Lewandowski lässt Dortmund träumen

Im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals überrascht Borussia Dortmund mit einem 4:1-Sieg gegen Real Madrid. Robert Lewandowski erzielt dabei vier Tore, was einem Spieler gegen Real Madrid zuvor noch nie gelungen war. Ob der Pole bei den Westfalen bleibt, ist ungewiss.

Daniel Theweleit/Dortmund
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Robert Lewandowski (Bild: ap/Federico Gambarini)

Robert Lewandowski (Bild: ap/Federico Gambarini)

FUSSBALL. Als Robert Lewandowski den Ort seiner Grosstaten verlassen hatte und im fahlen Licht der Interviewzone auftauchte, wirkte er mit einem Mal klein und schmächtig. Kurz vorher war der stolze Weltstar Cristiano Ronaldo vorbeigekommen und bestaunt worden wie ein exotisches Tier, Bodyguards hatten ihre wichtigtuerische Arbeit verrichtet und etwas später mit grosser Entschlossenheit der Aufruhr um Real Madrids Coach José Mourinho sortiert. Zuvor auf dem Rasen hatte Lewandowski alle überstrahlt. Nun schlenderte der Stürmer von Reportergrüppchen zu Reportergrüppchen und sagte: «Vier Tore habe ich als Profi noch nie in einem Spiel erzielt, und dann kkappt das in einem Champions-League-Halbfinal.»

Lewandowskis Stern

Vier Tore hat in der Champions League noch nie ein Spieler gegen Real Madrid erzielt, «eine Dampfwalze überrollt Real, am schwarzen Himmel über Dortmund strahlt nur Lewandowskis Stern», schrieb die «Marca». Es würde nicht verwundern, wenn bald ein Scheich käme, um für den 24jährigen Polen eine Summe zu bieten, welche die 37 Millionen, die Bayern München für Mario Götze bezahlt, übersteigt.

Allerdings hat Lewandowski einen bis Juni 2014 laufenden Vertrag mit Dortmund und im Gegensatz zu Götze keine Ausstiegsklausel. Gerüchte um die Zukunft des Angreifers geistern dennoch durch die Fussballwelt. Seit Monaten wird berichtet, Lewandowski habe bereits eine Vereinbarung mit Bayern München getroffen. Enrique Reyes, ein spanischer Berater und Vertrauter des scheidenden Münchner Trainers Jupp Heynckes, sagte gegenüber einem Radiosender: «Die Bayern haben die Unterschrift von Lewandowski. Sie haben Götze und Lewandowski. Sie machen es genauso, wie sie es mit Javier Martinez getan haben.»

«Geld, das wir nicht wollen»

Möglicherweise hat der Stürmer mit den Münchnern abgemacht, entweder im Sommer gegen eine Ablösesumme, oder, wenn die Dortmunder das nicht wollen, 2014 ablösefrei an die Isar zu wechseln. «Wir bekommen schon für Mario Geld, das wir nicht wollen», erläuterte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp die Interessen seines Clubs, «wir sind ein Fussballverein und wollen auch im nächsten Jahr eine gute Mannschaft haben.» Letztlich komme es allerdings auch darauf an, was der Spieler wolle. Und das ist schwer zu sagen. Lewandowski äussert sich zu solchen Fragen vage. Für Dortmund wäre ein Verbleib des Stürmers nicht nur wegen seiner fussballerischen Qualitäten von Bedeutung, auch als Signal an die Kollegen, denen ebenfalls Angebote vorliegen. Denn es wäre fatal, wenn im Team der Eindruck entstehen würde, das grosse Projekt zerfalle nach dem Champions-League-Final im Mai in seine Einzelteile.