Lieder vom Glück und Unglück

WEINFELDEN. Karl Valentin passt in keine Schublade – aber trefflich passt er in die neue Produktion der Bühni Wyfelde. Sie verquirlt den Unsinn und den Tiefsinn des Münchner Volkssängers zu einem sommerlich spritzigen und vergnüglichen Abend.

Dieter Langhart
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Die Zukunft war früher auch besser: Loretta Giacopuzzi Schätti, Carlo Bizzozero, Kurt Lauper und Simón Sahli im Karl-Valentin-Programm der Bühni Wyfelde. (Bild: Dieter Langhart)

Die Zukunft war früher auch besser: Loretta Giacopuzzi Schätti, Carlo Bizzozero, Kurt Lauper und Simón Sahli im Karl-Valentin-Programm der Bühni Wyfelde. (Bild: Dieter Langhart)

Thomas Mann hat seine Schallplatten gesammelt und konnte manche Passage auswendig – Heinrich Mann mochte ihn weniger und schrieb: «Derbste Volkstümlichkeit verband er mit merkwürdig geisternder Phantasie.» Die Bühni Wyfelde mag Karl Valentin sehr, ebenso mag ihn Paul Steinmann. Der Regisseur hat Lieder und Texte ausgewählt und sie mit sieben Laienspielern in ein vergnügliches Potpourri gegossen. Freitag war Premiere im Haffterpark.

Raum gut genutzt

Die erste Sommerproduktion nach vier Jahren nutzt die intime Lage hinter dem Gemeindehaus, schafft mit dem Spiel auf der Balustrade und den seitlichen Treppen räumliche Tiefe; das Zentrum um den Brunnen, mit einfachsten Kulissen verkleidet, dient dem seinen Theaterbesuch verhandelnden Ehepaar als Wohnzimmer, dem Apotheker als Laden, dem jungen, an der Liebe leidenden Mann als Schreibstube. Und einmal treten die Spieler zwischen die Tische, an denen die Zuschauer sitzen. (Nur zwei Frauen scheinen es mit Heinrich Mann zu halten und verlassen die Vorstellung in der Pause.)

Viel Bewegung und Variation

Paul Steinmanns Inszenierung spielt mit Bewegung, wo immer es der Text, der Sketch, das Lied erlaubt. Die sieben Darsteller (Carlo Bizzozero, Mara Fässler, Loretta Giacopuzzi Schätti, Kurt Lauper, Simón Sahli, Sonja Sahli, Bernhard Scherrer) lässt er in die zahllosen Rollen schlüpfen, die sie mit unterschiedlicher Differenzierung verkörpern. Carlo Bizzozero und Mara Fässler stechen heraus: Er macht mit Gesicht und Körperhaltung Melancholie, Liebeskummer und Spitzbübigkeit glaubhaft, sie sprüht vor Energie und variiert ihre Sprache am besten.

Mit Nähe und Distanz spielt Paul Steinmann auch in der Sprache. Einige der Lieder und Sketche hat er in Mundart übertragen, andere lässt er Hochdeutsch stehen – und mischt beides, wenn es passt. Und als roten Dramaturgie-Faden nutzt der Regisseur – der an der Premiere immer wieder selber schmunzeln musste – die Transparente, die auf der einen Seitentreppe ausgerollt und wieder eingerollt werden. Sie brechen die gespielten und gesungenen Nummern und erinnern an Karl Valentins Sprüche: Gar nicht krank ist auch nicht gesund oder Mögen hätt' ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut (nicht ganz korrekt wiedergegeben) oder Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.

Und ein weiteres Transparent macht den Zungenbrecher aus «In der Apotheke» verständlich: «Isopropyl-propenyl…» soll der junge Vater seinem schreienden und weinenden Kind verabreichen.

Lied über den Herrgott

Noch einen roten Faden bildet der Monolog «Das Aquarium», den Paul Steinmann in erträgliche Portionen aufteilt, die Simón Sahli von einem Podest herab nuschelt. Dann brummelt er als tumber Bauer, und schliesslich sieht man Simón Sahlis richtiges Gesicht: wie er das Ensemble auf der Gitarre zum Couplet über den Herrgott begleitet.

Bühni Wyfelde: Die Zukunft war früher auch besser Haffterhof, Frauenfelderstrasse 10, Weinfelden Täglich 24.6.–12.7., 20.30 (nur bei gutem Wetter) Reservation nur telefonisch, 16–19 Uhr, für den jeweiligen Abend: 079 437 79 65 www.buehniwyfelde.ch