Fussball

Der Star ist der Assistenztrainer

Im FC Birmensdorf kommt es Ende Saison zum vorausgesehenen Trainerwechsel – und zu einer Überraschung

Raphael Biermayr
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Giuseppe Sorrentino (hier in Schlieren) wird künftig in einer Doppelfunktion in Birmensdorf amten.

Giuseppe Sorrentino (hier in Schlieren) wird künftig in einer Doppelfunktion in Birmensdorf amten.

Raphael Biermayr

Es war kein Scherz: Am 1. April erschien in dieser Zeitung ein Artikel mit dem Titel «Trainerwechsel in Birmensdorf?». Darin ging es um die Gerüchte, dass Fabio Stiz am Ende der laufenden Spielzeit durch Goran Gasic ersetzt werden soll. Jener war nach seiner Spielerlaufbahn in Regensdorf und Wettswil-Bonstetten Assistenztrainer in der 3.-Liga-Mannschaft von WB, hatte aber noch nie eine Cheftrainerstellte inne. FCB-Sportchef Dani Margreth äusserte sich damals nicht dazu. Nun bestätigt er diese Rochade. Am vergangenen Donnerstag informierten Stiz, Margreth und Vereinspräsident Roger Gemperle das Team im Training darüber.

Die Überraschung über diesen Trainerwechsel hält sich also in Grenzen. Doch es gibt in diesem Zusammenhang eine aufsehenerregende Personalie. Sie betrifft die normalerweise wenig spektakuläre Position des Assistenztrainers. Gasics rechte Hand in Birmensdorf heisst Giuseppe Sorrentino, der derzeit noch bei Zweitligist Schlieren für das Toreschiessen zuständig ist. Der 35-jährige Italiener fand vor zehn Jahren ins Limmattal, als er für den FC Dietikon in der 2. Liga auf Torejagd ging und in seinen ersten zwei Matches je einen Hattrick erzielte.

Image passt noch nicht

Seither ist «Sorregoal» den meisten Anhängern des regionalen Fussballgeschehens ein Begriff. Nach seiner Dietiker Zeit wechselte der Oberengstringer zu Wettswil-Bonstetten (2. Liga interregional), bevor er im Sommer 2012 zum FC Schlieren ging und im vergangenen Sommer einen grossen Anteil am Aufstieg hatte. Dort hiess sein Konkurrent im Sturm: Goran Gasic. Es steht für die unvoreingenommene, positive Art Sorrentinos, dass sich trotz dieser Situation eine Freundschaft zum Serben aufbaute. Weil der Goalgetter noch nicht genug hat vom Kicken, wird er beim FCB als Spieler-Assistenztrainer walten. Die beiden neuen Mannschaftsverantwortlichen arbeiten bei der Post – wie Sportchef Margreth. Mit dem Engagement von Gasic und Sorrentino erhofft sich der Klub, mehr Identifikation der ersten Mannschaft im Ort zu schaffen. Fabio Stiz hat zwar ein erfolgreiches Team zusammengestellt, das aber nicht so recht zum Image passen will, das die Führungscrew bei ihrem Antritt vor drei Jahren definierte.

Präsident Gemperle sprach in einem Interview mit dieser Zeitung davon, dass «man den FC in letzter Zeit im Dorf nicht mehr so wahrgenommen» hat. Und zum Thema 2. Liga sagte er: «Die 2. Liga ist kein Thema. Wir wollen erst einmal den gesamten Verein für die Zukunft vorbereiten. Wenn alles läuft, wollen wir eine erste Mannschaft, die unter den ersten drei spielt.» Unter Stiz hat das Fanionteam den Verein sozusagen überholt.

«Egal ob 2. oder 3. Liga»

Am Ende dieses Vorgangs könnte der zweite 2.-Liga-Aufstieg in der Geschichte des FCB stehen. Die Frage drängt sich auf: Wäre es Sportchef Margreth lieber, wenn man die Promotion nicht schaffte? «Uns ist es egal, ob wir in der 2. oder der 3. Liga spielen, wir werden mit der gleichen Philosophie arbeiten», sagt Margreth. Das heisst, dass der Trainer eigene Junioren in die erste Mannschaft einzubauen hat. Und das heisst wie bisher: «Unter der aktuellen Vereinsführung wird nie Geld für Spieler in die Hand genommen werden.»

Weil nach dem Weggang von Stiz die Zukunft der Führungsspieler in Birmensdorf höchst unsicher erscheint, könnte es sein, dass der FCB nach dem Aufstieg keine konkurrenzfähige Mannschaft stellt. Margreth geht davon aus, dass «die meisten Spieler bleiben würden, weil sie sich in der 2. Liga behaupten wollten». Sollte das nicht der Fall sein, «würden wir sicher ein gutes Team um die eigenen Junioren herum aufbauen». Margreth wäre nicht zum ersten Mal in einer solchen Situation: 2009 übernahm er auf der Breite einen Scherbenhaufen nach dem Abgang von Trainer Laurent Fessel. Sechs Wochen vor Meisterschaftsstart waren gerade einmal sieben Spieler im Kader.