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Leitwölfe ohne Schafspelz

Am Dienstag starten die Playoff-Halbfinals mit den Partien Bern gegen Biel sowie Zug gegen Lausanne. In der wichtigsten Phase der Saison nehmen die vier Captains - Simon Moser (Bern), Mathieu Tschantré (Biel), Raphael Diaz (Zug) und Etienne Froidevaux (Lausanne) - eine entscheidende Rolle ein.
Sergio Dudli

Der Demütige

Simon Moser, der Captain der Berner, begann seine Karriere beim Kantonsrivalen Langnau. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Simon Moser, der Captain der Berner, begann seine Karriere beim Kantonsrivalen Langnau. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Simon Moser ist seit zwei Jahren der Captain der Berner. Seine Karriere lanciert hat er aber beim kleinen Nachbarn: Aufgewachsen in Worb, einem Dorf zwischen Bern und Langnau, schloss sich Moser als Junior den Emmentalern an. Was folgte, war eine Karriere wie aus dem Bilderbuch: Als 18-Jähriger debütierte er in der ersten Mannschaft, wurde zur Stammkraft und führte Langnau fünf Jahre nach seinem ersten Einsatz als Captain an. Moser wurde zum Gesicht des Clubs, ein Vorbild an Einsatz und Demut. «Simu» und Langnau – das passte einfach.

Moser fühlte sich im Emmental so wohl, dass er jahrelang den verlockenden Rufen des Geldes und anderer Clubs widerstand. Erst nach dem Abstieg der Langnauer im Frühling 2013 brach er seine Zelte ab. Der Mann mit den Parademassen – Moser ist 1,88 m gross und wiegt 97 kg – wagte den Sprung nach Nordamerika. Bei den Nashville Predators gelang ihm der Durchbruch allerdings nicht. Der heute 30-Jährige kam nur auf sechs NHL-Spiele, verbrachte die meiste Zeit in der AHL. Nach einer Saison kehrte er in die Schweiz zurück und unterschrieb beim SC Bern.

Heute gilt Moser als einer der wenigen Spieler in der NLA, die mit interna­tionaler Härte spielen. Captain beim besten Team der Qualifikation ist er vor allem aus einem bestimmten Grund. «Es gibt Spieler, die das Wort in der Kabine offener ergreifen. Aber Simu führt durch sein Beispiel auf dem Eis», sagte Trainer Kari Jalonen im Sommer 2017, als er den Stürmer zum Captain ernannte. Gewinnt Bern am Ende, wäre es der dritte Titel für Moser.

Der Treue

Mathieu Tschantré, Captain der Bieler, spielt seit seiner Kindheit für den Verein. (Bild:Urs Lindt/freshfocus)

Mathieu Tschantré, Captain der Bieler, spielt seit seiner Kindheit für den Verein. (Bild:Urs Lindt/freshfocus)

In Biel geniesst Mathieu Tschantré Kultstatus. Er ist Captain, Identifikationsfigur und Vorbild in einer Person. Der heute 34-Jährige spielt seit seiner Kindheit für den Club. Er war nie irgendwo anders – und wollte das auch nie. Es habe immer wieder Angebote gegeben, «und ich habe oft gehört, ein Wechsel wäre gut für mich», so Tschantré. In Biel geblieben zu sein, bereut er nicht. Sein Début gab er in der Saison 2000/2001, damals noch in der NLB. Seit dem Wiederaufstieg des Clubs 2008 ist er Captain.

Mittlerweile steht der Center in seiner 19. Profisaison. Bleibt er im Playoff-Halbfinal gegen Bern unverletzt, wird er seine 850. Partie für die Bieler bestreiten. Auf dem Eis fällt Tschantré selten auf, ist er doch weder der grosse Torschütze noch der geborene Passgeber. Mit seinen 1,73 m ist er auch keine einschüchternde Figur in einem Spiel, in dem die Bedeutung des physischen Bereichs in den vergangenen Jahren stets zugenommen hat. Vielleicht hat es Tschantré deshalb nie für ein Länderspiel gereicht.

Doch der Bieler Captain hat andere Stärken als die Physis oder die Abgeklärtheit vor dem gegnerischen Tor: Tschantré überzeugt auf dem Eis als Kämpfer und Leader, geht mit Einsatz und Willen voran. Es sind diese Eigenschaften und Tugenden, die ihm eine einzigartige Karriere ermöglicht haben. Anfang März gab Tschantré bekannt, dass er nochmals eine Saison anhängen wird. In Biel werden sie dem Familienvater so lange einen Vertrag geben, bis er keine Lust mehr verspürt. Das habe er sich verdient, sagen die Verantwortlichen. Niemand widerspricht ihnen.

