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Leverkusens Trainer Bosz: Wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert

Bayer Leverkusen bietet unter Trainer Peter Bosz immer beste Unterhaltung – und könnte heute durch einen Sieg gegen Frankfurt plötzlich wieder von der Champions League träumen.
Carsten Meyer
Peter Bosz bringt nichts so schnell aus der Ruhe. (Bild: Rolf Vennenbernd/Keystone, Leverkusen, 2. März 2019)

Peter Bosz bringt nichts so schnell aus der Ruhe. (Bild: Rolf Vennenbernd/Keystone, Leverkusen, 2. März 2019)

Peter Bosz ist ein Mensch, den abseits des Fussballplatzes nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Das lässt sich allwöchentlich bei den Medienkonferenzen vor den Partien sehr gut beobachten. In dieser Manege spielt jeder Trainer sein eigenes Programm. Hoffenheims Julian Nagelsmann nutzt das Podium regelmässig dazu, seine Entertainmentqualitäten unter Beweis zu stellen. Huub Stevens knurrt gerne die anwesenden Journalisten an. Und der neue Stuttgarter Coach Nico Willig erklärte gerade erst, wie man ein sportliches Wunder (1:0-Sieg gegen Gladbach) vollbringen und möglichst im nächsten Spiel bestätigen kann. Das Ganze dauerte eine knappe halbe Stunde. Normal sind für diese Art von Veranstaltungen 10 bis 20 Minuten. Bosz war am Freitag nach fünf Minuten durch.

Die Zeit reichte ihm locker, um alle Themen vor der heutigen Partie (18 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt abzuarbeiten: Ausfälle (eigentlich keine), Gegneranalyse («sie wollen immer nach vorne spielen»), Endspiel um die Champions League («eine wichtige Partie, aber kein Final») und Trainingszoff zwischen Charles Aranguiz und Dominik Kohr («das passiert»). Danke, auf Wiedersehen. Dem einen oder anderen Reporter war die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Wesentlich spektakulärer ist die Arbeit des Niederländers mit der Mannschaft. Man weiss immer, was man bekommt: Tore. Man weiss nur nie, für wen. Auf drei Niederlagen gegen Leipzig, Hoffenheim und Bremen inklusive Stimmungstief folgten drei Siege gegen Stuttgart, Nürnberg und Augsburg inklusive gepflegter Euphorie.

Mit Bosz hat niemand gerechnet

Und plötzlich ist für Leverkusen sogar wieder Platz vier und die damit verbundene Champions-League-Teilnahme ein Thema. Heute sogar ein sehr grosses, da Frankfurt Vierter ist und nur noch drei Zähler mehr aufweist. Weshalb Angreifer Kevin Volland seinem Trainer widerspricht und sagt: «Das ist ein brutales Endspiel.» Damit hat Bosz schon mehr erreicht, als viele nach seinem Amtsantritt erwartet hatten. Der 55-Jährige kam in der Winterpause für Heiko Herrlich, der nicht nur sehr unglücklich agierte, sondern auch immer sehr unglücklich aussah. Als Bayer dann Bosz präsentierte, war das ein wenig wie das Kaninchen aus dem Hut.

Mit ihm hatte nun wirklich keiner gerechnet. Sein letzter beruflicher Aufenthalt in Deutschland war nicht von allzu viel Erfolg gekrönt. 2017 übernahm er Borussia Dortmund – und mit sechs Siegen und einem Remis an den ersten sieben Spieltagen startete das Unternehmen auch äusserst verheissungsvoll. Sehr viel mehr Punkte kamen nicht mehr hinzu, dafür das Aus in der Champions League. Das Ganze mündete nach insgesamt einem halben Jahr in der Freistellung. Doch Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler konnte das nicht schocken. Er hat da ja einen Kader zusammengestellt, der über Offensivtalent im Überfluss verfügt auch entsprechend agieren soll: «Peter Bosz ist genau der richtige Trainer für die Spieler, die wir haben. Und für die Art, wie wir spielen lassen wollen.» Nach vorne. Unterhaltsam. Und dazu noch erfolgreich.

Die Dinge sind nun im Gleichgewicht

Erstaunlich an der Entwicklung ist auch gar nicht, dass bei Bayer-Spielen seitdem immer was los ist, sondern dass Bosz es zuletzt geschafft hat, die Dinge ins Gleichgewicht zu bringen. Vorne Hurra und hinten Hoppla ist vorbei. «Unser Stil ist sehr intensiv und lässt sich nicht alle drei Tage über 90 Minuten und sechs Monate am Stück durchziehen», sagt Bosz, «deshalb ist es entscheidend, dass wir lernen, ein Spiel nach Führung zu kontrollieren.» Das klappt teilweise schon ganz ordentlich. Beim 2:0 gegen Düsseldorf beispielsweise hatten die Leverkusener 84 Prozent Ballbesitz und spielten über 1000 (!) Pässe. Und zur Not scheuen Akteure wie Sven und Lars Bender auch nicht davor zurück, ins rustikale Metier zu wechseln – was vor allem Goalie Lukas Hradecky begeistert: «Wir spielen jetzt wie eine Männermannschaft.» Das gibt ihm Zuversicht. «Wenn wir eine richtig gute Sommervorbereitung haben», frohlockt Hradecky, «dann kann hier was ganz Grosses entstehen.» Mittelfristig. Aber auch kurzfristig sind die Aussichten nicht ganz so trüb. Ein Sieg heute gegen Frankfurt – und es lockt die Champions League.

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