FC Dietikon
«Es kostete mich 1000 Franken Telefongebühren»

FC-Dietikon-Sportchef Pietro Iellamo spricht über den Höhenflug in der 2. Liga und seine persönliche Befriedigung über die positive Entwicklung seiner Mannschaft.

Raphael Biermayr
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Limmattaler Zeitung

In seinen bald drei Jahren als Sportchef des FC Dietikon wehte Pietro Iellamo oft ein rauer Wind entgegen. Tempi passati. Die 1.Mannschaft ist so erfolgreich wie nie seit dem Aufstieg im Jahr 2003: Die Limmattaler überwintern als Tabellenführer. Iellamo hat bei der Trainerwahl und bei den Spielerverpflichtungen ein sehr gutes Händchen bewiesen.

Pietro Iellamo, wie fühlt sich das an, wenn man alles richtig gemacht hat?

Pietro Iellamo: (lacht) Es passt wirklich alles zusammen. Aber wir sind trotzdem noch nicht ganz da, wo wir hinwollen.

Was meinen Sie damit?

Wir können noch schneller spielen, das Tempo während des ganzen Spiels hochhalten.

Der Mannschaft wurde von aussen nicht viel Kredit gegeben. Sind Sie überrascht von der Leistung?

Überrascht? Nein, denn ich wusste ja, was die Spieler können.

Angesichts der Ausgangslage als Tabellenzweiter – lautet das neue Saisonziel Aufstieg?

Es wäre falsch, davon zu sprechen. Unser Ziel war und ist, vorne mitzuspielen. In der letzten Saison waren wir Vierter; wenn wir diesmal als Dritter abschliessen würden, wären wir also bereits besser. Und wenn wir in der Strafpunktewertung unter 100 blieben (aktuell sind es 35, Anm. d. Red.), wären wir nach unseren Ansprüchen noch etwas besser.

Für die jungen Spieler ist der Aufstieg angesichts dieser Ausgangslage mit Sicherheit ein Thema.

Die Jungen sind euphorisch, so soll es auch sein. Aber die Saison ist noch lang und so etwas ist nie planbar. Wenn das Klima und die Vorbereitung stimmen, können wir bis zum Schluss vorne dabei bleiben. Das wäre nicht wie ein Sechser, aber sozusagen wie ein Fünfer im Lotto.

Der Verein hat sich sechs Wochen vor Meisterschaftsstart von Ivan Dal Santo getrennt, mit ihm gingen einige Spieler. Eine stressige Zeit für Sie.

Ich war in den USA, als es darum ging, Spieler für die 1.Mannschaft zu verpflichten, Goran Ivelj konnte ich hingegen vor meinen Ferien engagieren. Klar, ich habe da nicht immer gut geschlafen und es kostete mich rund 1000 Franken Telefongebühren. Aber wie sich herausstellte, hatte ich eine gute Nase.

Wird Ihnen dafür gratuliert?

Ich erhalte viele Reaktionen, manchmal rufen auch Leute an, um zu sagen, wie toll sie finden, wie die Mannschaft spielt. Man sieht auch an der höheren Zuschauerzahl, das den Leuten wieder gefällt, was der FCD bietet. Einige, die vorher nie an einem Auswärtsspiel waren, kommen jetzt sogar nach Einsiedeln. Das freut mich – aber nicht für mich, sondern für den Verein.

Das ist ehrenwert. Doch Sie wurden zwei Jahre lang teilweise heftig kritisiert und spüren nun sicherlich auch persönliche Befriedigung.

Natürlich ist es schön, wenn man seinen Job gut macht. Unter dieser Voraussetzung arbeitet man auch lieber.

Der Trainerwechsel war ein Risiko, unter Ivan Dal Santo gelang eine ansprechende Saison. Woher wussten Sie, dass Goran Ivelj der Richtige ist?

Goran war als Spieler der 1.Mannschaft und Trainer der 2.Mannschaft vorgesehen. Als sich die Trennung von Ivan abzeichnete, lag für mich auf der Hand, dass wir ihm die Chance geben. Er hatte mich in den zahlreichen Gesprächen von seiner Art, wie er über Fussball denkt, überzeugt. Es ist erstaunlich: Nicht einmal hat er eine Aufstellung gewählt, die ich nicht verstand. Das zeigt, wie gut auch wir harmonieren.

Gab es in dieser kurzen Zeit überhaupt eine Alternative zu Ivelj?

(Lacht) Der FC Dietikon hat jedes Jahr zehn Anfragen von Trainern. Aber ich wollte nicht die Katze im Sack verpflichten. Wir haben sehr darauf geachtet, dass charakterlich alles zusammenpasst. Und bei Goran wusste ich, woran ich bin. Er kann die Mannschaft begeistern, kommt gut bei den Leuten an – er ist einfach perfekt für Dietikon.

Es kam Ihnen also gelegen, dass Sie sich mit Ivan Dal Santo finanziell nicht einigen konnten?

Das ist eine gemeine Frage...

...das mag sein.

Ivan war vielleicht noch zu sehr Profi, um bei uns richtig anzukommen. Aber ich bin überzeugt davon, dass er ein richtig guter Trainer wird in einem anderen Umfeld.

Spieler wie Mustafi oder Lopez haben sich für höhere Aufgaben empfohlen. Befürchten Sie gewichtige Abgänge in der Winterpause?

Ich rechne damit, dass alle, die aktuell im Kader sind, bis im Sommer bleiben. Dann schauen wir weiter.

Wie steht es um Verpflichtungen?

Wir haben mit Rago (zu Dübendorf), Aiello (Heimkehr nach Brasilien), Marasco (arbeitsbedingte Pause) und Abbamonte (krankheitsbedingte Pause) vier Spieler weniger, dazu kommt die schwere Verletzung von Arsim Shala. Wir sind auf ein 20-Mann-Kader angewiesen, deshalb holen wir im Winter total bis zu vier Spieler für Verteidigung, Mittelfeld und Sturm.

Bei welchen Vereinen schauen Sie sich um?

Es gibt viele interessante Vereine mit interessanten Spielern.

Der FC Engstringen mit seinen jungen Spielern zum Beispiel?

Möglicherweise; sicher schaue ich nicht nur im Limmattal.

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