Leuchtspur

Leuchtspuren im Kulturalltag In der Thurgauer Zeitung vom 12. Juli standen unter dem Titel «Eine Seele der Kulturstiftung» sechs begeisterte Lobeshymnen auf Brigitte Conrad, die nach 15 Jahren Mitarbeit im Büro der Kulturstiftung zurückgetreten war.

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Leuchtspuren im Kulturalltag

In der Thurgauer Zeitung vom 12. Juli standen unter dem Titel «Eine Seele der Kulturstiftung» sechs begeisterte Lobeshymnen auf Brigitte Conrad, die nach 15 Jahren Mitarbeit im Büro der Kulturstiftung zurückgetreten war. Jedes Wort davon kann ich unterschreiben. Brigitte Conrad war die Leuchtspur der Kulturstiftung. Ich habe sie als Stiftungsrat und als Kulturschaffender 12 Jahre lang hautnah miterlebt. Mit grossem Respekt, Dankbarkeit und Freundschaft denke ich an sie.

Erst jetzt ist mir klar geworden, warum mir während unserer Zusammenarbeit nicht aufgefallen ist, dass diese kluge, engagierte, kompetente, kulturbegeisterte, kreative, emphatische, vorausdenkende, herzliche, passionierte (die Liste lässt sich endlos verlängern!) Frau, die überall an Knotenpunkten des Kulturgeschehens im Kanton präsent war, eine so einzigartige Ausnahme sein soll:

36 Jahre lang habe ich als Theaterleiter gearbeitet. Immer waren in den Theaterbüros Frauen an der Arbeit. Sie waren verantwortlich für die Administration, die Buchhaltung, die Dramaturgie, die Werbung, das Betriebsbüro. Mit grosser Sachkenntnis, mit Liebe zum Theater und zu den Menschen, die es machen, mit kreativen Ideen zu den Abläufen und zur Programmgestaltung wirkten sie mit in den Kollektiven. Mit grosser Selbstverständlichkeit halfen sie auch mit, wenn Hände fehlten beim Aufstellen von Stühlen, beim Verteilen von Werbematerial, an der Bar, beim Verlad von Bühnenmaterial, beim Trösten unglücklicher Künstler… unaufdringlich und immer freundlich.

Sie waren die Leuchtspuren in den Betrieben, für die Theaterleitung, für die Künstler, für das Publikum – genau wie Brigitte Conrad.

Privates musste ich aus meinen Mitarbeiterinnen herauslocken, erfuhr ich meist nur zufällig. Heute ist mir klar, wie viel Privatleben sie zurückstellten, wer alles auf Familie und Kinder verzichtete, weil Strukturen fehlten, um Beruf und Familie zu leben.

Jean Grädel