LEISTUNGSTRÄGERIN: Die Weitgereiste

In den USA geboren, im Thurgau aufgewachsen und seit vier Jahren Profi in Deutschland: Die 21-jährige Noelle Maritz gehört an der Frauen-EM in Holland zu den besten Schweizerinnen.

Christian Finkbeiner (sda), Arnheim
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Noelle Maritz überzeugt mit ihrer Unbeschwertheit und ihrer Siegermentalität. (Bild: Carl Sandin/EQ Images)

Noelle Maritz überzeugt mit ihrer Unbeschwertheit und ihrer Siegermentalität. (Bild: Carl Sandin/EQ Images)

Christian Finkbeiner (SDA), Arnheim

Meister und Cupsieger in der Schweiz und in Deutschland, Champions-League-Sieger, eine WM- und eine EM-Teilnahme sowie 50 Länderspiele für die Schweiz. Noelle Maritz gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Fussballerinnen. Dabei ist die linke Aussenverteidigerin aus dem thurgauischen Erlen erst 21-jährig. Maritz ist an der EM-Endrunde in den Niederlanden eine der besten Schweizerinnen. Im Auftaktspiel bei der 0:1-Niederlage gegen Österreich liess sie sich von der Nervosität des Teams nicht anstecken und gehörte zu den wenigen, die den Ansprüchen genügten. In ihrem 50. Länderspiel beim 2:1-Sieg gegen Island spielte sie gross auf und bereitete den Siegtreffer von Ramona Bachmann vor.

Fussballerische Ausbildung in den USA

So, wie sie spielt, tritt Maritz auch neben dem Feld auf: ruhig, abgeklärt, selbstbewusst. In akzentfreiem Hochdeutsch gibt sie über sich, das Schweizer Nationalteam und den nächsten Gegner von morgen Auskunft. Frankreich habe ein Weltklasse-Team, aber auch sie hätten super Spielerinnen. «Wir müssen genau so viel Gas geben wie gegen Island und auch mal dazwischen hauen, um den Spielfluss zu unterbrechen», so die Schweizerin.

Starke Gegnerinnen, eine gewisse Portion Härte und Druck ist sich Maritz aus Wolfsburg gewohnt. Seit vier Jahren spielt sie beim Bundesligaclub, der zu den Top-Teams in Europa gehört. «Der Konkurrenzkampf ist gross. Man weiss, dass man in jeder Partie abliefern muss, sonst wird es eng für das nächste Spiel.» Mit den Erwartungen kommt sie klar, die deutsche Siegesmentalität hat sie verinnerlicht, und am Erfolg hat sie Gefallen gefunden: «Von Titeln bekommt man nie genug.» Maritz ist in Kalifornien geboren, später nach New Jersey umgezogen. Die Grundlagen des Sports erlernte sie in den USA, wo der Frauenfussball einen hohen Stellenwert besitzt. «Ich genoss eine gute Ausbildung. In den USA wird der Fokus früh auf technische Feinheiten gelegt.» Obwohl sie sich als Schweizerin fühlt und in Deutschland lebt, ist Maritz noch heute mit den USA verbunden. Mehrmals verbrachte sie Ferien in Florida, mit früheren Schulkolleginnen steht sie noch in Kontakt. Auch amerikanische Charaktereigenschaften wie die Unbeschwertheit oder das positive Denken hat sie bewahrt. «Ich mache mir auf dem Feld nicht zu viele Gedanken und versuche, frei aufzuspielen.»

Geprägt haben die 21-Jährige neben dem amerikanischen Denken auch ihre bisherigen Trainer. Vor allem die «Gib-nie-auf»-Mentalität ist etwas, das sie auszeichnet. Das zeigte sie auch im zweiten Gruppenspiel gegen Island: «Jede wollte dem Team und der Öffentlichkeit beweisen, dass wir besser Fussball spielen können.»

Maritz hofft, dass das EM-Abenteuer für ihr Team nach dem Spiel gegen Frankreich weitergeht. Nach dem Turnier und den verdienten Ferien wird sie wieder zu Wolfsburg zurückkehren, wo sie noch einen Vertrag bis 2018 besitzt. Was danach kommt, lässt sie auf sich zukommen, auch wenn es derzeit keinen Grund für Veränderungen gibt. «Aber im Fussball kann es schnell gehen.» Sicher ist, dass sie auch in Zukunft ihr Geld mit Fussball verdienen will. «Es war immer mein Traum, Fussball-Profi zu werden und diesen Traum zu leben.»