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Lieber Schule als Spitzensport

Christian Rufer ist der erfolgreichste Snowboard-Coach der Schweiz.
Unter seiner Ägide gewannen die Alpinen 21 Mal Edelmetall an Grossanlässen.
Nun wird er Schulratspräsident in Ebnat-Kappel.
Pascal Koster
Seit 2004 trainiert Christian Rufer die Schweizer Alpin-Snowboarder. Bild: Urs Bucher

Seit 2004 trainiert Christian Rufer die Schweizer Alpin-Snowboarder. Bild: Urs Bucher

Philipp und Simon Schoch, Nevin Galmarini, Julie Zogg, Fränzi Mägert-Kohli, Patrizia Kummer oder Daniela Meuli – sie alle schafften unter Christian Rufer den Sprung an die Weltspitze. 13 Jahre lang hat er die alpinen Snowboarder bei Swiss Ski betreut. In dieser Zeit sammelten sich sechs Olympia- und 15 WM-Medaillen (siehe Grafik) an. Einen solchen Leistungsausweis wird so schnell kein Schweizer Snowboard-Trainer mehr vorlegen können.

Dieses Wochenende steht Rufer im deutschen Winterberg ein letztes Mal als Coach am Pistenrand. Am Weltcupfinale fahren die Frauen sowie die Männer einen Parallelslalom. Mit der Wartauerin Julie Zogg und Dario Caviezel haben zwei Schweizer gute Chancen, die kleine Kristallkugel in dieser Disziplin zu gewinnen. Ein Doppeltriumph wäre der passende Schlusspunkt der Erfolgsära Rufer.

Der erste Rücktritt

Der 50-jährige Nationaltrainer ist in Chur aufgewachsen. Seit 1999 lebt Rufer in Ebnat-Kappel. Heute ist er Vater dreier Söhne. Das Toggenburg wurde zur Heimat. Vielleicht auch wegen den schneebedeckten Hügeln, die Ebnat-Kappel einkesseln.

In manchen Jahren hat er sich mit seinen Athleten am Skilift Tanzboden, nur ein paar hundert Meter entfernt von seinem Heim, auf den Weltcup vorbereitet. So blieb er in der Nähe der Familie. Ein Privileg, das er während der Saison kaum mehr geniessen konnte. Rund 120 Tage im Jahr sei er jeweils mit dem Snowboard-Team unterwegs gewesen.

Im Jahr 2013 hatte er genug gesehen – vorerst. Die ganze Reiserei, der Druck, die immer gleichen Abläufe: Rufer kündigt an, nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zurückzutreten. Rückblickend sagt er:

«Ich merkte, dass ich nicht mehr gleich motiviert an die Sachen herangegangen bin.
In einem Sport, in dem es um Hundertstel geht, wäre das nicht gut gekommen.»

Auf ihn folgt Ingemar Walder. Doch mit dem Österreicher läuft es nicht. An der WM 2015 in Kreischberg bleibt die Schweiz in den alpinen Disziplinen ohne Medaille – unter Rufer ein undenkbares Szenario. Die Athleten fragen ihn an, ob er sich eine Rückkehr vorstellen könnte. Sportlich sowie zwischenmenschlich passe es mit Walder nicht mehr.

Das Jobangebot kommt Rufer gelegen. Nach seinem Austritt aus dem Profisport hatte er mit Kollegen ein Start-Up-Unternehmen in den Bereichen Organisationsentwicklung und Coaching lanciert. Rufer: «Ich bin ehrlich und muss zugeben: Wir sind gescheitert. Uns fehlte es an Netzwerk, Erfahrung, Zeit und Geld.»

Mit Rufer kehrt auch der Erfolg zurück

Das Unternehmen wird aufgelöst. Rufer, gelernter Schreiner, entschliesst sich, auf seinen ursprünglichen Beruf zurückzukehren. Eine Weile arbeitet er als Monteur, dann kommt die besagte Anfrage. Rufer nimmt ohne zu zögern an. Nach dem Wiedereinstieg 2016 bleiben ihm eineinhalb Saisons, um das Schweizer Team fit für Olympia zu machen.

Die Zeit reicht. Nevin Galmarini gewinnt in Pyeongchang Gold im Parallelriesenslalom. Ein Erfolg, über den sich Rufer besonders freut. «Als ich 2004 angefangen habe, war Nevin schon da. Ich habe über zehn Jahre mit ihm zusammengearbeitet, gesehen wie er Schritt für Schritt ein bisschen weiterkommt.»

Es sind nicht unbedingt die Medaillen, die Rufer am meisten bedeuten, sondern der gemeinsame Weg dorthin. «Als Coach fiebert man Mal für Mal mit. Man weiss von all den Rückschlägen, weiss wie viel Arbeit der Athlet investiert hat. Wenn es dann am Tag X aufgeht, ist das einfach nur schön. Der ganze Druck fällt ab.»

Schule statt Piste

Auch wegen Galmarinis Erfolgsgeschichte wollte Rufer nochmals eine Olympia-Periode anhängen. Nach den Winterspielen 2022 in Peking sollte dann Schluss sein. Es kommt aber anders. Pierre Joseph, Schulratspräsident von Ebnat-Kappel, teilt Rufer mit, dass er sein Amt, eine 60-Prozent-Stelle, abgeben wird. Er sagt ihm, dass ein interessanter Job frei wird. Rufer:

«Erst habe ich es gar nicht ernst genommen. Mir gefiel ja mein Job bei Swiss Ski.»

Ausserdem habe er nicht gewusst, ob er die Anforderungen überhaupt erfüllen würde. Rufer erkundigt sich und ist der Ansicht, er wäre der Aufgabe gewachsen. Der passionierte Snowboard-Coach kandidiert und gewinnt die Kampfwahl überraschend deutlich.

Seit dem 1. März ist Rufer nun Schulratspräsident. Sein Vertrag mit Swiss Ski läuft Ende April aus. Nach dem Weltcupfinale in Winterberg wird er sich gänzlich auf den neuen Bürojob fokussieren.

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