südamerika klärte er erst gar nicht näher ab. Zu teuer und eigentlich unverhältnismässig. «Die Spieler wollten Ferien machen. Aber wir haben die klare Aufgabe, uns in der 1. Liga zu halten. Wenn wir Erster wären, hätten wir darüber diskutieren können», sagt Iellamo. Und so reisen die Limmattaler nach Gran Canaria.

Pietro Iellamo, der FC Dietikon hat die Rückkehr in die 1. Liga lang herbeigesehnt. Ist sie wirklich etwas Spezielles?

Pietro Iellamo: Sicher. Das Niveau ist deutlich höher, die kleinen Dinge machen den Unterschied. Darüber hinaus sah man plötzlich wieder Leute auf der Dornau, die in den letzten Jahren nicht mehr gekommen waren. Das Interesse ist also da.

Als Sie 2008 als Sportchef begannen, stand der FC Dietikon dem Abstieg in die 3. Liga nah. Wie nehmen Sie diese schnelle Entwicklung wahr?

Ich bin überglücklich über das Gelingen und glaube, dass noch nicht alle realisieren, was der FC Dietikon in den letzten Jahren geleistet hat. Der Erfolg ist das Resultat von Leidenschaft und auch etwas Glück, die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.

Was meinen Sie damit konkret?

Ivan Dal Santo hätte 2010 unser Aufstiegstrainer sein können. Doch er verbockte das Spiel in Siebnen. Goran Ivelj war ein Jahr später etwas glücklicher, stellte sich aber auch cleverer an, und schaffte den Aufstieg.

Ivelj war ursprünglich nicht als Trainer des Fanionteams vorgesehen.

Das stimmt. Er sollte die zweite Mannschaft in der 3. Liga trainieren und in der ersten spielen. Nachdem wir mit Dal Santo nicht einig geworden waren, hatte ich eine gute Idee. Ich verliess mich auf meinen Instinkt und gab Goran nach diversen Gesprächen mein vollstes Vertrauen als Trainer der ersten Mannschaft. Die Erfolge sprechen für sich.

Torhüterwechsel und ein Nachtragsspiel

Das Jahr 2015 beginnt für den FC Dietikon in der 1.-Liga-Meisterschaft eine Woche früher als zunächst gedacht. Der Grund dafür ist die Nachtragspartie gegen Taverne, die nun am 1. März angesetzt ist. Eine noch weitere Reise steht der Mannschaft am 21. März bevor, wenn der FCD in Meyrin versucht, sich zum dritten Mal in Folge für die Hauptrunde im Schweizer Cup zu qualifizieren. Gegenwärtig sind noch keine Zuzüge definitiv.
Gesucht werden ein Aussenverteidiger (Linksfuss), ein Flügelspieler und ein Stürmer. Mit Joao Ngongo kehrt der Stammtorhüter der letzten Jahre nach Rekonvaleszenz zurück. Was Abgänge anbelangt: Anthony Gullo, der das Fanionteam während der Vorrunde wegen seiner Ausbildung verlassen hat, wird gemäss Sportchef Pietro Iellamo wahrscheinlich zum FC Schlieren in die 2. Liga wechseln. (bier)

Der FC Dietikon spielt nun, wie von Ihnen angestrebt, in der 1. Liga. Ihre Mission ist damit eigentlich beendet.

Indem ich den lang ersehnten Vereinswunsch, in die 1. Liga zurückzukehren, realisiert habe, ist diese Mission sicher erfüllt. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen.

Hat Ihnen die zu Ende gegangene Vorrunde Spass gemacht?

Das sicherlich. Das Wichtigste ist: Meine Planung für die Saison sieht 30 Punkte vor, mit 14 sind wir fast im Fahrplan. Wir haben deutlich gesehen, dass wir in einer anderen Liga sind. Einige Spieler sind auf die Welt gekommen. Nicht jeder Körper ist für diese Belastung gemacht.

Welcher Spieler hat Sie in der Vorrunde überrascht?

Vielleicht bin ich zu kritisch, aber das hat keiner, alle können mehr. Marcello Massaro hat seine Leistung immer abgerufen, aber das hat mich nicht überrascht.

Waren Sie von einem Spieler enttäuscht?

Auch nicht. Es war schwierig für die Spieler, sich in dieser neuen Liga zurechtzufinden. Das brauchte und braucht Zeit.

Gibt es ein Spiel, von dem Sie überrascht waren?

