Leuchtspur

Tenuewechsel In meinen jüngeren Jahren gab es für den Sommersport eine gleich- bleibende Bekleidung. Jedenfalls für reine Amateure. Sie trugen blaue Turnschuhe, blaue Turnhosen und ein weisses Trägerleibchen.

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Tenuewechsel

In meinen jüngeren Jahren gab es für den Sommersport eine gleich- bleibende Bekleidung. Jedenfalls für reine Amateure. Sie trugen blaue Turnschuhe, blaue Turnhosen und ein weisses Trägerleibchen. Ob Fussball oder Orientierungslauf, Rollschuhfahren oder Pingpong: immer in Blau und Weiss.

Damals war es auch üblich, sich für den kulturellen Ausgang in Schale zu stürzen. Dunkelblau, dunkelgrau oder schwarz musste es sein. Wir fühlten uns nicht eingeengt, sondern eingestimmt.

Inzwischen hat ein Tenuewechsel stattgefunden. Jede Sportart verlangt ihre eigene Garderobe. Biken im Outfit für Inlineskates, ins Fitnessstudio wie zum Jogging? Undenkbar. Die Wahl der Sportart diktiert den Dresscode.

Parallel dazu verlief der Tenuewechsel im Kulturbereich. Hin zu Klamotten vom Wühltisch. Ob Theater oder Konzert, Vernissage oder Filmpremiere: Jeans, Shirt und Rucksack sind immer richtig. Und nie die Mütze ab. Auch der schöne Thurgauer Open-Air-Sommer verlockte nicht zum schönen Spiel mit der Mode.

Freizeitlook für Arbeit, Grillplausch, Kulturanlass, Geburtstagsfeier und Vorstellungsgespräch. Aber für Yoga nur Yoga Wear. Aerobic geht ohne Stulpensocken nicht. Vor dem Schwung aufs Rennrad kommt der Schlupf ins Softshell.

Die Montur signalisiert den gesunden Geist, der sich zum gesunden Körper quält. Von Kopf bis Fuss kühn gestylt. Die Mode in ihrer Perfektion ist bereits dort, wo das Trainingssubjekt erst noch hin muss. Für die eigene Identität zählt der Sport mehr als die Kultur. Im Sport gehen wir auf. Zur Kultur gehen wir bloss hin.

Alex Bänninger