Fussball

Der geduldige Lichterlöscher: Ende der Ära Sandro Agosti

Wie der nach 13 Jahren abtretende Urdorf-Präsident Sandro Agosti im Verein in Erinnerung bleibt. Agosti steht seit 2002 an der Spitze. Einige Weggefährten blicken an dieser Stelle auf diese lange Zeit zurück.

Raphael Biermayr
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Nostalgie: In der Ära von Sandro Agosti (mit Kappe, beim geschafften Verbleib in der 2. Liga im Juni 2012) war Urdorf jahrelang die Nummer 1 in der Region hinter Dietikon.

Nostalgie: In der Ära von Sandro Agosti (mit Kappe, beim geschafften Verbleib in der 2. Liga im Juni 2012) war Urdorf jahrelang die Nummer 1 in der Region hinter Dietikon.

Raphael Biermayr

An der 47. Generalversammlung des FC Urdorf (morgen, 19.30 Uhr in der Cafeteria des Altersheims an der Weihermattstrasse) wird mit Sandro Agosti der zwölfte Präsident der Vereinsgeschichte verabschiedet, und mit ihm drei weitere langjährige Vorstandsmitglieder: Vizepräsident Roger Gmür, Juniorenobmann Marc Dreifuss und der Verantwortliche für die Anlässe und die Infrastruktur, Stephan Bohnenblust. Agosti steht seit 2002 an der Spitze. Einige Weggefährten blicken an dieser Stelle auf diese lange Zeit zurück.

Remo Agosti, Bruder und langjähriger Spieler des FCU: «Sandro ist immer mit Herzblut bei der Sache. Er hat ein offenes Ohr für sämtliche Vereinsmitglieder, verfügt über eine sehr hohe Sozialkompetenz, ist teamfähig ... Er hat alles, was man für eine Bewerbung auf einen Managerjob braucht. Vor allem das Menschliche ist bei ihm hervorzuheben! Unvergesslich bleibt die Aufstiegsfeier 2003 in Erinnerung, als wir nach über 20 Jahren wieder in der 2. Liga spielten – im ‹Mojito› und danach im ‹Kaufleuten› ging es legendär zuund her. Und natürlich gab es da die Popcornwürfe in der Garage von Gran Canaria ...»

Röbi Rhiner, Trainer des FCU von 2010 bis 2013: «Mit Ausnahme, dass er ein eingefleischter FCZ-Fan ist, kann ich nur Positives über Sandro erzählen. Er verkörpert den FC Urdorf wie kein anderer. Er ist leidenschaftlich, positiv denkend, sympathisch, verständnisvoll, grosszügig, bodenständig, ehrlich, mit grossem Sachverstand und zu jeder Zeit mit einem offenen Ohr für jedermann. Er ist einfach eine tolle Persönlichkeit und ein ganz feiner Mensch, der sich nun endlich mal etwas Zeit für seine Rosen im Garten, seine Familie und sich selber nehmen soll.»

Thomas Jenny, Captain des FCU: «Sandro hat uns Spielern der ersten Mannschaft nach einem Sieg öfters eine Kiste Bier in die Kabine stellen lassen, oder hat allen etwas vom Grill spendiert – aus dem eigenen Sack! Auch in Trainingslagern oder bei anderen Gelegenheiten spendierte er der ganzen Mannschaft das Abendessen – oder sponserte an der Chilbi-Bar einen Drink. Er hatte auch immer ein offenes Ohr für uns Spieler. Sei es, als einmal ein Trainer geschasst werden musste, weil er einfach nicht zu uns gepasst hatte, oder auch wenn zum Beispiel ein junger Spieler in Ausbildung das Geld für den Mitgliederbeitrag, fürs Trainingslager oder für ein paar neue Schuhe nicht aufbringen konnte. Von seiner ansteckend positiven Art muss ich ja wohl nicht berichten. Sandro ist darüber hinaus ein extrem geduldiger Mensch – sonst hätte er das auch nie so lange machen können. Ich habe auch immer sehr geschätzt, dass es Sandro bei Anliegen rund um die erste Mannschaft wichtig war, auch die Meinung der langjährigen Spieler zu kennen und diese auch einmal spontan am Telefon einzuholen.»

Roger Gmür, seit 2000 im FCU-Vorstand: «Wenn man schaut, wo wir vor 14 Jahren standen, als Sandro in den Vorstand gekommen ist, muss man sagen: Wir haben einiges geleistet. Die Juniorenabteilung läuft rund, der Verein hat knapp 80 000 Franken auf der hohen Kante, die erste Mannschaft hat nichts mit der 4. Liga zu tun. Das ist zu einem grossen Teil das Verdienst von Sandro. Er hat immer Seriosität vorgelebt. Gerade in den Trainingslagern der ersten Mannschaft, wo er zeigte, dass es nicht das Ziel sein muss, um 4 Uhr morgens ins Bett zu kommen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Sandro versteht zur rechten Zeit durchaus Spass. Dass der FC Urdorf einige Jahre in der 2. Liga und damit die Nummer 1 in der Region hinter dem FC Dietikon war, hat ihn sehr gefreut. Insbesondere, weil wir das mit vielen eigenen Spielern und ohne Geld zu zahlen geschafft haben. Sandro lehnt es kategorisch ab, Spieler zu entschädigen und damit möglicherweise in finanzielle Abhängigkeit von jemandem zu geraten. Er hat es geschafft, dass der Verein in der Gemeinde als seriös wahrgenommen wird. Umso enttäuschter war er, dass in den letzten Jahren keine Verbesserung der Infrastruktur rund um das Chlösterli möglich war, besonders was einen Kunstrasenplatz anbelangt. Dennoch hat er nie daran gedacht, den Bettel hinzuschmeissen. Seine Devise lautet immer, nach vorn zu schauen und eine Lösung zu finden. Das galt auch für Momente der Konfrontation, die es durchaus gab im Vorstand. Er ist immer bereit, andere Standpunkte zu hören und seinen eigenen zu hinterfragen. Als Urdorfer ist der Verein sein Herzblut, das merkt man.»

Marc Dreifuss, seit 2010 im FCU-Vorstand: «Sandro lebt den FC Urdorf mit all seinen Fasern, er ist beliebt in der Gemeinde. Auch nachts ist er für den FCU unterwegs. Mehrmals musste er das Licht auf dem Trainingsplatz Weihermatt ablöschen oder den Materialraum abschliessen, weil er direkt unterhalb wohnt und alles sieht. Er stellt immer das Wohl des Vereins in den Vordergrund, nicht sich selbst.»