Leuchtturm und Glühbirne

Der Kanton Thurgau ist ein Mauerblümchen. Diese Nebenrolle weist ihm ein jüngst schweizweit verbreitetes Ranking der Campaignfit GmbH zu. Mit Fakten haben solche Umfragen wenig zu tun. Sie spiegeln Meinungen über Fakten. Aber Meinungen sind mächtiger als Fakten.

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Der Kanton Thurgau ist ein Mauerblümchen. Diese Nebenrolle weist ihm ein jüngst schweizweit verbreitetes Ranking der Campaignfit GmbH zu. Mit Fakten haben solche Umfragen wenig zu tun. Sie spiegeln Meinungen über Fakten. Aber Meinungen sind mächtiger als Fakten.

Das Image eines Kantons entspricht dem Leumund einer Person. Es hängt an ihm, ob richtig oder falsch. Mauerblümchen werden mitleidig belächelt und nicht ernst genommen.

Wer deswegen ins Selbsterbarmen fällt, sorgt dafür, in einem neuen Ranking das alte Ergebnis lesen zu können. Mit einer selbstbewussten Reaktion steigt die Chance, dass unsere Qualitäten auch über die Kantonsgrenzen hinaus wahrgenommen werden. Dann würde etwa der jetzt mit der Nomination für den internationalen Booker Prize geehrte Peter Stamm als Thurgauer und nicht als Winterthurer gehandelt.

Mehr Standortmarketing? Ja, auch. Vorzugsweise mit national bekannten Thurgauer Persönlichkeiten, die in der Wirtschaft, Politik und Kultur Meriten erworben haben. Mit geistblitzenden Statements, die überraschen und darum haften bleiben.

Und in der Kultur sollte endlich die Angst vor Leuchttürmen abgelegt werden. Wir sind doch stolz, dass Stadler keine Einkaufswägelchen produziert, Bernina keine Nähnadeln und Nüssli keine Kletterstangen. Ohne Freude an der ausstrahlenden Bedeutung wäre die Kartause Ittingen ein Schulungszentrum fürs mittlere Kader.

Kulturprogramme, die für Thurgauer Begriffe kräftig leuchten, sind bereits für St. Galler und Zürcher schwache Glühbirnen. Es braucht mehr Energie, mehr Licht auf dem Scheffel und mehr Geld. Billig zu haben ist nur der Verriss als Mauerblümchen.

Alex Bänninger

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