Schmerzhafter Wechsel: Schlieren hat seinen Topskorer verloren

Vor dem Rückrundenstart in der 2. Liga am Samstag haben die Limmattaler viele Wechsel zu beklagen.

Michel Sutter
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Die Schlieremer trainieren heute Donnerstag ein letztes Mal vor dem Start in die Rückrunde. msu

Die Schlieremer trainieren heute Donnerstag ein letztes Mal vor dem Start in die Rückrunde. msu

Plötzlich macht Davide Molinaro auf dem Kunstrasenplatz im Zelgli in Schlieren eine Vorwärtsrolle. Der Trainer des FC Schlieren spielt während des Trainings mit seinen Schützlingen gerade eine Art Handball, bei dem es darum geht, durch Werfen den Ball möglichst nahe vors gegnerische Tor zu bringen und dann mit dem Fuss ins Tor zu schiessen. Als Molinaro versucht, den Ball abzufangen, landet er unfreiwillig auf dem Boden. Gelächter bei der Mannschaft, und auch der Schlieremer Coach muss grinsen.

Molinaros Einsatz beim Training ist vorbildlich und soll wohl auch dazu dienen, das Mannschaftsgefüge für die am Samstag beginnende Rückrunde zu stärken. Die Schlieremer haben während der Winterpause nämlich nicht weniger als fünf neue Spieler bekommen: Natthapol Braun von den Blue Stars, Furkan Sulajmani vom FC Dietikon, Marc Schneider vom SV Höngg, Florian Fetahu vom FC Horgen, Marco Belperio vom FC Adliswil und Samuel Yebra vom FC Zürich United. Zudem sind mit Fabio Santurbano und Gold Ire Omotayo zwei Akteure zurückgekehrt, die zuvor eine längere Pause gehabt hatten. «Das ist natürlich schön», sagt Molinaro.

Weniger schön für den Trainer ist, dass er gleich neun seiner Schützlinge ziehen lassen musste. Bei Defrim Delija und Andre Silva Ribeiro ist noch unbekannt, wo sie dereinst spielen werden. Simon Rossi legt eine Pause ein, Nemanja Miskovic hat sich Ligakonkurrent Srbija Zürich angeschlossen und Giuliano Gargiulo dem FC Adliswil. Besonders schmerzt aber der Abgang von Gaël Ballairgeault, der in der Hinrunde in 13 Spielen 13-mal getroffen hat und jetzt neu für den SV Höngg auf Torejagd geht. «Er hat bei uns viele Tore geschossen», sagt Molinaro. Zudem haben gleich drei Spieler zum FC Wettingen gewechselt: Ferhat Duran, Gökhan Yürüsün und Pierre Gattiker. Letzterer ist ein Schlieremer Urgestein. «Er wollte es nochmals wissen und hat mit Wettingen Aufstiegschancen», erklärt Molinaro.

Mit den Abgängen ist beim FC Schlieren nicht nur viel Erfahrung, sondern auch das Spielverständnis weggebrochen. «Die Jungen müssen sich erst einspielen», sagt Molinaro. Dieses Manko hat sich auch in den Testspielen gezeigt. Von sieben Partien konnten die Schlieremer lediglich diejenige gegen Birmensdorf gewinnen - mit 6:0. Unter den restlichen Partien war sogar eine Niederlage gegen Drittligist Wallisellen. «Uns fehlt vor dem gegnerischen Tor noch die Kaltschnäuzigkeit», bemängelt Molinaro. Er möchte die Testspiele aber nicht überbewerten. «Für mich ist entscheidend, dass wir am Samstag bereit sind», sagt er.

Wegweisende Partie

Dann, um 17 Uhr, starten die Limmattaler gegen Srbija Zürich auf dem heimischen Zelgli nämlich in die Rückrunde – ausgerechnet gegen den neuen Club vom Ex-Schlieremer Miskovic. «Das wird eine spezielle Partie», kündigt Molinaro an. Jedoch nicht nur, weil jetzt einer seiner Ex-Schützlinge nun beim Gegner spielt. Auch, weil das viertplatzierte Srbija den Schlieremern mit nur zwei Punkten Rückstand dicht auf den Fersen ist. Diese belegen momentan Rang 2 und liegen vier Zähler hinter Leader Einsiedeln. Damit könnte die Begegnung zwischen Schlieren und Srbija wegweisend sein für den Rest der Saison. Dessen ist sich auch Molinaro bewusst. «Es kommt stark darauf an, wie man in die Rückrunde startet», meint er. «Ein guter Start kann eine Euphorie entfachen.»

Zu euphorisch sind die Schlieremer aber nicht. «Wir sind nominell eher schwächer als im vergangenen Jahr», erklärt Molinaro seine Zurückhaltung. Also liebäugelt man nicht mehr mit dem ersten Platz, der zum Aufstieg berechtigen würde? «Träumen darf man immer», sagt Molinaro. «Aber es wäre arrogant zu sagen, dass wir um den Aufstieg spielen.» Am wichtigsten ist für Molinaro ohnehin, dass sein Team wieder Fussball spielen kann: «Wir freuen uns, dass es endlich losgeht.»