«Lewandowski spielt – den Rest erledigen wir»

Der Deutsche Maik Barthel hat mit Bayerns Robert Lewandowski den derzeit erfolgreichsten Stürmer im europäischen Fussball unter Vertrag. Ihren Hauptsitz hat Barthels Firma in Liechtenstein. Der 46-Jährige über Lewandowskis Transfer von Dortmund zu Bayern und eine Branche, die oft kritisiert wird.

Patrick Stahl
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Herr Barthel, Ihr Klient Robert Lewandowski steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Zuletzt erzielte der Stürmer des FC Bayern fünf Tore in neun Minuten gegen Wolfsburg. Wie erklären Sie sich diesen Exploit?

Maik Barthel: Das ist das Ergebnis sehr harter Arbeit. Kein Tor ist Zufall. Dafür arbeitest du als Spieler jeden Tag. Fünf Tore in neun Minuten – das kann man allerdings nicht logisch erklären. Das ist eigentlich nicht möglich auf diesem Topniveau.

Wie wirkt sich dieser Torrekord auf den Marktwert Ihres Spielers aus?

Barthel: Der Marktwert ist dadurch noch einmal explodiert.

Wie muss man sich Ihre Rolle vorstellen?

Barthel: Ganz einfach: Lewandowski spielt Fussball und wir erledigen den Rest.

Was heisst dies konkret?

Barthel: Man muss eigentlich täglich Dinge regeln, die irgendwie mit dem Spieler zusammenhängen. Ich bin mit den meisten meiner Klienten mehrmals wöchentlich in Kontakt. Dazu kommen natürlich noch weitere Gespräche mit Vereinsvertretern, dem Trainer, den Eltern oder Spielerkollegen.

Welche Spieler haben Sie neben Lewandowski noch unter Vertrag?

Barthel: Wir betreuen insgesamt acht Nationalspieler in verschiedenen Ligen. Dazu kommt eine gute Anzahl von talentierten Juniorenspieler aus ganz Europa.

Sie hatten im Sommer keine Zeit für ein Interview. Waren Sie mit Transfers beschäftigt?

Barthel: Ja, das ist richtig. Während der Transferperiode habe ich keine Zeit. Es gibt ständig etwas zu tun.

Welche Transfers sind Ihnen gelungen?

Barthel: Wir haben beispielsweise den Transfer von Robert Beric von Rapid Wien zu St-Etienne realisiert. Es war insgesamt ein gutes Jahr. Wir haben insgesamt neun Transfers abgewickelt. Es gibt allerdings auch immer mal Transfers, die aus verschiedenen Gründen nicht gelingen.

Der Transfer von Lewandowski zu Bayern München zog sich über ein Jahr bis zum Sommer 2014 hin, weil ihn sein Arbeitgeber nicht ziehen lassen wollte.

Barthel: Der Transfer war die logische Konsequenz aufgrund der guten Leistungen von Robert bei Dortmund. Trotzdem oder gerade deshalb war er sehr schwierig und ein richtiges Stück harte Arbeit.

Nicht alle Talente haben solche Voraussetzungen wie Lewandowski. Was sagen Sie jungen Spielern, die von einer Karriere im Profifussball träumen, aber nicht dazu geeignet sind?

Barthel: Es ist unsere Aufgabe bei der Wahrheit zu bleiben und Spieler nicht in etwas hineinlaufen zu lassen.

Das sehen offensichtlich nicht alle Ihre Kollegen so. Spielervermittler werden oft als Menschenhändler beleidigt. Warum ist das Image Ihrer Branche so schlecht?

Barthel: Kein Anhänger will seinen Lieblingsspieler in einem anderen Trikot spielen sehen. Das ist absolut verständlich. Die Berater sind immer schuld, da können sie machen was sie wollen. Das sind die üblichen Nebengeräusche der Branche.

Gibt es viele schwarze Schafe unter den Spielerberatern?

Barthel: Sicher gibt es schwarze Schafe. Ich glaube aber nicht, dass es mehr sind als in anderen Branchen.

Sie haben Ihr Unternehmen in Liechtenstein angesiedelt. Was hat Sie ins Fürstentum gezogen?

Barthel: Es ist der perfekte Ort, um im europäischen Fussball zu arbeiten. Weil ich Flugangst habe und deshalb mit meinem Auto europaweit unterwegs bin, ist es für mich sehr wichtig, möglichst kurze Wege zu haben. Liechtenstein liegt nah zu Deutschland, Italien und Frankreich. Ich kann daher Länderspiele besuchen, ohne allzu lange Anfahrten in Kauf nehmen zu müssen.

Wie ist Ihr Unternehmen konkret aufgestellt?

Barthel: Der Hauptsitz von Eurosportsmanagement ist in Schaan. Das heisst aber nicht, dass alle unsere aktuell 14 Mitarbeiter in Liechtenstein arbeiten. Wir haben weitere Büros in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Kroatien, Polen, Tschechien und in der Schweiz.