Das Spiel gegen GC (1:1), in dem ein hoher Rhythmus herrschte. Da sah man, dass wir auf hohem Niveau mithalten können.

Ist Dietikon als Elfter richtig platziert?

Ohne die Verletzungen hätten wir vielleicht 20 Punkte gemacht, aber sicherlich nicht 27.

Bedeuten die nur 14 Punkte auch, dass mehr Geld für Neuverpflichtungen zur Verfügung steht?

Unser Prämienmodell sieht vor allem eine Einsatz-bezogene Entschädigung vor. Deshalb spielt das keine Rolle.

Dann nehmen Sie bei jeder Einwechslung den Taschenrechner hervor?

Nein, natürlich nicht. Wenn ein Wechsel hilft, Punkte zu gewinnen, geht er in Ordnung. Der Erfolg steht an erster Stelle. Der Vorteil unserer Einsatz-bezogenen Entschädigung ist der grosse Konkurrenzkampf im Training. Wer es auf das Matchblatt schafft, erhält
etwas. Die Junioren sind aber davon ausgenommen.

Sie gelten als harter Verhandlungspartner, der schnell auf das fehlende Budget verweist. Wenn wie jetzt aber Gerüchte über Verpflichtungen die Runde machen, fragen sich die Kaderspieler natürlich, warum plötzlich mehr Budget zur Verfügung steht.

Es ist nicht mehr Budget da, denn wie schon gesagt: Es geht nach Einsatz, und mehr als elf können nicht spielen beziehungsweise mehr als drei können nicht eingewechselt werden.

Wie steht es denn um die Verpflichtung der Ex-Thalwiler D’Angelo und Laski?

Wir sind in Gesprächen. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir nur Spieler aufnehmen, die wir wirklich brauchen. Ob die aus Thalwil oder sonst wo her kommen, spielt keine Rolle. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir eigene Junioren haben, denen wir eine Chance geben wollen.

Der 17-jährige Marjan Jelec hat in der Vorrunde einen guten Eindruck hinterlassen.

Das stimmt. Es gibt noch mehr, die ihre Einsätze erhalten sollen.

Wie bewerten Sie die Arbeit von Trainer Goran Ivelj?

Die vielen Verletzten waren natürlich ein Handicap für ihn. Aber er hat das gut gemacht. Wie gesagt: Was die Punkte anbelangt, haben wir die Erwartungen trotz schwieriger Voraussetzungen fast erfüllt.

Marco Varga wurde als Königstransfer gehandelt. Wegen einer Verletzung kam er aber nie zum Einsatz und wurde zuletzt auch nicht mehr als Zuschauer gesehen. Wird er jemals für Dietikon spielen?

Wir werden uns nächstens zusammensetzen und die Situation besprechen. Vielleicht hat die Verletzung den Ausschlag gegeben, damit er ganz mit dem Fussball aufhört.

In der vergangenen Woche wurden drei Spieler suspendiert. Wie denken Sie darüber?

Es sind unterschiedliche Fälle. Die zwei teamintern gesperrten Spieler (Maroufi und Benbiri, Anm. d. Red.) sind wie vorgesehen nach einer Woche wieder im Training. Samir Kozarac ist so lange suspendiert worden, bis er erneut mit dem Präsidenten gesprochen hat. Ich verstehe, dass der Vorstand nicht mehr toleriert, dass er immer wieder Karten wegen Reklamierens holt, zuletzt sogar eine gelb-rote. Das führt zu einem schlechten Ruf für den Verein und möglicherweise zu Benachteiligungen für die Mannschaft. Für mich als Sportchef ist es wichtig, dass die Sache bald geklärt ist, damit ich die Kaderzusammenstellung angehen kann.

Kozarac erhielt auch letzte Saison Karten wegen Reklamierens. Wurde damals einfach darüber hinweg gesehen, weil die Mannschaft auf Aufstiegskurs war?

Ich führte letzte Saison ein Gespräch mit ihm, als er lustlos spielte, und sprach von Arbeitsverweigerung. Danach sprach er zwar eine Woche nicht mehr mit mir, war aber im nächsten Spiel der beste Mann. Die Spieler müssen wissen, dass sie Verpflichtungen gegenüber dem Verein eingegangen sind: Sie sollen auf dem Platz ihr Bestes geben und sich vorbildlich verhalten. In der 1. Liga steht der Verein in einem grösseren Schaufenster. Da mag es einen schlechten Ruf noch weniger leiden.

Aktuelle Nachrichten