Der Auserwählte

Raphael Diaz, Captain der Zuger, absolvierte in der NHL über 200 Spiele. (Bild: pd)

Raphael Diaz, Captain der Zuger, absolvierte in der NHL über 200 Spiele. (Bild: pd)

Vielleicht war es ein Wink des Schicksals, dass Raphael Diaz in unmittelbarer Nähe zur Eisbahn in Zug aufwuchs. Er sei bereits mit «drei oder vier Jahren auf den Schlittschuhen gestanden», so Diaz. Und er habe die Trainings der ersten Mannschaft verfolgt. Gegenüber der Club-Homepage verrät Diaz, dass er seinen Eltern damals gesagt habe: «Ich wott au eine vo dene sii!» Doch Vater und Mutter wäre es lieber gewesen, der Junior hätte Fussball gespielt. Letztlich setzte der kleine Raphael seinen Kopf durch und landete beim EV Zug.

«Mein Vater findet Eishockey bis heute nicht so richtig gut», sagte der 33-Jährige einst in einem Interview. «Zu gefährlich, zu aggressiv.» Was dem Vater missfiel, fand dafür bei Diaz’ Schwester Daniela gefallen. Im vergangenen Jahr reisten die Geschwister Diaz an die Olympischen Spiele: Raphael als Captain der Schweizer Mannschaft, Daniela als Trainerin der Frauenauswahl. Raphael Diaz durchlief bei Zug alle Juniorenstufen und kam in der Saison 2003/2004 als 17-Jähriger zu seinem ersten NLA-Einsatz.

In den Jahren danach entwickelte er sich zu einem der besten Verteidiger der Schweiz. 2011 ging er nach Nordamerika, absolvierte in fünf Jahren über 200 NHL-Spiele. Dann die Rückkehr zu Zug. Warum? Weil Diaz noch eine Rechnung offen hatte – er wollte einen Titel. Seit dem Gewinn der Meisterschaft 1998 gab es für die Innerschweizer nichts mehr zu feiern. Im Februar wurde der Bann gebrochen und der Captain konnte die Cup-Trophäe in die Höhe stemmen. Geht es nach Diaz, soll dies nicht der letzte Pokal in dieser Saison gewesen sein.

Der Kämpfer

Etienne Froidevaux, Captain der Lausanner, führte schon einmal eine Mannschaft zum Titel. (Bild: pd)

Etienne Froidevaux, Captain der Lausanner, führte schon einmal eine Mannschaft zum Titel. (Bild: pd)

Etienne Froidevaux war schon ganz oben. Im Playoff-Final 2010 führte der damals 21-Jährige den SC Bern mit einem Tor und einem Assist im entscheidenden siebten Spiel gegen Servette zum Titel. Kurz darauf debütierte er in der Nationalmannschaft. Doch dann stagnierten die Fortschritte des Centers, der aus der Nachwuchsabteilung der Berner entstammt. Es gelang Froidevaux in den beiden Spielzeiten nach dem Meistertitel nie, in die ihm angedachte Rolle zu schlüpfen.

Stattdessen wuchs ein gewisser Roman Josi in die Rolle des Leaders hinein. Froidevaux’ Jugendfreund entwickelte sich zum Leistungsträger bei den Bernern. Heute gilt der NHL-Verteidiger Josi als einer der besten seines Fachs. Froidevaux hingegen musste kleinere Brötchen backen. Er wechselte im Sommer 2013 zu Langnau. Was als Neustart seiner Karriere angedacht war, endete im Abstieg. Die Zweitklassigkeit wollte sich der Berner nicht antun, es folgte ein Transfer zu Aufsteiger Lausanne.

Dort spürte er wieder jenes Vertrauen, das ihm in den Jahren nach dem Meistertitel gefehlt hatte. Heute ist Froidevaux fester Bestandteil jenes Kerns, der die Waadtländer mit Hilfe amerikanischer Millionen zu neuen und ungeahnten Erfolgen führen soll. In der kommenden Saison wird der 30-Jährige sein Team als Captain in die neue Eishalle führen, die symbolisch für den Aufbruch Lausannes steht. Experten trauen dem Club zu, sich zu einem Topteam zu entwickeln. Das Fundament dazu ist vorhanden. Gelingt dies, ist Froidevaux vielleicht bald zurück an jenem Punkt, an dem er bereits 2010 mit Bern war.

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